Bush BBQ

In Australien wird jeden Tag und überall ein BBQ veranstaltet. Fast auf jedem öffentlichen Platz findet man einen Münz BBQ Grill. Ob Parkanlage, Autobahnraststätte, Campingplatz oder der Parkplatz vor einem Wasserfall, überall gibt es einen Münz BBQ Grill. Wenn kein Grill zu finden ist, dann veranstaltet man einfach ein Bush BBQ. Rein in den Wald, Holz sammeln und dann improvisieren.

Überall ein ein BBQ

Gleich bei unserer Ankunft am Trinity Beach gab es zur Abwechslung einen selbst gemachten Burger. Die Franzosen neben uns haben immer noch keinen Fisch gefangen und essen Nudeln mit Ketchup. Die zwei Deutschen und der Engländer spielen währenddessen polnische Trinkspiele. Zwischendurch spazieren Einheimische mit ihren Hunden durch unseren netten Campingplatz. Die meisten allerdings fahren direkt mit ihren dicken Allradgetriebenen Trucks an uns vorbei und drehen ein paar Runden am feinen Sandstrand, bevor sie entweder ebenfalls mit ihren Hunden spazieren gehen oder die Angel auspacken. Viele bleiben sogar stehen und fragen, wie es uns geht, wo wir herkommen, und was wir doch für einen wunderschönen Campingplatz gefunden haben.

Selbst gemachte Burger

Selbst gemachte Burger

Trinity Beach

Eine Runde drehen und Angeln

Lust auf Bush BBQ?

Auch am nächsten Tag haben die Franzosen immer noch keinen Fisch gefangen und man kann spüren, wie jeder mit den armen Jungs leidet. Wieder packen sie ihre Nudeln aus. Während sie am Nudelwasser kochen sind, fragt Paul plötzlich in die Runde: „Hey, wollen wir morgen vielleicht ein Bush BBQ machen?“ Stefan, der Tramper aus England, der nebenbei Koch ist, bietet sich sofort als Koordinator an und alle auf dem Campingplatz rufen vor lauter Euphorie: „Ja klar, natürlich!“

Zigarettenersatz

Queensland ist voll mit Zuckerrohr. Ein super Zigarettenersatz!

Machen wir ein BBQ

Wollen wir ein Bush BBQ machen?

Klar machen wir ein BBQ

Klar machen wir ein Bush BBQ!

BBQ verbindet die Welt

Am nächsten Tag hat jeder 20$ in einen Pot geworfen und ein Teil von uns hat sich zum Shopping Centre nach Townsville begeben. Nach ein paar Stunden machte sich bei den verbleibenden Anwesenden ein kleines Hungergefühl bemerkbar. Wir haben schon angefangen Witze darüber zu machen, dass Marius, Katarina und Stefan mit unserem Geld durchgebrannt sind, als Nikolas vom Strand angerannt kommt. Er hat tatsächlich einen Fisch gefangen! Plötzlich springen alle auf, schnappen sich ihre Angeln und rennen zum Strand. Im selben Augenblick höre ich ein Motorgeräusch, aber an Stelle der drei Einkäufer kommen zwei Engländer mit ihrem Jeep und belegen den letzten freien Campingplatz. Noch während die beiden Engländer ihr Zelt aufbauen, kommt der weisse Campervan von Marius um die Ecke. Einparken, Bier auf Eis legen, Fisch und Fleisch einlegen, Salat vorbereiten, Briketts anfeuern, Holz sammeln, jetzt geht alles ganz schnell.

Kein Fisch gefangen

Auf einmal kommt Nikolas mit seinem Fisch vom Strand angerannt

Bush BBQ Feuer

Während die Kartoffeln in der Glut garen…

Eis ausgegangen

…fahren die Jungs nochmal Eis kaufen.

Huhn vorgaren

Das Hühnerfleisch wird vorgegart…

Wurst und Salat

…die Würste und die Salate werden zubereitet.

Superlecker

Dieser Salat ist mit Obst und Gemüse. Kann man als Abendessen und Frühstück genießen!

Ein freier Campingplatz ist zwar nicht mehr da, aber das hindert die beiden anderen Engländer nicht daran, vor dem Campingplatz zu parken und eine Hängematte zwischen zwei Bäumen aufzuspannen. „Kommt doch her, esst mit uns, wir haben genug!“ Unser fantastisches, mehrgängiges Bush BBQ in bester Gesellschaft endete mit einem Lagerfeuer am Strand mit Chips und Marshmallows. Da haben wir dann alle entschieden, noch einen Tag am Trinity Beach zu bleiben.

Gemeinsam beschliessen wir zu bleiben

Gemeinsam beschliessen wir zu bleiben

In Australien einen Campervan kaufen

Australien! Gut, dass wir nicht mehr rauchen, denn eine Schachtel Zigaretten kostet 25$. Aber eigentlich ist hier alles teurer als in Asien. Die teuerste Unterkunft unserer bisherigen Reise ist ein Zelt mit Ventilator und Stromanschluss. Auf der Strasse Essen oder in Restaurants gehen, wie in Asien gehört für uns in Australien ebenfalls nicht zum Alltag. Um uns ein wenig Geld zu sparen, wollen wir uns deshalb in Australien einen Campervan kaufen.

Mit dem Campervan die Küste entlang

Bereits in Deutschland hatten wir uns in den Kopf gesetzt, dass wir uns in Australien einen Campervan kaufen werden. Während der letzten Monate haben wir uns über alles erdenkliche schlau gemacht, wie man in Australien ein Auto kauft. Im Vergleich zu Deutschland gibt es einige Unterschiede. Manche Dinge sind einfacher, andere wiederum umständlicher. In jedem Bundesstaat gibt es unterschiedliche Regelungen. Strafen, Maut und Kredite laufen auf die Nummernschilder und eigentlich haben wir überhaupt keine Ahnung von Autos. Unser letztes eigenes Auto haben wir vor sieben Jahren besessen. Also haben wir bei unserer Unterkunft einen netten Australier im Rentneralter um Hilfe gebeten. Gemeinsam mit Field haben wir uns den ersten Campervan angesehen. Eigentlich ein Superteil. Es war alles mit dabei, Backpacker Vollausstattung sozusagen. Herd, Gas, Bett, Inverter, Besteck, Geschirr, Bettzeug und alles was man so benötigt. Laut Field war der Campervan in sehr gutem technischen Zustand, aber trotzdem sei der Campervan keine 5000$ wert. Wir sollen uns lieber was Billigeres holen für die paar tausend Kilometer die Küste entlang.

Ein Campervan muss her

Für einen Autokauf war unsere Unterkunft nicht die Beste. Die einfache Fahrt mit dem Bus in die nächste größere Stadt Cairns kostet 25$ pro Person. Also haben wir uns auf den Hostelbus für 5$ zwei Mal die Woche beschränkt. Nachdem wir stundenlang durch Cairns von Händler zu Händler spaziert sind, hatten wir einen Termin für eine Campervan Besichtigung. Für uns hat er einen soliden Eindruck gemacht, und wir waren uns sicher, dass er sein Geld wert ist und die paar tausend Kilometer die Küste entlang durchhält.

Port Douglas

Für einen Autokauf war unsere Unterkunft nicht die Beste, aber wir hatten wunderschöne Sonnenaufgänge in Port Douglas

Autokauf in Australien

Für uns hat er einen soliden Eindruck gemacht

Cape Tribulation im Daintree Nationalpark

Gerade rechtzeitig haben wir einen Campervan gefunden. Bevor wir in den Süden fahren, machen wir uns in unserem neuen Campervan auf in den Norden vorbei an Mossman nach Cape Tribulation gemacht. Cape Tribulation befindet sich im Daintree Nationalpark, der Heimat der Kasuare. Diese Tiere sehen aus wie aus einer anderen Welt. Leider konnten wir auf keiner unserer Wanderungen eins dieser Tiere sehen. Lediglich ein paar Buschtruthähne haben uns am frühen Morgen aus dem Schlaf gerissen. Geschlafen haben wir auf einem kostenlosen Campingplatz, den wir mit der Wiki Camps App gefunden haben.

Daintree Nationalpark

Mit der Fähre ging es zum Daintree Nationalpark…

Kasuare

…eigentlich wollten wir uns Kasuare ansehen…

Alexandra Range Lookout

…irgendwo da draussen müssen sie sein…

...vielleicht entlang eines Wanderweges...

…vielleicht entlang eines Wanderweges…

Cape Tribulation

…oder irgendwo an einem der Strände von Cape Tribulation.

Strand im Nationalpark

Wir haben keine Kasuare gesehen.

Trinity Beach vor Smithfield vor Cairns

Da unser Campervan nicht für die Fahrt durch den Daintree Nationalpark nach Cock Town geeignet ist, machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Süden. In Cairns wollen wir eine Schnorcheltour zum Great Barrier Reef buchen. Laut Wiki Camps ist der Campingplatz am Trinity Beach der nächste kostenlose Campingplatz vor Cairns. Wir machen uns auf nach Smithfield zum Trinity Beach. Angeblich ist der Weg dorthin schwer befahrbar, aber nachdem am Campingplatz bereits ein ähnlicher Campervan steht, beschliessen wir ebenfalls die in Wiki Camps mit Ruff Road beschriebene Strasse entlang zu fahren. Das selbe hat sich auch das junge Paar aus Hamburg gedacht, welches kurze Zeit später ebenfalls auf dem Campingplatz am Trinity Beach angekommen ist. Gemeinsam mit dem Tramper aus England, den sie im Gepäck hatten und den sechs Franzosen, die bereits seit ein paar Tagen erfolglos versucht haben einen Fisch zu fangen, waren wir auch dieses Mal nicht alleine im großen endlosen Australien, wo man angeblich auf jedem Quadratkilometer nur auf 1,9 weitere Menschen trifft.

Nach Smithfield zum Trinity Beach

Wir machen uns auf nach Smithfield zum Trinity Beach

Trinity Beach

Auch am Trinity Beach waren wir nicht alleine

Von Flughafen zu Flughafen

Die nächsten drei Tage lassen sich sehr einfach zusammenfassen. Flughafen Phuket, Flughafen Kuala Lumpur, Flughafen Perth, Flughafen Cairns. Von Flughafen zu Flughafen!

Flughafenhopping

In ganz Thailand bekommt man für ein paar Euro leckeres, frisches Essen. Das gilt jedoch nicht für Flughäfen. Statt dessen versucht man mich an jeder Ecke zu verführen. Zahl zwei 500g Toblerone, nimm drei! Du trinkst doch gerne Grey Goose! Na komm schon, eine Stange Zigaretten! Am Ende konnte ich nicht widerstehen! Eine kleine Flasche SangSom gegen die Flugangst und ein labbriges Brötchen mit Schinken. Ausserdem haben wir uns darauf geeinigt, dass man keine CocaCola trinkt, wenn man sie mit SangSom mischt. Schwups – waren wir in Kuala Lumpur.

Grey Goose

Hier versucht man mich mit meinem Lieblingsvodka zu verführen

8 Stunden auf dem KLIA

So ein labbriges Brötchen ist nicht gerade der Bringer, vor allem wenn man die nächsten acht Stunden am Flughafen verbringen muss. Neben den üblichen Fast Food Ketten haben wir am Flughafen in der hintersten Ecke einen kleinen Inder gefunden. Während wir uns noch darüber gefreut haben, einen Eistee anstelle einer CocaCola gekauft zu haben, ist uns aufgefallen, dass der Eistee von Nestlé war. Neben einem köstlichen Inder hat der Flughafen von Kuala Lumpur noch kostenloses Internet zu bieten. Allerdings ist der Flughafen von Kuala Lumpur – gefühlt – der kälteste Flughafen der Welt. Obwohl wir lange Kleidung tragen, frieren wir uns unseren Allerwertesten ab. Um mich ein wenig aufzuwärmen, entschließe ich mich eine heisse Fertigsuppe zu essen. Warm wird mir allerdings schon vom Spaziergang zu dem einen Shop, der Fertigsuppen verkauft, die nicht von Knorr sind.

17 Stunden in Perth

Mensch, hab ich gut geschlafen. Im Gegensatz zu Perth war es richtig warm im Flieger. Wir holen unsere Rucksäcke vom Gepäckband ab und spazieren zum Terminal 2. Da wir satte 17 Stunden Aufenthalt in Perth haben, war es nicht weiter schlimm, dass wir im Terminal 2 gemütlich unser Frühstück zu uns genommen haben. Denn irgendwann haben wir herausgefunden, dass unser Flieger vom Terminal 3 abfliegt. Dieses Mal fahren wir mit dem kostenlosen Shuttle Bus zum nächsten Terminal. Nichtmal der Akku von meinem Macbook hält 17 Stunden. Beim Versuch mein Macbook aufzuladen, stehe ich das erste Mal seit unserer Reise vor einem Steckdosenproblem. Mit zehn Australischen Dollar konnte ich dieses Problem jedoch relativ einfach beheben und auch am Flughafen von Perth gibt es kostenloses Internet.

7 Stunden in Cairns

Ja fantastisch! Endlich in Cairns angekommen! Jetzt müssen wir ja nur noch sieben Stunden auf den Bus warten, der uns zu unserer Unterkunft nach Port Douglas bringt. Bei tropischen Temperaturen warten wir im schattigen Bushäuschen vor dem Flughafen. Pünktlich um 11:15 Uhr steht der Dougies Bus vor dem Bushäuschen. Nach einer kleinen Rundfahrt durch Cairns und Port Douglas werden wir im Dougies abgesetzt. Dort beziehen wir unser 52$ Zelt und machen uns auf den Weg zum Supermarkt.

Tja, was soll ich sagen? Das war das beste Angus Beef, dass ich jemals selbst zubereitet und verzehrt habe!

Unterkunft im Zelt

Zelt mit Parkettboden, zwei Betten, Ventilator, Licht und Steckdosen

Geschlecktes Port Douglas

Nicht ein Blatt liegt auf dem Boden. Der Rasen hat Golfplatzniveau…

Port Douglas Nordstrand

…die wunderschöne Umgebung…

Papagei statt Amsel

…zieht tropische Vögel an.

Port Douglas Suedstrand

Der wunderschöne Strand…

Peter in Port Douglas

…zieht Touristen an.

Unser letztes Ziel in Asien

So schnell kann man gar nicht schauen, da sind zehn Tage vorbei. Ich kann es irgendwie kaum fassen, aber unser Asien Urlaub neigt sich nach knapp acht Monaten ebenfalls bald dem Ende. Unser letztes Ziel in Asien ist Phuket. Nicht um dort zu feiern, sondern weil die Flugtickets von Phuket nach Perth am günstigsten sind.

Von Koh Phayam nach Phuket

Zum einen fällt es uns schwer, Koh Phayam zu verlassen, andererseits ist das Wetter die letzten Tage nicht mehr so schön wie die erste Woche. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen wir die Insel mit dem Slow Boat. Dreieinhalb Stunden benötigen wir für die Überfahrt aufs Festland. Mit dem Sammeltaxi geht es weiter zum Busbahnhof in Ranong. Mit drei Stunden Verspätung ist der Bus nach Phuket endlich am Busbahnhof Ranong angekommen. Die Fahrt ist mir ewig vorgekommen. Bei jeder Strassenkontrolle mussten wir anhalten und einige Fahrgäste wurden von den Militärs kontrolliert. Bei einem Fahrgast mussten sie jedes Mal ganz genau nachfragen und irgendwas bereden, bevor die Fahrt wieder weiter gehen konnte. Aufgrund der Verspätung und den vielen Stopps war es bereits Mitternacht als wir endlich in unserer Unterkunft in Phuket angekommen sind.

Have a good trip

Nach zehn Tagen Koh Phayam heisst es: Have a good trip

Unser letztes Ziel in Asien

Nach mehreren Stunden Verspätungen sitzen wir endlich im Bus nach Phuket

Zimmer zur Wanne

Mitten in der Nacht kommen wir in unserer Unterkunft an

Check! Liste

Badewanne im Zimmer? Check! Pool mit Meerblick? Check! Kostenloses WLAN? Check! Flug von Perth nach Cairns buchen? Check! Unterkunft in Port Douglas reservieren? Check! Die Restaurants der Umgebung durchprobieren? Check! Jeden Tag Yoga machen? Check! Keine Zigaretten rauchen? Check! Endlich auf eine Waage stellen? Check! Die letzten Tage in Thailand geniessen? Check!

Badewanne im Zimmer

Badewanne im Zimmer? Check!

Pool mit Meerblick

Pool mit Meerblick? Check!

Restaurant durchprobieren

Die Restaurants in der Gegend durchprobieren? Check!

Waage stellen

Auf die Waage stellen? Check!

Was war das für ein geiler Asientrip? Eigentlich will ich gar nicht weg! Aber wir haben uns in den Kopf gesetzt nach Australien zu fliegen, ein Auto zu kaufen und die Küste entlang zu fahren.

Breathe in – Breathe out!

Über 100 Blogs habe ich in dieser Zeit geschrieben. Ich freue mich schon darauf, wenn ich mir diese in ein paar Jahren einmal durchlesen werde. Hier noch eine Nachricht für den Zukunfts-Peter: Hey Du alter Sack! Ich hoffe Du bist immer noch Nichtraucher, alles andere ist enttäuschend! Ich hoffe Du bist immer noch genauso verliebt in Beatrice wie eh und je! Ich hoffe Du sitzt nicht in irgendeinem blöden Bürosessel sondern schaust Dir immer noch die Welt an! Ich hoffe Du lebst Dein Leben und Deine Träume und lebst nicht für die Träume eines anderen! Bleib wie Du bist, bei Dir ist eh schon alles zu spät mein Freund.

Urlaub auf Koh Phayam

Alois Hingerl, Nr. 172, Dienstmann in München, besorgte einen Auftrag mit solcher Hast, daß er vom Schlage gerührt zu Boden fiel und starb. Zwei Engel zogen ihn mit vieler Mühe in den Himmel, wo er von St. Petrus aufgenommen wurde. Der Apostel gab ihm eine Harfe und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt. Von acht Uhr früh bis zwölf Uhr mittags »frohlocken«, und von zwölf Uhr mittags bis acht Uhr abends »Hosianna singen«. – »Ja, wann kriagt ma nacha was z’trink’n?« fragte Alois. – »Sie werden Ihr Manna schon bekommen«, sagte Petrus.

Koh Phayam – Urlaub mit Verzicht

Also wie ein Münchner im Himmel habe ich mich in Suan Mokkh nicht gefühlt, aber von 17 Uhr bis 18 Uhr abends war für mich die Zeit des Hosianna singen. Das beste zu dieser Zeit war jedoch der junge Mönch mit russischem Akzent. Eines Tages kam er mit einem kleinen Säckchen zum Chanting. Er setzte sich wie jeden Tag im Schneidersitz auf das Podest vor uns, und fing an zu erzählen. Dieses Mal war er ein wenig bedrückt über seine Aussagen des Vortages. Ich weiss gar nicht mehr genau, was er am Vortag erzählt hat, auf jeden Fall wollte er sich bei uns für seine Worte entschuldigen. Damit das nicht mehr vorkommt, hat er sein kleines Säckchen mitgebracht. Nachdem wir uns alle gegenseitig fragend angeschaut haben, öffnet er das kleine Säckchen und schüttet es vor sich auf dem Podest aus. Zum Vorschein kommen lauter Steine. Er meint, jeder dieser Steine repräsentiert eine schlechte Eigenschaft. Er nimmt sich einen dieser Steine und wirft ihn in den See vor dem Saal. Er meint, er hat einen ganzen Sack voller Steine mitgebracht, damit jeder von uns einen oder mehrere schlechte Eigenschaften in den See werfen kann. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich gar nicht, wie viele Steine ich mir nehmen soll. Erst Tage später habe ich von Beatrice während eines verbotenen Gesprächs ein paar Steine zugesteckt bekommen. Am Ende habe ich vier Steine in den See geworfen. Die Steine repräsentieren Rauchen, Mc Donald’s, Coca Cola und Nestlé.

Kreislauf oder System?

Dazu kommt noch Morgensport und den Konsum von Fleisch zu reduzieren. Während unserem Urlaub auf Koh Phayam haben wir das alles ohne Probleme durchgehalten. Insgesamt ist unser Urlaub auf Koh Phayam genauso verlaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Schöne Strandspaziergänge, Schwimmen, frische Früchte und Kaschu Nüsse naschen. Lediglich drei Ereignisse stechen aus unserem sonst erholsamen Strandurlaub auf Koh Phayam heraus.

Flut vor Junes Horizon

Bei Flut kann man direkt vor der Haustüre schwimmen gehen

Hier fließt das Meer ab

Wenn das Wasser aus dem Meer am späten Nachmittag abgelaufen ist…

Ebbe vor Junes Horizon.JPG

…kann man bei Ebbe schöne Strandspaziergänge machen.

Strandkrebse

Wir haben eine Hundertschar von Strandkrebsen vor uns her getrieben…

Dreck einsammeln

…und Müll eingesammelt.

Wo beginnt ein Kreis?

Als wir bei June angekommen sind, und unsere Rucksäcke in den Strandbungalow geworfen haben, um zu Pitar zu fahren, ist das nicht exakt so reibungslos abgelaufen. Denn es gab einen kleine Pause zwischen Rucksack ablegen und Abfahrt. Während Beatrice, was auch immer, gerade im Badezimmer macht, setze ich mich auf die Veranda und genieße die Aussicht. Auf einmal höre ich, wie jemand meinen Namen sagt. Die Stimme kommt aber nicht vom Bad hinter mir, sondern vor mir steht Martina. Wir haben Martina in Bangkok kennen gelernt und jetzt wohnt sie im Bungalow neben uns. Sie ist gerade vom Mango sammeln zurückgekommen und ist gerade dabei einen Mangosalat zu machen. Bevor wir also zu Pitar gefahren sind, haben wir uns den Sonnenuntergang angesehen und dazu Mangosalat und Reis gegessen. Insgesamt waren wir zu fünft. Martina, zwei ihrer Freunde aus Australien, Beatrice und ich. Zwei ihrer Freunde aus Australien? Fantastisch! Gleich mal ausquetschen, wo wir am besten hinfahren und worauf wir achten müssen. Immerhin kommen die beiden gerade von dort, wo wir hinwollen. Genau das haben wir dann die nächsten zwei Tage immer wieder getan. Unter anderem waren wir gemeinsam bei Pitar beim Fischessen und in der absolut abgefahrenen Hippie Bar. Die gesamte Bar, die eher aussieht wie ein kleines Dorf, ist aus Treibholz zusammengezimmert, das am Strand vor der Bar angespült wird.

Hippie Bar

Die Hippie Bar auf Koh Phayam

Das Sternbild Widder

Vom zweiten Ereignis habe ich bereits geschrieben: Es steht Songkran an. Während dem thailändischen Neujahr ist es Sitte, dass sich die Menschen gegenseitig mit Wasser vollspritzen. Oftmals ist das Wasser gefärbt, oder man bekommt das Gesicht mit Puder oder Talcum verziert. Auf Koh Phayam ist das bei weitem nicht so extrem wie beispielsweise in Bangkok. Trotzdem haben wir während dieser Tage auf unseren Roller sowie unsere Kamera verzichtet. Trocken und mit heller Kleidung sind wir zum Essen gegangen, pitschnass und in roter Kleidung sind wir wieder daheim angekommen. Schön wars!

Der Kreis schließt sich

Das dritte Ereignis war der Anruf meines Freundes aus Bangkok. Eigentlich wollte ich ihn die ganze Zeit schon anrufen, um ihm zu erzählen, dass wir die zehn Tage durchgehalten haben. Aber zum einen hatte ich kein Guthaben mehr auf meiner Pre-Paid Karte, und zum anderen kann ich ihm das in drei Monaten persönlich erzählen. Ich weiss noch wie ich ihn vor ein paar Monaten folgende dumme Frage gestellt habe: Wie kann ich Disziplin lernen? Eigentlich wollte ich ihn nur fragen, wie er jeden Tag sein krasses Programm durchziehen kann, und dass mich das echt beeindruckt. Auf jeden Fall musste ich gerade an diese Frage und meinen Freund denken, als mein Telefon klingelt. Seine Worte waren in etwa folgende: Hey Peter wie geht’s? Alles klar bei Euch beiden? Ich hoffe es hat Euch in Thailand gefallen! Ich wollte Euch zeigen, wie wir Thailänder leben, wie wir denken und woran wir glauben! Ich hoffe wir sehen uns bald wieder, Ihr seid jeder Zeit herzlich bei mir Willkommen, kommt vorbei wann immer Ihr wollt! Ich wünsche Euch noch eine schöne Reise! Grüße an Martina!

Relaxen auf Koh Phayam

Da denkt man, man hat es geschafft. Endlich hat man die zehn Tage des Schweigens überstanden, da wird bekannt gegeben, dass das Retreat erst am elften Tag zum Frühstück endet. Da musste ich erst einige Male tief ein- und ausatmen, hat aber nicht viel gebracht. Völlig entnervt habe ich das Retreat verlassen und das ist auch der Grund, warum es kaum Fotos gibt. Zwar durften wir am letzten Tag über das Gelände laufen, um zu fotografieren, aber ich wollte so schnell wie möglich weg. Weg zum Relaxen auf Koh Phayam.

Das kleine Mädchen

Als wir an der Bushaltestelle angekommen sind, steht dort das kleine Mädchen aus den USA. Das Mädchen sieht aus wie zwölf, ist aber immerhin schon 16 Jahre alt. Wie alt ihr Geist ist, kann ich nicht sagen, aber von diesem kleinen Mädchen konnten sich in Suan Mokkh alle Teilnehmer eine Scheibe abschneiden. Ihr Chore bestand darin, die Toiletten auf dem Gelände zu reinigen. Nachdem ein Teilnehmer frühzeitig abgebrochen hat, hat das kleine Mädchen dessen Chore übernommen und zusätzlich noch die Toiletten beim Essensaal geputzt. Vor jedem Gebäude, welches man nicht mit Schuhen oder Flip-Flops betreten darf, befindet sich in Suan Mokkh ein Fußbad. Vor jedem Schlafsaal, vor dem Essensaal, vor dem Meditationssaal und vor jeder Halle. Und jeden Tag lagen frische Blüten im Fußbad und ich habe mich ständig gefragt, wer macht denn sowas? Die Antwort lautet: Das kleine Mädchen, dass jeden Tag alle Toiletten putzt.

Als wir dann also an der Bushaltestelle angekommen sind, steht dort dieses Mädchen und fragt uns, wo wir hin wollen. Nachdem wir ihr erzählt haben, wo wir hin wollen, dreht sie sich um und meint: Moment, ich frage die Einheimischen dort drüben, ich kann Thai! Da ist mir erstmal die Kinnlade runtergefallen. Respekt vor dieser Person! Einer der Gedanken, der mir in diesem Moment durch den Kopf gegangen ist, war: Wenn dieses kleine Mädchen ihre gesamte Generation vertritt, dann steht die Welt vor einer rosigen Zukunft.

Das junge Pärchen

Leider kann uns das kleine Mädchen auch nicht mehr Informationen besorgen, als wir bereits haben. Wir müssen auf den Bus nach Ranong warten. Nach einer viertel Stunde sehe ich auch endlich aus der Ferne einen Bus auf die Bushaltestelle zufahren. Ich erkenne die Aufschrift Bangkok-Ranong und ich strecke meine Daumen raus, damit der Bus anhält. Dann sehe ich nur noch wie der Busfahrer mir zuwinkt und weiter fährt. Später stellte sich heraus, dass der Bus überfüllt war, weil Songkran ansteht. Das thailändische Neujahr. Uns bleibt also nichts anderes übrig als weiter den Daumen raus zu strecken.

Es dauert nicht lange, bis ein junges Pärchen anhält. Sie haben unser Schild mit der Aufschrift Ranong gesehen, und könnten uns zumindest in ihre Heimatstadt zum Busbahnhof bringen, welche etwa 80 km vor Ranong liegt. Wir nehmen das Angebot dankend an und machen uns auf den Weg. Sofort kommen wir ins Gespräch und wir erzählen von Suan Mokkh. Wir stellen erneut fest, wie klein diese Welt doch ist, denn die Frau des Fahrers ist ebenfalls regelmäßig in Suan Mokkh beim Meditieren. Die Welt wird noch ein wenig kleiner, als sie uns Fotos von ihrem Englischlehrer zeigt, der einmal die Woche die Einheimischen freiwillig in Englisch unterrichtet. Auf den Fotos erkenne ich Ignazio, einen der Teilnehmer des Retreats, mit dem ich gemeinsam für das Reinigen der Hot Springs verantwortlich war. Als das junge Pärchen uns dann auch noch Fotos vom Relaxen auf Koh Phayam zeigt, sowie Fotos der Unterkunft, in der sie dort immer übernachten, frag ich mich ob ich im falschen Film bin. Das gibts doch alles gar nicht. Wie ich bereits erwähnt habe, steht Songkran an. Der Grund, warum es keine freien Plätze in öffentlichen Verkehrsmitteln gibt. Das hat uns zumindest das junge Pärchen gesagt, denn irgendwann während der Fahrt hat die Frau des Fahrers beim Busbahnhof angerufen, um für uns herauszufinden, wann der nächste Bus nach Ranong abfährt.

Diese Fahrt war ein weiters Beispiel für die Freundlichkeit der Asiaten. Mit einer absoluten Selbstverständlichkeit und ohne mit der Wimper zu zucken, und vor allem ohne irgendwelche Erwartungen, hat uns das junge Paar 80 km weiter nach Ranong direkt vor die Fähre gefahren. Wir haben ihnen Geld für Benzin angeboten, wollten sie zum Essen einladen, konnten uns am Ende aber lediglich tausend Mal bedanken. Offensichtlich war es eine Freude für das junge Pärchen, etwas Gutes zu tun. Die Fahrt im voll klimatisierten schneeweißem Chrysler Jeep mit Ledersitzen von Suan Mokkh nach Ranong, war ein unbeschreiblicher Abschluss der Anstrengungen der letzten zwei Wochen. Das Erlebnis selbst war für mich wie das i-Tüpfelchen dieses unvergesslichen Erlebnisses.

June und Pitar

Die nächsten zehn Tage werden wir relaxen auf Koh Phayam. Für 300 Baht kaufen wir uns ein Ticket für das Speedboat. Knapp 30 Minuten später sind wir auf Koh Phayam angekommen und leihen uns direkt am Hafen einen Roller aus. Wir fahren zu June und werfen die Rucksäcke in unseren Strandbungalow. Danach fahren wir zu Pitar. Pitar ist Fischer und betreibt ein kleines Restaurant. Heute hat er einen Barrakuda gefangen und wird ihn uns in Tamarind Sauce und Reis servieren. Es lässt sich nicht in Worte fassen, wie nach 14 Tagen vegetarischer Kost ein frisches Barrakuda Steak in Tamarind Sauce von Pitar zubereitet schmeckt. Ich glaube am besten lässt sich diese Mahlzeit mit dem Wort Geschmacksorgasmus beschreiben. Nur dieses Mal ohne die Zigarette danach!

Junes Horizon

Unser Strandbungalow bei June…

Mangroven

…mit Blick auf den Mangrovenwald…

Hornbill

…in der Nähe der Hornbills.

Barrakudasteak

Barrakudasteak in Tamarind Sauce

Durch Meditation zum Nichtraucher werden (3)

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, warum ich nach den knapp zwei Wochen im Kloster kein Verlangen nach einer Zigarette verspüre. Während dieser Zeit habe ich oft darüber nachgedacht, warum ich jetzt keine Zigarette rauchen will. Was ist der Unterschied? Was mache ich hier anders? Was hat mein Umdenken ausgelöst? Wie kann ich durch Meditation zum Nichtraucher werden?

Den Körper reinigen

Ich glaube, mein Aufenthalt im Kloster ist einfach nur der Abschluss eines lange andauernden Prozesses gewesen. Nichtraucher wollte ich schon vor meiner Reise sein, aber mal ganz ehrlich, wie soll man aufhören zu rauchen, wenn die Schachtel Zigaretten nichtmal einen Euro kostet? Und da ist auch schon mein erster Denkfehler. Soll die Tatsache, dass ich rauche oder nicht davon abhängen, ob ich es mir leisten kann? Definitiv nicht! Im Kloster haben wir extrem bewusst gelebt. Jeden Tag Frühsport machen, jeden Tag vegetarische Kost essen und die gesamte Zeit in der Natur leben. Ich habe gemerkt, wie sich jeden Tag mein Körper mehr und mehr gereinigt hat.

Bewusst Leben

Irgendwie hatte dieser Mönch schon recht, als er was von einem System erzählt hat und wie alles zusammenhängt. Wie soll man neun Monate Asienreise in einem kleinen Blogeintrag erklären? Da kommt so vieles zusammen. Kleinigkeiten, die mir zuerst total unwichtig erschienen sind, ergeben plötzlich einen Sinn. Letztendlich ist es so, dass wir uns unterbewusst schon sehr lange auf unsere Reise in ein neues Leben vorbereitet haben. Alles, worüber wir uns Gedanken gemacht haben, sei es unser Körper, unsere Ernährung, unser Geist, unser Dasein, unsere Natur oder was auf unserer Welt passiert – all das wurde in Suan Mokkh auf die Spitze getrieben.

Schwitzen

Bereits auf den Gilis habe ich geschwitzt

Der Körper

Und in Bangkok habe ich Frühsport gemacht

Bewusst Entscheiden

Du machst Dir Gedanken um Deinen Körper? Dann mach Sport! Jeden Tag zwei Stunden! Du machst Dir Gedanken darüber, dass Du rauchst? Dann hör auf damit! Du machst Dir Gedanken um Deine Ernährung? Dann ernähre Dich gesund und lebe vegetarisch! Du machst Dir Gedanken um Deinen Geist? Dann meditiere! Jeden Tag vier Stunden! Du machst Dir Gedanken um unsere Dasein? Dann beschäftige Dich mit den Kulturen und Religionen dieser Welt! Du machst Dir Gedanken über unsere Natur? Dann beschütze und respektiere sie! Vermeide Müll und unnötigen Stromverbrauch! Du machst Dir Gedanken darüber, was auf unserer Welt passiert? Dann gehe mit gutem Beispiel voran und zeige, dass es auch anders geht! Schwimme gegen den Strom!

Obst

Die Mischung macht’s

Gleichgesinnte finden

Egal was wir bisher auf unserer Reise erlebt oder unternommen haben, selbst der über 4000m hohe Rinjani war ein Witz gegen Suan Mokkh. Wenn man einmal das Gesamtpaket überstanden hat, dann ist man in erster Linie stolz und dankbar. Stolz darauf, dass man so lange durchgehalten hat. Dankbar dafür, dass man von 150 Gleichgesinnten unterstützt wurde.

Rinjani in Indonesien

Der über 4000m hohe Rinjani…

Rinjani

…war ein Witz gegen Suan Mokkh.

Am Ende bleibt es einem selbst überlassen, was man aus Suan Mokkh mitnehmen möchte. Manche nehmen nichts mit, weil sie nach ein paar Tagen abgebrochen haben. Aber auch das bleibt einem selbst überlassen. Manche machen nach Suan Mokkh genauso weiter wie zuvor. Manche bleiben mehrere Monate und erfreuen sich der absoluten Ruhe in den 20 Tagen im Monat, in denen keine Meditationstouristen die Ruhe stören. Vielleicht ist sogar jemand dabei, der zum Mönch werden will.

Immer am Ball bleiben

Ich für meinen Teil möchte weder so weiter machen wie zuvor, noch zum Mönch werden. Aber ich möchte mich mehr um meinen Körper kümmern. Also mache ich jeden Tag Sport. Allerdings keine zwei Stunden. Ich möchte noch länger fit und gesund diesen wunderschönen Planeten bereisen. Ich möchte Berge besteigen ohne mich übergeben zu müssen. Ich möchte nicht wie mein Vater mit 52 Jahren an Lungenkrebs sterben. Also rauche ich nicht mehr. Ich werde weiterhin versuchen, so wenig Fleisch wie möglich zu essen, und esse Obst anstelle von Schokolade. Ich mache mir weiterhin Gedanken um mich und meine Umwelt. Ich versuche lokale Geschäfte und Produkte zu unterstützen und verzichte auf Produkte von Coca Cola und Nestlé.

Die Natur

Ich möchte mir auch in Zukunft unsere wunderschöne Natur ansehen können

Und weil gestern Muttertag war...

Und weil gestern Muttertag war…

Orchidee

…eine Orchidee für meine Mama.

Ich habe in Suan Mokkh gelernt zu verzichten und durchzuhalten. Einfach nur durch tiefes Ein- und Ausatmen. Wenn ich dann spüre, wie die Luft ungehindert durch meine Nase in meine Lunge strömt, weiss ich warum ich das mache. Breathe in, Breathe out.

Durch Meditation zum Nichtraucher werden (2)

Am nächsten Tag reisst mich das Läuten der Glocke wieder aus meinen Träumen. Im Laufe des Retreats werde ich lernen, dass man durch Meditation und durch ein Leben mit Verzichten auch Albträumen vorbeugen kann. Genau das werden wir bei diesem Retreat lernen. Wir werden lernen zu verzichten. Wir werden lernen, mit dem Nötigsten auszukommen. Durch Meditation zum Nichtraucher werden ist mein Ziel, und das werde ich weiterhin verfolgen.

Beschäftigung statt Rauchen

Ich würde jetzt schon gerne einmal mit Beatrice reden. Aber ich reiss mich zusammen, lächle sie an, bekomme ein Lächeln zurück und gehe weiter. Ich fülle meine Wasserfasche mit gefiltertem Regenwasser und gehe meinem streng geregeltem Alltag nach. Ich komme überhaupt nicht dazu, ans Rauchen zu denken, weil ich ständig beschäftigt bin. Anstatt ans Rauchen zu denken, denke ich über die Worte nach, die ich bei den täglichen Dhamma-Talks zu hören bekomme. Wieso soll man denn bitte auf Sex verzichten? Die Erfüllung des Lebens kann doch nicht sein, kein neues Leben zeugen zu dürfen. Oder vielleicht meint der Mönch mit Sex überhaupt nicht die Fortpflanzung. Ich weiss es nicht und kann auch niemanden fragen. Ich darf ja mit niemanden reden.

Also mache ich mir weiterhin meine Gedanken über diese skurrile Situation, in der ich mich befinde. Wie soll ich denn bitte in der Gegenwart leben, und mir keine Gedanken über meine Vergangenheit machen? Wie soll ich denn bitte in der Gegenwart leben, und mir keine Gedanken über meine Zukunft machen? Die Mönche haben leicht reden, denke ich mir und die Glocke läutet erneut.

Mein neuer Zimmergenosse

Beim Essen denke ich mir, warum macht der Kerl vor mir seinen Teller bis zum Rand voll mit Essen? Und in der anderen Hand hat er noch ein paar Scheiben Wassermelone. Bis zum zehnten Tag hat es gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass er sich für diese Aktion ganz schön geschämt hat. Während ich darauf warte, bis alle ihr Essen genommen haben und die Danksagung für das Essen vorgelesen wird, denke ich mir, warum der Kerl da drüben eigentlich schon isst. Warum uns ausdrücklich gesagt wurde, es wird erst die Danksagung für das Essen vorgelesen, bis alle anfangen zu essen. Bis zum zehnten Tag hat es gedauert, bis ich herausgefunden habe, warum er das getan hat. Ich sitze beim Essen und endlich wurde die Danksagung vorgelesen. Ich nehme meine Petersilie, meinen Dill und noch so anderes Grünzeug, was ich bis dato noch nie gesehen habe, und zupfe es langsam in meine Schüssel. Und ich denke mir, wie um alles in der Welt kann sich denn der Kerl jetzt schon seinen zweiten Nachtisch holen, wo ich noch nicht einmal einen Bissen zu mir genommen habe. Um das herauszufinden, musste ich jedoch nur zehn Minuten warten. Der Nachtisch war supersüß, lecker und natürlich schon längst alle, bis ich das geschnallt habe. Nachdem ich mein Geschirr abgespült habe, begebe ich mich zu den heißen Quellen. Das war das erste Mal, dass mich jemand angesprochen hat, und dass ich mit jemanden geredet habe. Ich musste mehrmals nachfragen, was er überhaupt von mir will, bis mein Gehirn dann den Sprachmodus auf ungarisch umgestellt hat. Redet mich in Thailand im Kloster ein Ungar an, der in China wohnt. Ab diesem Moment fühle ich mich ein wenig Daheim in diesem abgelegenem Kloster.

Suan Mokkh

Umgeben von Palmen

Umgeben von Palmen und in absoluter Stille genieße ich mein Bad in den heißen Quellen und freue mich, dass ich meinen Chore nur jeden zweiten Tag ausüben muss. Ich freue mich darüber, was für tolle Freunde ich habe, die mir den besten aller Jobs hier empfohlen haben. Danach gehe ich wieder zu den Schlafräumen, putze meine Zähne und wasche meine Wäsche. Von aussen öffne ich meine Fensterläden und mir bleibt vor Schreck fast mein Herz stehen. Im Inneren des Fensterladens sitzt ein über 20cm großer Gecko. Nachdem ich tief ein und ausgeatmet habe, stelle ich mich vor den Gecko und betrachte ihn von allen Seiten. Während ich mir denke, was für ein schönes Tier dieser Gecko auf meinem Fensterladen ist, verschwindet er durch mein Fenster in mein Zimmer. Ab diesem Moment habe ich mir keine Gedanken mehr über Ungeziefer in meinem Zimmer gemacht. Bis zum letzten Tag hat mich der Gecko vor Spinnen und anderen Insekten beschützt. Jeden Tag wenn ich vom Frühstück in mein Zimmer gegangen bin, hing der Gecko irgendwo in meinem Zimmer an der Decke oder an der Wand. Jedes Mal wenn ich nachts ins Bett gegangen bin, ist er verschwunden und hat zum Glück irgendwo anders seine GECKOO-GECKOO-GECKOOO-OOO Laute gemacht.

Mein Zimmergenosse

Mein neuer Zimmergenosse

Das Ziel im Auge behalten…

Ganze drei Tage haben Beatrice und ich es geschafft, nicht miteinander zu reden. Seit 17 Jahren reden wir immer miteinander. Am nächsten Tag gab es dann auch prompt eine Verwarnung einer Dame von der der Verwaltung. Keinen Plan, wie sie das mitbekommen haben, aber wenn wir das Retreat verlassen, dann aus eigener freier Entscheidung und nicht, weil wir drei Mal negativ aufgefallen sind. Wir reissen uns also die nächsten Tage zusammen, aber das wird von Tag zu Tag schwerer. Von Tag zu Tag sehe ich immer mehr leere Plätze in der Meditationshalle. Von Tag zu Tag sehe ich, wie immer mehr von denen verschwinden, mit denen ich vor ein paar Tagen noch eine Zigarette geraucht habe oder ein Bierchen trinken wollte. Aber egal wie, ich werde das durchstehen.

Ich werde das durchstehen, denke ich mir auch, nachdem ich am achten Tag kaum geschlafen habe. Ich glaube, ich habe mir beim morgendlichen Yoga eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen. Mein rechter Oberschenkel hat sich taub angefühlt und eiskalt zugleich. Egal, ob ich auf dem Rücken, dem Bauch oder auf der Seite gelegen bin, nichts hat geholfen. Ich weiss nicht wie ich das durchgestanden habe, denn auch die letzten beiden Nächte habe ich nicht schlafen können. Sehnsüchtig habe ich auf das Läuten der Glocke um 4:00 Uhr morgens gewartet. Und einmal habe ich es sogar geschafft, vor dem Chinesen vorne in der ersten Reihe auf meinem Platz in der Meditationshalle zu sitzen und im Schneidersitz meditierend darauf zu warten, bis die restlichen 130 Teilnehmer auf ihren Plätzen sitzen. Und langsam merke ich, wie der andere Peter in mir zum Vorschein kommt. Ich werde zickig und störrisch, und wenn mich jemand anlächelt, dann lächele ich nicht zurück, sondern schau besonders grimmig drein. Dabei fällt mir gar nicht auf, dass ich in diesem Moment einer von denen werde, über deren Verhalten ich mich all die Tage zuvor gedanklich aufgeregt habe. Erst Tage später wird mir klar werden, dass im Retreat in Suan Mokkh 150 Peters waren. Der Peter, der seinen Teller nicht voll genug bekommt. Der Peter, der nachts schnarcht. Der Peter, der lieber in den heißen Quellen schwimmt anstatt zu meditieren. Der Peter, der früher abgehauen ist. Der Peter, der einmal geraucht hat. Letztendlich ist es aber so wie es uns der Mönch bei meiner Lieblingsveranstaltung erzählt hat: Mache Dir keine Gedanken über die Vergangenheit. Mache Dir keine Gedanken über die Zukunft. Lebe in der Gegenwart. Du kannst in jedem Augenblick Dein altes Ich hinter Dir lassen und ein neues Leben beginnen. Du kannst in jedem Augenblick Dein altes Ich hinter Dir lassen und ein neuer Mensch werden.

Nichtraucher werden

Das Ziel im Auge behalten und nicht vom Weg abkommen

…jeden Tag aufs Neue

Auf jeden Fall macht es keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, warum irgend jemand, irgend etwas macht. Wenn man das einmal verstanden hat, dann versteht man auch, dass es keinen Sinn macht sich darüber Gedanken zu machen, was andere Menschen über einen selbst Denken.

Darum habe ich mein altes Ich hinter mir gelassen und ein neues, gesünderes, bewussteres Leben begonnen. Ich mache mir keine Gedanken mehr darüber, ob ich mit einer Zigarette im Mund cool aussehe, sondern frage mich, ob das gut für meinen Körper ist. Ich mache mir keine Gedanken mehr darüber wie verdammt gut so eine Coca Cola schmeckt, sondern frage mich, ob das gut für meinen Körper ist. Ich mache mir keine Gedanken darüber, ob ich morgen immer noch keine Cocal Cola trinken werde, oder ob ich morgen immer noch Nichtraucher bin. Ich muss mich in jedem Augenblick daran erinnern, dass ich ein neuer Mensch sein möchte. Ich muss mich bei jedem Gang in ein Geschäft daran erinnern, dass ich mir keine Coca Cola und Nestlé Produkte mehr kaufen werde. Ich muss bei jedem Schokoriegel, den ich im Regal sehe, feststellen, dass irgendwie alles von Nestlé ist. Ich atme dann tief ein und tief aus, drehe mich um und fühle mich gut.

Gesund leben

Diese Produkte sind garantiert nicht von Coca Cola oder Nestlé