Ausflug zum Semenggoh Nationalpark

Gestern Abend hat uns Franky, wie Francesca liebevoll von allen genannt wird, den Weg zur Bushaltestelle erklärt. Überpünktlich sind wir an der Bushaltestelle angekommen und haben uns in den wartenden Bus gesetzt. Kurz vor Abfahrt zum Semenggoh Nationalpark ist dann auch der Busfahrer erschienen, der uns ein Ticket verkaufte. Lediglich 3 MYR, also umgerechnet 75 Cent kostet die einstündige Busfahrt. Ich war sehr aufgeregt und gespannt, ob wir überhaupt einen Orang Utan zu Gesicht bekommen werden. Denn Franky hat uns erklärt, dass zur Zeit Früchtesaison ist, und die Orang Utans nur gelegentlich zu den Futterplätzen gehen. Um diese Jahreszeit gibt es im Urwald genug zum Fressen und wir sollen uns nicht allzu große Hoffnungen machen. Manche Gäste mussten dreimal zum Semenggoh Nationalpark fahren, um einen Orang Utan zu sehen. Einer von ihnen war sogar fünfmal dort und hat am Ende nur ein Foto von einem Poster gemacht, auf dem ein Orang Utan zu sehen ist.

Ohne uns große Hoffnungen zu machen, sind wir um 8:00 Uhr am Semenggoh Nationalpark angekommen. Der Preis für den Eintritt ist eigentlich nicht der Rede wert, aber der Vollständigkeit halber sei erwähnt, das dieser 10 MYR, also 2,50 EUR beträgt. Die letzten 1,2 Kilometer zum Futterplatz mussten wir zu Fuß zurücklegen. Lediglich eine kleine Straße führt durch den sonst dicht bewachsenen Urwald. An manchen Stellen zweigen kleine Wege ab, über die man sich etwas tiefer in den Dschungel wagen kann. Es ist fast schon laut in dem Dschungel, aber nicht aufgrund von Verkehrslärm oder ähnlichem, sondern auf Grund der vielen Tiere, die sich mit ihren artentypischen Geräuschen gegenseitig übertönen. Ein Gequake hier, ein Zwitschern dort, Gezirpe und mir völlig unbekannte Töne überall. Überall duftet es. Man sieht die verschiedensten Blumenarten und riesige, saftig grüne Bäume, Gräser und Farne.

Semenggoh Nationalpark

Semenggoh Nationalpark

Nur ein kleiner Weg führt zur Futterstelle

Nur ein kleiner Weg führt zur Futterstelle

Saftiges Grün, wohin man auch schaut

Saftiges Grün, wohin man auch schaut

Ein Farn so groß wie ein Haus

Ein Farn so groß wie ein Haus

Wie Schlangen winden sich die Wurzeln dieses Baumes

Wie Schlangen winden sich die Wurzeln dieses Baumes

Fallgrubenfalle

Eine Fallgrubenfalle

Pünktlich um 9:00 Uhr bekamen alle Besucher des Semenggoh Nationalpark eine Einweisung, wie man sich im Falle einer Begegnung mit einem Orang Utan zu verhalten hat. Während der Einweisung meinte der Nationalpark Ranger, dass er über sein Walky Talky bereits gehört hat, dass zwei Orang Utans an einer der Futterstellen gesichtet worden waren. Ich konnte meinen Ohren nicht trauen und musste noch einmal nachfragen, ob ich mich auch wirklich nicht verhört habe. Plötzlich fing mein Puls an zu rasen und bereits nur der Gedanke daran, gleich einen frei in der Wildnis lebenden Orang Utan zu sehen, presste mir die ersten Tränen in die Augen. Als die Einweisung zu Ende war, sind wir still schweigend Richtung Futterstelle gegangen.

Als wir um die letzte Ecke gegangen waren, hing bereits einer der Orang Utans an seinem linken Arm und linken Bein an einem Ast, der nur wenige Meter vom Boden entfernt war. Ich musste erst einige Male tief Luft holen und durchatmen, bevor ich ein Foto machen konnte. Viel zu sehr hatte ich mir gewünscht, eines von diesen Tieren mit eigenen Augen und vor allem ohne Gitter dazwischen zu sehen. Ein paar Äste höher hing ein weiterer Orang Utan und hat seine Mahlzeit genossen. An diesem Tag waren in etwa 20 weitere Touristen im Semenggoh Nationalpark und als ich mich so umgeschaut habe, habe ich gesehen, dass ich nicht der einzige war, der sich vor Freude und Ehrfurcht die Tränen aus den Augen gewischt hat. Plötzlich konnte ich es weiter hinten aus dem Urwald rascheln hören. Während alle anderen dicht aneinander gedrängt die beiden Orang Utans bestaunten und fotografierten, bin ich in Richtung des Raschelns gegangen und konnte beobachten, wie ein dritter Orang Utan aus den Tiefen des Urwalds sich seinen Weg in Richtung Futterstelle bahnte.

Ich kann kaum glauben, wie viel Glück wir an diesem Vormittag hatten, den wir durften drei von nur noch insgesamt 27 im Semenggoh Nationalpark lebenden Orang Utans mit eigenen Augen sehen. Der Gedanke, dass diese wunderschönen und einzigartigen Tiere vom Aussterben bedroht sind, macht mich wirklich sehr traurig. Ich muss mir jetzt erst einmal ein Taschentuch holen, bevor ich überhaupt weiter schreiben kann.

An seinem linken Arm und Bein hängt der Orang Utan im Ast

An seinem linken Arm und Bein hängt der Orang Utan im Ast

Die 44 jährige Seduku

Die 44 jährige Seduku

Seduku vom Semenggoh Nationalpark

Seduku vom Semenggoh Nationalpark

Über eine Stunde sind die Orang Utans heute an der Futterstelle geblieben, was ziemlich aussergewöhnlich ist, denn normalerweise begeben sie sich relativ schnell wieder zurück in die Tiefen des Semenggoh Nationalpark. Am Nachmittag wollten wir unser Glück noch einmal strapazieren und die zweite Fütterung abwarten. In der Zwischenzeit sind wir wieder zum Bus gegangen, der uns nach ein paar Minuten im Vorort von Kuching abgesetzt hatte, damit wir dort etwas zu Mittag essen konnten. Eigentlich hätten wir noch eineinhalb Stunden warten müssen, bis der Bus zurück Richtung Semenggoh Nationalpark wiederkommt. Doch ein sehr freundlicher Einheimischer hat uns, als wir an der Bushaltestelle gesessen sind, mitgenommen und wir konnten die zusätzliche Zeit nutzen, um ein wenig durch den Urwald zu spazieren. Dabei haben wir viele weitere Urwaldbewohner gesehen.

Eine Biene setzt zur Landung an

Eine Biene setzt zur Landung an

Eidechse

Gut getarnte Eidechsen

Vogel

Vögel

Tausendfüssler

Einen Tausendfüssler

Stabschrecke

Stabschrecken

Schmetterling

Unzählige Schmetterlinge

Libelle

Libellen

Langfühlerschrecke

Langfühlerschrecken

Rieseneichhörnchen

Rieseneichhörnchen

Krokodil

Und auch Krokodile

Bei der Fütterung um 15:00 Uhr waren sehr viel mehr Touristen anwesend als am Vormittag und auch sehr viele kleine Kinder, die verständlicherweise keine Lust darauf hatten, sich ruhig zu verhalten und still zu sein. Das war wohl auch der Grund, warum wir am Nachmittag dann keinen weiteren Orang Utan mehr gesehen haben.

Trotzdem möchte ich noch mindestens einmal zum Semenggoh Nationalpark, um vielleicht „Richie, The Big Boss“ zu sehen. Dieses 170kg schwere Alphatier ist allen Einwohnern von Borneo bekannt. Ihn einmal mit eigenen Augen zu sehen, wäre das I-Tüpfelchen des ohnehin schon absolut unvergesslichen Erlebnisses. Aber da Richie im letzten Monat nur dreimal zur Futterstelle gekommen ist, glaube ich ehrlich gesagt nicht, das ich ihn zu sehen bekommen werde. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und außerdem kommt der Eintritt, den ich bezahlen werde, zu 100% dem Semenggoh Nationalpark zu Gute.

3 thoughts on “Ausflug zum Semenggoh Nationalpark

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