Nasenaffen im Bako Nationalpark

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich vor genau zwei Wochen das erste Mal darüber geschrieben habe, einen Affen in freier Wildbahn gesehen zu haben. Auch wenn die Affen, die ich bisher in Malaysia gesehen habe, allesamt in Nationalparks leben, bin ich der Meinung, dass sich die Tiere dort um einiges wohler fühlen, als in einem Zoo, eingesperrt hinter Gittern oder einer dicken Glasscheibe. Die Begegnung mit den Orang Utans vom Semenggoh Nationalpark war für mich bisher mein emotionalstes Erlebnis meines gesamten Auslandsaufenthalts. Die nächsten beiden Tage sollten die witzigsten Erlebnisse beinhalten, was die Art der Affen betrifft.

Anreise zum Bako Nationalpark

Vor ein paar Tagen haben wir uns im Touristenbüro in Kuching eine Unterkunft für zwei Nächte im Bako Nationalpark reserviert. Heute sind wir, nachdem ich meinen Blog über die Rafflesia verfasst habe, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin gefahren. Die Busfahrt ist sehr günstig und kostet nur 3,50 MYR pro Person. Die Fahrt dauert etwas mehr als eine Stunde und der Bus hält direkt vor dem Eingang des Bako Nationalpark. Der Eintritt beträgt 20 MYR pro Person. Einheimische bezahlen in allen Nationalparks im Übrigen immer nur die Hälfte von dem, was Touristen bezahlen müssen, aber das finde ich absolut in Ordnung. Um zum eigentlichen Nationalpark zu kommen, muss man allerdings noch 20 Minuten mit einem Boot fahren. Das Bootsticket für eine einfache Fahrt kostet noch einmal 20 MYR pro Person. Als wir auf der Halbinsel am Südchinesischen Meer angekommen sind, war gerade Ebbe und wir mussten über den dunkelbraunen Sandstrand zur Rezeption gehen. Dort haben wir unsere Reservierung vorgezeigt und 10 MYR Pfand für den Schlüssel hinterlegt. Schon auf dem Weg zu unserer Unterkunft waren dutzende Makaken zu sehen. Als wir die Tür der Unterkunft geöffnet haben, ist uns ein stechender Geruch entgegen gekommen, als hätte jemand in das Zimmer uriniert. Als wir uns bei der Rezeption darüber beschwert haben, wurde uns gesagt, dass dies normal sei, denn die Gebäude sind schon ziemlich alt und das Holz modert. Wir haben das so hingenommen und haben uns für einen Wanderweg eingetragen, damit wir im Notfall von den Parkrangern gefunden werden können.

Makakenbaby

Wenn sie klein sind, dann schauen die Makaken sooo süß aus

Silberner Haubenlangur

Wenn die Babys der silbernen Haubenlanguren jünger als ein Monat sind, sind sie orange. Dieser kleine Racker ist also schon etwas älter. Ein wenig kann man die orange Farbe jedoch noch erkennen.

Auf dem Weg zum Aussichtspunkt

Auf dem Weg zum Aussichtspunkt…

Es ging mitten durch den Dschungel

…ging es mitten durch den Urwald.

Auf dem Weg zum Wanderweg haben wir dann den ersten Nasenaffen gesehen. Bislang kannte ich diese Tiere nur aus dem Fernseher und diese Affen sehen so witzig aus, dass man eigentlich gar nicht glauben kann, dass sie tatsächlich so aussehen. Wenn sie ihren Kopf drehen, dann wackelt die Nase und wenn sie nach oben schauen, dann kann man in ihre riesigen Nasenlöcher sehen. Der genaue Nutzen der großen Nasen ist laut Wikipedia nicht bekannt. Möglicherweise dienen sie der sexuellen Attraktivität. Vielleicht kommt daher der Spruch, wie die Nase eines Mannes, so auch sein Johannes. Ganz ernst bleiben kann man bei dem Anblick der Nasenaffen nicht. Doch trotzdem sind es wunderschöne und aufgrund ihrer Nase unverwechselbare Tiere.

Nasenaffenmännchen

Nasenaffenmännchen

Zu witzig

Wie die Nase eines Mannes…

Nasenaffe im Baum

…so auch sein Johannes.

Nasenaffe im Bako Nationalpark

Nasenaffe im Bako Nationalpark

Einige Wanderwege waren aufgrund von Renovierungsarbeiten gesperrt, und da es bereits später Nachmittag war, haben wir die kürzeste Tour gewählt. Am Ende dieser Tour ist eine Aussichtsplattform, von der aus man den Ankunftsbereich des Nationalpark sehen kann. Auf dem Weg zur Aussichtsplattform muss man mitten durch den Urwald gehen. Dementsprechend verwurzelt und wildbewachsen ist der Weg. Wer kein Mückenspray aufträgt, ist nach kurzer Zeit zerstochen und mindestens eine Flasche Wasser sowie ein Handtuch zum Schweiß abwischen sollte man auch immer bei sich haben. Nachdem wir die meiste Zeit damit beschäftigt waren, den Boden vor unseren Füßen zu betrachten, damit wir nicht an einer Wurzel oder einem Ast hängen bleiben, sind wir viele Male stehen geblieben, um auch etwas von der schönen Natur um uns herum mitzubekommen. Tiere konnten wir zwar hören, aber gesehen haben wir auf der Tour keine. Lediglich ein paar Ameisen, Käfer und Schmetterlinge kreuzten unseren Weg. Aber diese Tiere sind nicht so, wie man sie aus Deutschland kennt, sondern um ein Vielfaches größer. Die Ameisen sind teilweise über drei Zentimeter lang und die Schmetterlinge so groß wie eine Handfläche. Zikaden konnte man zwar überall hören, aber sobald man sich ihnen nähert, verstummen sie, und ich habe es nicht geschafft, auch nur eines dieser Tiere zu erspähen. An der Aussichtsplattform angekommen, haben wir einige Zeit die Aussicht und die Geräuschkulisse des Urwalds auf uns wirken lassen, bevor wir uns vor Einbruch der Dunkelheit wieder auf den Rückweg gemacht haben.

Nachtwanderung Bako Nationalpark

Täglich um 20.00 Uhr findet bei schönem Wetter eine Nachtwanderung statt. Eine Stunde vorher hat es allerdings stark zu regnen begonnen und es war sehr windig. Trotzdem haben wir am Treffpunkt gewartet, in der Hoffnung, dass das Wetter sich wieder bessern würde. Weil es die ganze Zeit so stark geregnet hat, waren wir die Einzigen die gewartet haben und wir haben den Guide gefragt, ob die Nachtwanderung statt finden würde. Der Guide meinte, wenn der Wind nachlässt und er sich sicher fühlt, können wir gehen. Um kurz nach 20.00 Uhr hat es auf einmal aufgehört zu regnen und der Wind hat nachgelassen. Wir hatten also mal wieder Glück, denn die Nachtwanderung ist meiner Meinung nach das Highlight des Bako Nationalpark. Weil wir so geduldig waren, und uns nicht von dem Regen abschrecken ließen, hatten meine Lebenspartnerin und ich den Guide für uns alleine. Mit Taschenlampen ausgerüstet haben wir uns dann auf den Weg gemacht, die meist nachtaktiven Tiere des Bako Nationalparks zu entdecken. Anfangs hab ich noch gedacht, der Guide fuchtelt nur wild mit seiner Taschenlampe in der Gegend herum, doch als er nach kurzer Zeit eine Schlange hoch oben in den Baumkronen erspähte, wusste ich auch, warum die Nachtwanderung nur statt findet, wenn es windstill ist. Ich glaube es ist nicht so gesund, wenn eine grüne Buschviper vom Baum fällt und auf einem landet. Obwohl auch wir versucht haben, mit unseren Taschenlampen Tiere im Dickicht ausfindig zu machen, konnten wir lediglich eine Kakerlake entdecken. Der Guide jedoch wusste anscheinend ganz genau, wohin er schauen muss und hat zahlreiche Tiere erspäht, die er geduldig mit seiner Taschenlampe ausgeleuchtet hat, damit wir sie fotografieren konnten. Normalerweise dauert so eine Nachtwanderung eineinhalb Stunden, doch wir durften über zwei Stunden lang die Gesellschaft des Guides genießen. Lediglich 10 MYR pro Person mussten wir am Ende der Tour dem Guide bezahlen. Eine Investition, die sich definitiv gelohnt hat.

Anfangs dachte ich, eine Zitrone hängt am Baum

Anfangs dachte ich, eine Zitrone hängt am Baum…

Ohne Guide nicht zu entdecken

…aber ohne Guide konnten wir die Tiere in der Nacht nicht entdecken…

Der Guide wusste genau, wo er suchen muss

…der Guide wusste genau, wo er suchen muss…

Und hat immer alles perfekt ausgeleuchtet

…und hat immer alles perfekt ausgeleuchtet…

Wir haben viele verschiedene Spinnen gesehen

…und wir konnten viele verschiedene Tiere sehen…

Diese Pilze leuchten im Dunkeln

…aber auch Pilze, die im Dunkeln leuchten…

Brauner Waldfrosch

…sowie diesen braunen Waldfrosch…

Fliegender Lemur

…oder fliegende Lemuren…

Skorpion

…Skorpione…

Bereit zum Angriff

…oder giftige grüne Buschvipern.

Grüne Baumviper

Dieses Exemplar war bereit zum Angriff

Es war schon fast 23.00 Uhr, als wir uns zurück zu unserer Unterkunft begeben haben. Wir hatten schon fast wieder vergessen wie sehr es in diesem Zimmer gestunken hat, doch schon bevor wir die Tür geöffnet haben, kam uns der Gestank entgegen. Um ehrlich zu sein, es war nicht auszuhalten in diesem Zimmer. Ich habe dann in meiner Verzweiflung versucht, Zahnpasta und Shampoo auf den Ventilator zu schmieren, aber geholfen hat es nichts. Auch der Versuch, die Zahnpasta unter meiner Nase zu verteilen, war nicht von Erfolg gekrönt. Wir hatten zwar unsere Schlafsäcke dabei, in die man sich komplett vermummen kann, so dass die Haut des Schlafsacks als Mundschutz dient, aber länger als eine Stunde haben wir es nicht in diesem Zimmer ausgehalten. Da die Rezeption im Nationalpark um diese Zeit bereits geschlossen ist, blieb uns nichts anderes übrig, als vor der Tür unserer Unterkunft auf dem Tisch, der dort auf der Veranda stand, zu versuchen ein wenig Schlaf zu finden.

Wanderung zum Brandungspfeiler

Wir hatten kaum geschlafen, als die ersten Sonnenstrahlen den nächsten Tag eingeleitet haben. Nachdem wir uns gründlich geduscht hatten, kamen bereits die nächsten Gäste und bezogen das Zimmer neben uns. Wir haben sie gebeten, uns einen Blick in ihr Zimmer werfen zu lassen. Dort hat es wesentlich besser gerochen beziehungsweise gar nicht gerochen. Also sind wir erneut zur Rezeption gegangen und haben uns noch einmal beschwert. Ohne sich überhaupt das Zimmer anzuschauen, wurde uns dieses mal das Chalet mit Klimaanlage und eigenem Badezimmer ohne Aufpreis angeboten. Das Problem an der Sache war allerdings, dass unser gesamtes Gepäck gestunken hat und das wiederum hat uns gestunken. Daher lehnten wir ab, und sind lediglich noch einen weiteren Wanderweg gegangen, um uns den Brandungspfeiler anzusehen, der auf jeder Informationsbroschüre über Borneo zu sehen ist. Der Wanderweg war jedoch nicht so gut ausgeschildert, denn immer wieder kamen uns Touristen entgegen, die den gelb markierten Pfad gesucht haben. Wir wollten schon fast aufgeben und wieder zurück gehen, doch zuerst setzte ich mir auf meinem Handy einen Timer von 30 Minuten. So lange wollten wir noch den rot markierten Pfad entlang gehen, in der Hoffnung das irgendwann von dort aus der gelb markierte Pfad abgeht. Kurz bevor der Timer abgelaufen ist, haben wir dann tatsächlich den gelben Pfad gefunden, und wir wurden mit einem „Yeah we’ve found it“ von ein paar anderen Touristen empfangen. Völlig durchgeschwitzt haben wir uns nach einer längeren Rast wieder auf den Rückweg gemacht und uns ein Ticket für die Bootsfahrt zurück gekauft.

Brandungspfeiler

Dieser Brandungspfeiler ist in jeder Touristenbroschüre über Borneo abgebildet

Auch wenn wir nur eine Nacht geblieben sind, und wir in Kuching unsere gesamte Wäsche in die Reinigung bringen mussten, war der Ausflug zum Bako Nationalpark ein unvergessliches Erlebnis. Vor allem die Nachwanderung kann ich jedem ans Herz legen, der den Bako Nationalpark einmal besuchen möchte. Aber geht auf gar keinen Fall ins Hostel A – Zimmer Nummer 4.

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