Ein Tag auf Gili Trawangan

Je mehr man teilt, umso mehr besitzt man auch selber. Aus diesem Grund bin ich dankbar darüber, dass Martin mit mir seine Erfahrungen über diese Insel geteilt hat. Womöglich wären wir sonst wieder mitten im Partyviertel abgestiegen und wären am nächsten Tag gleich weiter gefahren. Natürlich habe ich Reiseführer gelesen, mir Impressionen von Google Maps geholt und mit so vielen Menschen wie nur möglich über unser Vorhaben geredet und mich ausgetauscht. Aber bei manchen Dingen bin ich immer noch wie ein kleines Kind. Ich muss erst selbst auf die rote Herdplatte fassen, damit ich weiss, dass sie heiß ist. Und ich hätte meinen Blog bestimmt nicht „Ich seh’ dann mal los“ genannt, wenn ich mir in Deutschland in einem Reisebüro eine Pauschalreise gebucht hätte. Einfach drauf los, und mit offenen Augen unseren Planeten erkunden. Mir ist klar, dass ich nicht der Erste bin der so eine Reise macht, gemacht hat, oder in Zukunft machen wird. Aber es ist was anderes, für ein paar Wochen Urlaub zu nehmen, nach Hause kommen zu müssen und während dieser Zeit eine finanzielle Doppelbelastung zu haben, oder ob man frei von jeglichen Verpflichtungen tun und lassen kann, worauf man gerade Lust hat. Mein sehr guter Freund Martin beschreibt diese Zeit immer mit den Worten: „Sich gepflegt langweilen“.

Was macht man also, wenn man sich wirklich um NICHTS Gedanken machen muss? Ich habe mich aus diesem Grund mit den Einheimischen unterhalten, die hier im Hotel arbeiten. Schnell habe ich herausgefunden, dass sie nicht nur hier arbeiten sondern auch leben. Natürlich wollte ich wissen, wo sie wohnen, denn wir Deutschen kennen das normalerweise so: Man steht morgens auf, fährt zu Arbeit, erledigt diese und fährt wieder nach Hause. Nachdem ich hier bisher nur ein Hotel neben dem anderen und bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht mehr von der Insel gesehen habe, als den Weg vom Hafen bis zu unserem Hotel, dachte ich, diae Häuser oder Wohnungen der Angestellten sind in der Mitte der Insel. Der selbe Indonesier, der gestern Abend mit weiteren Angestellten am Strand getrommelt hat, saß am Vormittag mit mir am Tisch und beantwortete meine Frage wie folgt: „Ach wo ich schlafe? Achja, manchmal hier, manchmal dort. Wir haben jetzt aber schon September und da ist es immer so windig, sonst würde er heute am Strand schlafen. Darum schlafe ich heute dort drüben.“ und zeigte auf die Hütte zu seiner rechten. Diese dient tagsüber den Touristen als Ort der Entspannung, an der man Speisen und Getränke zu sich nehmen kann. Als Windschutz hängen lediglich Strohrollos an den Wänden, die tagsüber geöffnet sind. Ich wollte wissen, wo er denn dann seine Sachen hat, denn wir deutschen kennen das normalerweise so: In der Küche hat man seinen Kühlschrank und das Geschirr, im Schlafzimmer steht das Bett und die Kleider hängen im Schrank. Im Wohnzimmer steht die Couch und der LED Fernseher hängt an der Dolby-Surround Anlage. Diesmal zeigte Rijal nach links, auf den Schrank, indem sauberes Besteck, Gewürze, ein paar Gesellschaftsspiele und eine Gitarre steht. Im obersten Regal lag ein etwa 50cm langer, im Durchmesser etwa 15cm kleiner, roter Sack. In diesem Sack befinden sich seine gesamten Besitztümer.

Bambushütte

Tagsüber eine Lounge, Nachts ein Schlafplatz

Roter Sack

Rijal braucht nicht viel für ein erfülltes Leben

Seit mehreren Jahren wohnt er bereits auf diese Art auf Gili Trawangan. Um Kleidung muss er sich keine Gedanken machen, denn ein frisch gewaschenes T-Shirt mit aufgedrucktem Hotel Logo bekommt er jeden Tag gestellt. Und wenn mal ein Gast seine Sandalen bei der Abreise vergisst, dann fährt er deswegen garantiert nicht mehr zurück. Manchmal verstehen sie die Gäste, die am Strand sitzen nicht richtig und bringen ihnen das falsche Gericht, oder die Person, welche das Essen bestellt hat, ist gar nicht mehr anwesend. An eine warme Mahlzeiten zu kommen ist also ebenfalls kein Problem für ihn. Kurz vor Sonnenuntergang muss er dann für ein paar Stunden Gas geben, denn da kommen die Touristen an den Strand und an die Bar, und er muss ein paar Cocktails mixen. Bevor das Spektakel dann los geht, holt Rijal die Trommeln aus einer Hütte und setzt sich an den Strand, um mit ein paar seiner Kollegen die Touristen zu unterhalten. Manchmal gesellt sich auch ein Nicht-Einheimischer dazu oder irgendjemand hat ein Didgeridoo. Nachdem das Naturschauspiel zu Ende ist und die Nacht langsam einbricht, verschwinden die Leute wieder, und Rijal bringt die Trommeln wieder zurück an ihren Platz. Kurz darauf werden die Lichter ausgemacht und er begibt sich an seinen Schlafplatz, wo er dann noch ein paar Stunden gemeinsam mit seinen Kollegen zusammensitzt, bevor auch dort die Lichter ausgehen. So läuft das hier jeden Tag.

Die Trommeln sind bereit

Die Trommeln sind bereit

Postkartenidylle

Spätestens jetzt sind alle Plätze am Strand belegt

Naturschauspiel

Und alles konzentriert sich auf die nächsten paar Minuten

Und während ich noch darüber nachdenke, ob sich Rijal auch um NICHTS Gedanken machen muss, fällt mir auf, dass es mir gut tut, meine Gedanken schweifen zu lassen und einmal über andere Menschen nachzudenken, und nicht nur ständig an mich selbst zu denken.

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