Kein Bock auf Sengigi

Gemeinsam mit den beiden Schweden, die ebenfalls mit uns auf dem Rinjani gewesen sind, wurden wir in Sengigi abgesetzt. Und wie soll es auch anders sein, nicht vor irgendeinem Hotel oder idealerweise sogar vor dem Hotel, welches von unseren Mitfahrern gebucht wurde – nein – wir werden natürlich gleich wieder vor dem nächsten Tourist-Office abgesetzt, welches garantiert wieder irgendeinem Onkel oder Cousin von unserem Veranstalter gehört. Mit Blasen an den Füßen und völlig verdreckter Kleidung schnallen wir uns im Eiltempo unsere Rucksäcke auf den Rücken, und versuchen so schnell wie möglich Land zu gewinnen. Die beiden Schweden waren schon einmal in Sengigi und haben, wie bereits erwähnt, ein Zimmer gebucht. Wir schließen uns den beiden an, und gehen gemeinsam die Hauptstraße Richtung Unterkunft entlang. Rechts von uns befindet sich der Strand, der allerdings überhaupt nicht zu sehen ist, weil ein Restaurant neben dem anderen steht. Dazwischen befinden sich Hotels, die allerdings nicht gerade günstig aussehen. Auf unserer Straßenseite sieht es nicht besser aus. Wir biegen irgendwann links ab, und nach etwa zehn Minuten Fußmarsch sind wir am Hotel angekommen. „Nehmt auf jeden Fall ein Zimmer dort hinten beim Pool, denn hier rechts ist eine Hühnerfarm,“ bekomme ich noch als Tipp auf den Weg, bevor die beiden Schweden sich von uns verabschieden. Zu unserem Glück sind natürlich hinten beim Pool keine Zimmer mehr frei, und weil wir die letzten Tage sowieso noch nicht genug gewandert sind, machen wir uns wieder auf den Weg zurück zur Hauptstraße, um irgendein relativ günstiges Zimmer mit warmen Wasser und WiFi zu finden. Nach den Strapazen der letzten Tage wollten wir einfach nur entspannen und Fünfe g’rad sein lassen. In den kleinen Hinterhof-Unterkünften gab es jedoch kein warmes Wasser, und zu meinem Glück ist dann auch noch eine Blase an meinem Fuß aufgeplatzt. In diesem Moment hatte ich eigentlich schon gar keinen Bock mehr auf Sengigi. “Ein letztes Hotel checken wir jetzt noch ab, bevor wir uns ein Taxi nach Kuta nehmen.“ Meine Lebenspartnerin war der selben Meinung und wir gingen in das nächste uns sympathische Hotel und fragten was eine Nacht kostet. 650.000 Rupien, also umgerechnet 43 EUR wollten sie dort für ein Zimmer haben. Aber dafür, dass das Hotel direkt an der Hauptstraße war, muss ich ehrlich zugeben, war uns das viel zu teuer und wir sind wieder losgedackelt. Anscheinend hatte der Pförtner dieses Hotels Mitleid mit uns, weil wir mit gar so schmerzvollem Gesichtsausdruck an ihm vorbeigegangen sind, dass er uns einen kostenlosen kalten Orangensaft angeboten hat. Ich wollte mich bereits auf den Weg zum Freigetränk machen, als meine Lebenspartnerin völlig entnervt zu mir meinte: “Peter, hier gibt’s gar nichts umsonst!“ Also lehnten wir ab, doch der Pförtner lies nicht locker und verwickelte uns in ein Gespräch. Er hat uns dann tatsächlich geholfen, eine Transportmöglichkeit nach Kuta zu finden. Mit mehreren Fahrern, Bemos und Taksis haben wir verhandelt, doch unter 250.000 Rupien wollte uns keiner dorthin bringen.

Am Ende hat uns dann ein sehr netter Fahrer namens Atschie nach Kuta gebracht. Ich ahnte Böses, als er nach fünf Minuten schon wieder angehalten hat, doch er ist nur kurz bei einem kleinen Laden stehengeblieben und hat uns eine Packung Kekse spendiert. Anscheinend haben wir total abgemagert ausgesehen. Es war bereits dunkel und wir sind schon über eine Stunde unterwegs gewesen, als wir uns erneut über Essen unterhalten haben. Atschie meinte, er kenne ein gutes und günstiges einheimisches Lokal und würde uns gerne dorthin bringen. Da wir den ganzen Tag noch nichts gegessen hatten, ausser die Kekse, die uns Atschie davor spendiert hat, willigten wir ein. Zusammen mit Atschie haben wir dort zu Abend gegessen. Als ich jedoch bezahlen wollte, winkte Atschie mich zurück und sagte: “Ich habe schon bezahlt.“ Wir fuhren wieder los und sind kurze Zeit später in Kuta angekommen. Atschie hat uns versprochen solange mit uns durch die Gegend zu fahren, bis wir ein Hotel finden, dass uns gefällt und warmes Wasser sowie WiFi hat. Das war auch gut so, denn das erste Hotel machte zwar von außen wirklich was her, aber die Bettlaken waren dreckig, die Fliesen vergilbt und die Armaturen der Dusche waren total verrostet. Aber weiter als 375.000 Rupien wollte der Hotelier trotzdem nicht mit dem Preis runter gehen. Er machte sogar noch Witze, dass wir in Kuta niemals für weniger Geld ein Zimmer mit warmen Wasser bekommen würden, und falls doch, dann dürfe ich ihm „diesen Aschenbecher über den Schädel ziehen”. Letztendlich haben wir dann nach mehreren Anläufen eine für indonesische Verhältnisse wirklich sehr saubere Unterkunft im Herzen von Kuta gefunden. 250.000 Rupien, umgerechnet 16 EUR kostet die Nacht, und das finde ich einen angemessenen Preis, denn zusätzlich zu warmen Wasser, kostenlosen WiFi und Frühstück für zwei Personen, hat unser Zimmer sogar eine Klimaanlage. Wir haben dann noch kurz überlegt, ob uns Atschie nochmals zum ersten Hotel bringen soll, damit ich dem Hotelier den Aschenbecher über den Schädel ziehen kann, aber wir haben uns dann doch für die so sehr herbeigesehnte heiße Dusche entschieden.

Unsere Unterkunft in Kuta

Banyu Urip, unsere Unterkunft in Kuta

One thought on “Kein Bock auf Sengigi

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