Hua Chang Wasserfall in Pai – oder auch nicht

Eigentlich wollte ich über unseren misslungenen Ausflug zum Hua Chang Wasserfall erzählen. Doch mir ist gerade aufgefallen, dass heute der 31.Dezember 2014 ist. Sechs Stunden früher als zu Hause beginnt hier bereits das neue Jahr.

Nicht der Hua Chang Wasserfall in Pai

Wenn man viel Zeit auf der Hängematte verbringen kann, dann vergeht die Zeit wie im Flug. Wir sind jetzt schon fast drei Wochen in Pai und in acht Tagen reisen wir bereits wieder ab. Man hat aber auch viel Zeit zum Nachdenken auf der Hängematte. Das Jahr neigt sich dem Ende, und ich versuche das letzte Jahr in meinem Kopf zu ordnen. Es hat sich so viel ereignet, dass ich froh bin, irgendwann einmal hier alles nachlesen zu können. Ich liege in der Hängematte, und verfolge das Geschehen in Deutschland und in der Welt. Zugegeben, meistens lese ich nur die Überschriften. Es fühlt sich alles zu weit entfernt an. Egal, ob man jetzt die Strecke oder die Zeit nimmt. Ich denke darüber nach, wie ich von einem Ort zum anderen gereist bin. Sehr oft sind auch wir im Flugzeug gesessen. Auch ich bin vor kurzer Zeit noch in einer Air Asia Maschine gesessen, als wir bei starkem Gewitter von Kota Bharu nach KL geflogen sind. Ich lese den Artikel über Flug QZ8501 und denke noch mehr nach.

Wie viele Leben hat man eigentlich? Und ich bin mir sicher, ich habe nur dieses Eine. Täglich passieren so viele schreckliche Dinge, und während ich bei Google nach der Flugnummer suche, lese ich, dass heute im Kongo ebenfalls ein Flugzeug abgestützt ist. Ich bin wirklich froh darüber, dass ich hier sitzen und mein eines Leben genießen darf. Ich bin glücklich darüber, dass ich sehen und erleben kann, was ich möchte.

Doch der Hua Chang Wasserfall in Pai

Ach, irgendwie ist der letzte Satz doch eine schöne Einleitung für den misslungenen Ausflug. Denn manchmal sehe und erlebe ich nicht, was ich möchte. So wie gestern, als wir uns eigentlich einen den Hua Chang Wasserfall ganz bei uns in der Nähe ansehen wollten. Eigentlich soll der Wasserfall nur 40 Minuten zu Fuss entfernt sein. Eigentlich ist er immer nur die Strasse entlang. Eigentlich ist man dort total alleine.

In jedem Baum ein Geist

Buddhistische Mönche binden orange Schleifen um die Bäume, damit sie nicht abgeholzt werden. Es hat funktioniert, denn sobald ein Mönch eine Schleife um einen Baum wickelt, wird dieser heilig für Buddhisten. So kann ihm kein Leid mehr zugefügt werden. (Quelle)

Oder auch nicht

Das man aber zuerst noch eine halbe Stunde mit dem Moped fahren muss, bevor man 40 Minuten zu Fuss gehen muss, hat unser Nachbar nicht erwähnt. Wir sind etwa zwei Stunden zu Fuß unterwegs. Natürlich wieder genau zur Mittagszeit bei über 30°C. Irgendwann führt die Strasse an einen Fluss, aber da ist keine Brücke. Auf der gegenüberliegenden Seite jedoch, geht die Strasse weiter. Auf jeden Fall ist hier kein Wasserfall zu sehen, also gehen wir weiter.

Das ist keine Erbse

Das ist keine Erbse

Wir überqueren ein paar Minuten später den Fluss erneut, und stehen ein paar Minuten später erneut vor dem kleinen Fluss, der sich um den Fußweg zu schlängeln scheint. Von weitem konnten wir ein Motorengeräusch hören, das immer näher kam. Der dazugehörige Jeep erschien kurz darauf, und ist an uns vorbei, über den Fluss gefahren. Nachdem der Jeep den Fluss überquert hat, bleibt er stehen. Während wir dabei zusehen, wie aus dem Jeep ein älterer Mann aussteigt, um Fotos vom Fluss zu machen, fragen wir uns, ob wir wieder umkehren sollen. Wir fragen also den älteren Mann, wie weit denn der Wasserfall noch entfernt ist. „Schon noch ein Stück, aber wir können Euch gerne mitnehmen.“ Wir ziehen also wieder unsere Schuhe und Socken aus, laufen noch einmal durch den kleinen Fluss, und setzen uns auf die Ladefläche des Jeeps. Wir fahren noch ein paar Mal durch den Fluss, bevor wir stehen bleiben und der ältere Mann wieder aussteigt, um weitere Fotos zu machen. Wie aus dem Nichts, kommt von hinten ein Buggy und fährt an uns vorbei.

Sieht aus wie ein Herz

Zwischenstopp: Das sieht aus wie ein Herz

Buggy zum Ersten

Eigentlich ist man dort total alleine

Wir fahren weiter und nach ein paar Minuten bleiben wir wieder stehen. Vor uns der Buggy, der nicht mehr weiter fahren kann, weil ein Baum quer über den Weg liegt. Erneut fragen wir nach dem Wasserfall und weit weg ist er wohl nicht mehr. Ein Tag, ein bis zwei Stunden, einen Kilometer, gleich da vorne, waren die Antworten der vier Anwesenden. In der Hoffnung, dass „gleich da vorne“ die korrekte Antwort ist, gehen wir die Strasse weiter, bis wir erneut an den Fluss kommen. Nur dieses mal befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses keine Strasse mehr.

Kein Hua Chang Wasserfall

Ende der Strasse, kein Hua Chang Wasserfall, nur ein kleiner Fluss

Trotzdem ein Erlebnis

Also gehen wir zurück. Nach einer guten halben Stunde fährt der Jeep wieder an uns vorbei, der uns freundlicherweise mit zurück nimmt. Immer wieder bleiben wir stehen, weil der ältere Mann Fotos machen möchte. Irgendwann überholt uns der Buggy wieder von hinten. Und irgendwann setzt uns der Jeep direkt vor unserem Haus ab.

Der Jeep im Fluss

Zwischenstopp: Jeep im Fluss

Buggy zum Zweiten

Wir fahren weiter und bekommen erneut Besuch von hinten

Vogelscheuche in Thailand

Zwischenstopp: Vogelscheuche

Stopp bei den Reisfeldern

Zwischenstopp: Reisfelder

Dort findet man den Hua Chang Wasserfall

Wir erzählen unserem Nachbarn die Geschichte und anscheinend ist das so: „Man fährt mit dem Moped so lange, bis man das erste Mal an den Fluss kommt. Dort stellt man das Moped ab. Von dort aus muss man eine Stunde gehen, er geht sehr schnell, darum braucht er nur 40 Minuten. Bis man zum Wasserfall kommt, muss man den Fluss 18 mal überqueren. An der Stelle, wo an der gegenüberliegenden Flussseite keine Strasse mehr sieht, muss man im Fluss stromaufwärts gehen. Am Ende dann rechts halten, nicht den Berg hoch, sondern den kleinen Weg entlang.“ Das hätte er doch mal gleich sagen können.

Wenn also jemand den Hua Chang Wasserfall in Pai sehen will, dann weiss er ja jetzt, wie er dort hin kommt.

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