Breakout Malaysia – Real Escape Game

Der treue „Ich seh’ dann mal los“ Leser hat sicherlich schon mitbekommen, dass wir auf unserer Reise nicht jeden Schritt minutiös planen, sondern mehr oder weniger in den Tag hinein leben und das machen, worauf wir Lust haben. Wer uns etwas besser kennt, weiss auch, dass wir uns die Zeit gerne mit Zocken vertreiben. Museen oder Shopping Malls gibt es hier in Kuala Lumpur wie Sand am Meer, doch das bedeutet für uns nicht, dass wir diese auch alle abklappern müssen. Das ist einfach nicht unser Ding. Darum haben wir uns einmal umgeschaut, was es denn hier in Kuala Lumpur ausser den üblichen Sehenswürdigkeiten noch so gibt. Bei unserer Recherche haben wir auch die Eckdaten von Kuala Lumpur in Erfahrung gebracht, da uns die Stadt riesig vorkommt, und es hier nur so von Menschen wimmelt. Auf Wikipedia kann man nachlesen, dass die Stadt zwar kleiner als München ist, aber eine sehr viel höhere Bevölkerungsdichte hat. Die Bewohner von Kuala Lumpur nennen ihre Stadt schlichtweg KL und das Stadtzentrum KLCC, was ausgeschrieben Kuala Lumpur City Center bedeutet. Im KLCC befinden sich auch die Petronas Zwillingstürme, die ich auf jeden Fall mit eigenen Augen sehen wollte. Und genau gegenüber auf der anderen Strassenseite der Petronas Zwillingstürme befindet sich das Avenue K, ein relativ kleines Einkaufszentrum, zumindest für Malaiische Verhältnisse. Im zweiten Geschoss befindet sich das Breakout Malaysia, und genau dort wollten wir unsere Spielsucht befriedigen.

Doch zuerst mussten wir von unserem Hotel ins KLCC kommen. Das es irgendwo einen Bus gibt, der ins KLCC fährt, habe ich mir schon gedacht, doch das sich die Bushaltestelle genau hinter unserem Hotel befindet, war ein guter Zufall. Viel mehr war ich allerdings über die Tatsache erfreut, dass die Benutzung dieses Busses absolut kostenlos ist, und als ich im Bus dann auch noch gemerkt hatte, dass es im Bus selber einen kostenlosen W-Lan Access Point gibt, konnte ich mich vor Begeisterung kaum bremsen. Das Einzige, was ich an der Buslinie zu bemängeln habe, ist, dass die Bushaltestellen keine Namen haben. Darum sind wir natürlich gleich an der falschen Bushaltestelle ausgestiegen. Doch das Wetter war wie bisher immer fantastisch, und darum sind wir zu Fuß Richtung Petronas Towers gegangen. Sie zu finden war überhaupt gar kein Problem, denn man kann sie fast von überall aus deutlich erkennen. Nachdem wir etwa 2 Stunden lang versucht hatten, ein Foto zu machen, auf dem kein anderer Tourist zu sehen ist, hat es doch tatsächlich begonnen zu regnen. Wir sind dann in die Petronas Towers gegangen und standen plötzlich mitten im Suria KLCC. Das Suria KLCC ist mit rund 135.000 m² Verkaufsfläche mehr als doppelt so groß wie das KaDeWe in Berlin, das größte Warenhaus in Deutschland und Kontinentaleuropa. Da wir sowieso schon als Everywhere Packer bezeichnet worden sind, und wir immer noch viel zu viel Gepäck mit uns herumschleppen, haben wir schnell wieder kehrt gemacht, und sind im strömenden Regen in das gegenüberliegende Avenue K gegangen.

Links entlang

Von der Bushaltestelle zu den Petronas Towers gab es viel zu sehen…

KL Einschienenbahn

…eine Einschienenbahn…

Fernsehturm von KL

…den Fernsehturm von Kuala Lumpur…

Eine Oase umgeben von Wolkenkratzern

…und eine Oase umgeben von Wolkenkratzern

Peter Lakatos vor den Petronas Towers

Nachdem wir endlich ein Foto von mir gemacht haben, auf dem keine anderen Touristen zu sehen sind…

Auf einmal hat es angefangen zu regnen

…hat es auf einmal angefangen zu regnen…

Haupteingang der Petronas Zwillingstürme

…und wir sind durch den Haupteingang in das Suria KLCC gegangen…

...und haben es auch gleich wieder verlassen.

…und haben es auch gleich wieder verlassen.

Weil es sowieso geregnet hat, waren die Voraussetzungen also ideal, um den Nachmittag im Breakout Malaysia zu verbringen. Das Breakout Malaysia ist ein Real Escape Game, das bedeutet man spielt selbst die Hauptrolle in einem Spiel, dessen Ziel es ist, der vorgegeben Situation zu entfliehen. Im Breakout Malaysia stehen fünf verschiedene Themen in drei Schwierigkeitsstufen zur Auswahl. Die Themen sind für zwei bis acht Spieler ausgelegt. Wir haben uns für „The Infinity“ entschieden, einem Thema von mittlerer Schwierigkeit. Nach einer kleinen Einführung in die Sicherheitsbestimmungen und unserer schriftlichen Zusicherung, dass wir nichts beschädigen, ging es auch schon los. Wir mussten uns für einen von sechs verschiedenen Charakteren entscheiden. Zur Auswahl stand der Light Bringer, der für das Spiel eine Taschenlampe zur Verfügung gestellt bekommt, die er im Laufe des Spiels gegen einen Hinweis eintauschen kann. Der Lock Master bekommt einen Schlüssel, der einmalig im Spiel verwendet werden kann. Der sogenannte Merchant bekommt am Anfang des Spiels einen Hinweis, der an einem bestimmten Punkt im Verlauf des Spiels einen Vorteil erbringen soll. Das Oracle kann in die Zukunft sehen und bekommt vor Spielbeginn mehrere Hinweise für den weiteren Spielverlauf. Wem die 45 Minuten Spielzeit nicht reichen, kann als Time Bender im Verlauf des Spiels bis zu 15 Minuten zusätzliche Zeit erspielen. Der mächtigste Charakter ist der Scholar, welcher zu jedem beliebigen Zeitpunkt im Spiel einen Hinweis erhalten kann. Meine Lebenspartnerin hat sich für das Oracle entschieden und ich habe den Merchant gewählt. Wenn man das Oracle wählt, bekommt man vor Spielbeginn ein Büchlein mit Bildern, die man sich verdammt gut einprägen muss, damit die darauf versteckten Informationen einem im Verlauf des Spiels auch wirklich weiterhelfen. Der Merchant bekommt nur ein einzelnes Bild gezeigt, welches irgendwann im Spiel wieder auftaucht und mit einer Zahl verbunden ist. Damit man während dem Spiel nicht völlig hilflos ist, bekommt man noch ein Walky-Talky mit auf dem Weg, bevor man dann eine Augenmaske aufgesetzt bekommt und getrennt in verschiedene Räume gebracht wird. Ziel des Spiels ist es, gemeinsam durch Kommunikation und dem gemeinsamen Lösen von verschiedenen Rätseln zueinander zu finden, um an Ende das letzte große Rätsel zu lösen, damit der Breakout aus „The Infinity”, also die Flucht aus der Unendlichkeit, gelingt.

Achtung Spoiler

Nachdem der Gamemaster von drei herunter gezählt hatte, durften wir unsere Masken abnehmen. Ich stand alleine in einem schwarzen Raum mit drei Türen. In der Mitte des Raumes stand eine Vitrine mit drei Ebenen. In der obersten Ebene waren mit einer weißen Flüssigkeit gefüllte Gläser, Plastikfrüchte, Besteck sowie eine Serviette. Auf der mittleren Ebene waren ein Silbertablett und ein Maßband. Ganz unten befanden sich Eier in einer Eierschachtel sowie ein Spiegel. Genau dahinter war ein Stahlgitter, an dem man in den hinteren Teil des Raumes gehen konnte. Im vorderen Teil des Raumes waren die drei Türen. Neben einer der Türen hing ein Holzkasten, der mit einem Zahlenschloss verriegelt war. Über der Tür befand sich ein Lämpchen, das jedoch nicht leuchtete. Im hinteren Teil des Raumes war eine Schublade in der Ecke, in der sich eine Magnetplatte und Stift befanden. Auf der Magnetplatte stand eine Zahlenreihe und der Hinweis, diese Zahlen weise zu verwenden. Auf dem Holzkasten im vorderen Teil des Raumes klebte ein Zettel, auf dem das erste Rätsel zu lesen war. Man musste alle Bananen, Orangen und Eier zusammenzählen, die Lösung dieses Rätsels war die Kombination des Zahlenschlosses, welches den Holzkasten verriegelt hat. Das hört sich im ersten Moment total einfach an, aber man musste sowohl die Gegenstände aus dem Raum, in dem ich war, als auch die aus dem Raum, in dem sich meine Lebenspartnerin befand zusammenzählen, denn der Raum, indem sich meine Lebenspartnerin befand, war eine exakte Kopie des Raumes, indem ich mich befand. Das hört sich zwar immer noch total einfach an, das Problem bestand allerdings darin, dass ich zwar zu Spielbeginn meine Lebenspartnerin hören und verstehen konnte, so wie sie mich, doch als es dann darum ging, sie nach der Anzahl der Gegenstände zu fragen, ertönte plötzlich Musik aus einem Lautsprecher, der sich genau über mir befand. Ich konnte also kein Wort von dem, was sie gesagt hat, verstehen. Wir haben dann ziemlich genau eine Viertelstunde gebraucht, bis wir herausgefunden haben, das wir uns durch die Schublade, die sich im hinteren Teil des Raumes befindet, problemlos unterhalten können. Nachdem wir dann die Kombination eingegeben hatten und den Holzkasten geöffnet hatten, befand sich darin ein weiterer Holzkasten, der mit einem Vorhängeschloss verriegelt war sowie ein Türöffner. Der Türöffner in meinem Holzkasten öffnete die Tür von dem Raum, indem sich meine Lebenspartnerin befand, und der Türöffner in ihrem Holzkasten meine Tür. Um in den nächsten Raum zu gelangen, mussten wir unsere Türöffner gleichzeitig betätigen, denn nach 10 Sekunden waren die Türen wieder verriegelt. Der nächste Raum war eine exakte Kopie des Raumes davor, jedoch mit den kleinen Unterschieden, dass die Gegenstände in der Vitrine anders angeordnet waren, als im vorherigen Raum. Und genau das war auch die Aufgabe des nächsten Rätsels, welches wieder an derselben Stelle am Holzkasten rechts neben der Tür hing. Zum Glück hatte meine Freundin das Oracle als Charakter gewählt und wusste daher, was die Unterschiede zum Raum vorher waren. Ich habe zu diesem Zeitpunkt keinen blassen Schimmer gehabt, wie die Gegenstände des vorherigen Raumes angeordnet waren. Zurück ging es ja nicht mehr, weil die Tür bereits wieder verriegelt war, und ich wusste nur noch die Anzahl der Gegenstände. Die Problematik in diesem Raum ist für uns gewesen, dass wir in der Schule bei den Englischvokabeln geschludert haben. Denn man musste den vierten Buchstaben von dem Wort, welches den Unterschied beschreibt, mittels einer Tabelle dekodieren. Die Gläser in der zweiten Vitrine waren diesmal mit einer schwarzen Flüssigkeit gefüllt, der Unterschied war also die Farbe, also Color auf Englisch. Das Silbertablett war kleiner, als das im Raum davor, also Size auf Englisch. Aber welches englische Wort beschreibt, dass im ersten Raum die Serviette zu einem Dreieck zusammengelegt war, und im zweiten Raum die Serviette nicht zusammengelegt war. Der vierte Unterschied war, das Messer und Gabel vertauscht waren. Wir hatten in diesem Raum also eher mit unseren Englischkenntnissen zu kämpfen, als mit dem Rätsel selbst. Nur durch Zufall haben wir das Zahlenschloss dann aber nach einer weiteren viertel Stunde geknackt. Wieder mussten wir gleichzeitig die Türöffner im Holzkasten betätigen, und nach kurzer Absprache mit meiner Lebenspartnerin haben wir dann festgestellt, dass sie sich in dem Raum befindet, in dem ich zu Beginn des Spiels war, und ich in dem Raum, indem meine Lebenspartnerin mit dem Spiel begonnen hatte. Da ist uns auch erst aufgefallen, das sich in der Innenseite der Tür des Holzkastens das nächste Rätsel befindet. Genauso wenig wie Ihr bis jetzt mitbekommen habt, dass im Laufe des Spiels in einem dieser Holzkästen ein Schlüssel, sowie zwei Türstopper gewesen sind, habe ich das ebenfalls nicht mitbekommen. Das war dann auch das dritte Problem, was dazu geführt hat, dass wir das Spiel nicht selbstständig lösen und beenden konnten. Kommunikation ist nämlich in diesem Spiel der wahre Schlüssel zum Erfolg. Nachdem uns dann der Gamemaster einen Hinweis gegeben hat, hat meine Lebenspartnerin einen der beiden Türstopper benutzt. Fragt mich bitte nicht, warum sie nicht die Tür, welche hinter ihr zugefallen ist, mit dem Türstopper offen gehalten hat. Denn sie hat statt dessen die Tür zufallen lassen, und den Türstopper danach unter die Tür gesteckt, so dass diese blockiert war, und ich nicht mehr in der Lage war, den übernächsten Raum zu betreten. Nachdem wir durch diese Aktion nicht nur die Tür, sondern quasi den gesamten Spielverlauf blockiert hatten, ist dann auch noch die letzte Viertelstunde Spielzeit verstrichen. Auch das Eingreifen des Gamemasters konnte die verstrichene Zeit nicht mehr zurück holen. Für diesen Fall wäre es wohl besser gewesen, den Time Bender zu wählen, denn meinen Charakter, den Merchant, habe ich bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht benötigt. Weil unsere gesamte Spielzeit damit abgelaufen war, hat zum Abschluss der Gamemaster mit uns gemeinsam dann noch alle restlichen Rätsel sowie das letzte große Rätsel gelöst, und uns zur Flucht aus der Unendlichkeit verholfen.

Resume

Auch wenn wir das Spiel nicht selbstständig lösen konnten, hat es uns verdammt viel Spass gemacht. Der Preis von 38 MYR pro Person war angemessen und ich würde gerne auch noch die anderen Themen ausprobieren. Wenn man der englischen Sprache mächtig ist und die ganze Zeit miteinander kommuniziert, dann kann man das Spiel bestimmt auch in der vorgegeben Zeit lösen. Auf jeden Fall war es eine super Abwechslung zu den üblichen Sehenswürdigkeiten und wir haben jede Menge Spass gehabt. Die Türstopper Aktion meiner Lebenspartnerin hat sich bereits zu einem Running Gag entwickelt. Wir beide können das Breakout Malaysia auf alle Fälle jedem empfehlen, der an einem verregneten Tag in KL etwas Aussergewöhnliches erleben möchte.

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