Durch Meditation zum Nichtraucher werden (2)

Am nächsten Tag reisst mich das Läuten der Glocke wieder aus meinen Träumen. Im Laufe des Retreats werde ich lernen, dass man durch Meditation und durch ein Leben mit Verzichten auch Albträumen vorbeugen kann. Genau das werden wir bei diesem Retreat lernen. Wir werden lernen zu verzichten. Wir werden lernen, mit dem Nötigsten auszukommen. Durch Meditation zum Nichtraucher werden ist mein Ziel, und das werde ich weiterhin verfolgen.

Beschäftigung statt Rauchen

Ich würde jetzt schon gerne einmal mit Beatrice reden. Aber ich reiss mich zusammen, lächle sie an, bekomme ein Lächeln zurück und gehe weiter. Ich fülle meine Wasserfasche mit gefiltertem Regenwasser und gehe meinem streng geregeltem Alltag nach. Ich komme überhaupt nicht dazu, ans Rauchen zu denken, weil ich ständig beschäftigt bin. Anstatt ans Rauchen zu denken, denke ich über die Worte nach, die ich bei den täglichen Dhamma-Talks zu hören bekomme. Wieso soll man denn bitte auf Sex verzichten? Die Erfüllung des Lebens kann doch nicht sein, kein neues Leben zeugen zu dürfen. Oder vielleicht meint der Mönch mit Sex überhaupt nicht die Fortpflanzung. Ich weiss es nicht und kann auch niemanden fragen. Ich darf ja mit niemanden reden.

Also mache ich mir weiterhin meine Gedanken über diese skurrile Situation, in der ich mich befinde. Wie soll ich denn bitte in der Gegenwart leben, und mir keine Gedanken über meine Vergangenheit machen? Wie soll ich denn bitte in der Gegenwart leben, und mir keine Gedanken über meine Zukunft machen? Die Mönche haben leicht reden, denke ich mir und die Glocke läutet erneut.

Mein neuer Zimmergenosse

Beim Essen denke ich mir, warum macht der Kerl vor mir seinen Teller bis zum Rand voll mit Essen? Und in der anderen Hand hat er noch ein paar Scheiben Wassermelone. Bis zum zehnten Tag hat es gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass er sich für diese Aktion ganz schön geschämt hat. Während ich darauf warte, bis alle ihr Essen genommen haben und die Danksagung für das Essen vorgelesen wird, denke ich mir, warum der Kerl da drüben eigentlich schon isst. Warum uns ausdrücklich gesagt wurde, es wird erst die Danksagung für das Essen vorgelesen, bis alle anfangen zu essen. Bis zum zehnten Tag hat es gedauert, bis ich herausgefunden habe, warum er das getan hat. Ich sitze beim Essen und endlich wurde die Danksagung vorgelesen. Ich nehme meine Petersilie, meinen Dill und noch so anderes Grünzeug, was ich bis dato noch nie gesehen habe, und zupfe es langsam in meine Schüssel. Und ich denke mir, wie um alles in der Welt kann sich denn der Kerl jetzt schon seinen zweiten Nachtisch holen, wo ich noch nicht einmal einen Bissen zu mir genommen habe. Um das herauszufinden, musste ich jedoch nur zehn Minuten warten. Der Nachtisch war supersüß, lecker und natürlich schon längst alle, bis ich das geschnallt habe. Nachdem ich mein Geschirr abgespült habe, begebe ich mich zu den heißen Quellen. Das war das erste Mal, dass mich jemand angesprochen hat, und dass ich mit jemanden geredet habe. Ich musste mehrmals nachfragen, was er überhaupt von mir will, bis mein Gehirn dann den Sprachmodus auf ungarisch umgestellt hat. Redet mich in Thailand im Kloster ein Ungar an, der in China wohnt. Ab diesem Moment fühle ich mich ein wenig Daheim in diesem abgelegenem Kloster.

Suan Mokkh

Umgeben von Palmen

Umgeben von Palmen und in absoluter Stille genieße ich mein Bad in den heißen Quellen und freue mich, dass ich meinen Chore nur jeden zweiten Tag ausüben muss. Ich freue mich darüber, was für tolle Freunde ich habe, die mir den besten aller Jobs hier empfohlen haben. Danach gehe ich wieder zu den Schlafräumen, putze meine Zähne und wasche meine Wäsche. Von aussen öffne ich meine Fensterläden und mir bleibt vor Schreck fast mein Herz stehen. Im Inneren des Fensterladens sitzt ein über 20cm großer Gecko. Nachdem ich tief ein und ausgeatmet habe, stelle ich mich vor den Gecko und betrachte ihn von allen Seiten. Während ich mir denke, was für ein schönes Tier dieser Gecko auf meinem Fensterladen ist, verschwindet er durch mein Fenster in mein Zimmer. Ab diesem Moment habe ich mir keine Gedanken mehr über Ungeziefer in meinem Zimmer gemacht. Bis zum letzten Tag hat mich der Gecko vor Spinnen und anderen Insekten beschützt. Jeden Tag wenn ich vom Frühstück in mein Zimmer gegangen bin, hing der Gecko irgendwo in meinem Zimmer an der Decke oder an der Wand. Jedes Mal wenn ich nachts ins Bett gegangen bin, ist er verschwunden und hat zum Glück irgendwo anders seine GECKOO-GECKOO-GECKOOO-OOO Laute gemacht.

Mein Zimmergenosse

Mein neuer Zimmergenosse

Das Ziel im Auge behalten…

Ganze drei Tage haben Beatrice und ich es geschafft, nicht miteinander zu reden. Seit 17 Jahren reden wir immer miteinander. Am nächsten Tag gab es dann auch prompt eine Verwarnung einer Dame von der der Verwaltung. Keinen Plan, wie sie das mitbekommen haben, aber wenn wir das Retreat verlassen, dann aus eigener freier Entscheidung und nicht, weil wir drei Mal negativ aufgefallen sind. Wir reissen uns also die nächsten Tage zusammen, aber das wird von Tag zu Tag schwerer. Von Tag zu Tag sehe ich immer mehr leere Plätze in der Meditationshalle. Von Tag zu Tag sehe ich, wie immer mehr von denen verschwinden, mit denen ich vor ein paar Tagen noch eine Zigarette geraucht habe oder ein Bierchen trinken wollte. Aber egal wie, ich werde das durchstehen.

Ich werde das durchstehen, denke ich mir auch, nachdem ich am achten Tag kaum geschlafen habe. Ich glaube, ich habe mir beim morgendlichen Yoga eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen. Mein rechter Oberschenkel hat sich taub angefühlt und eiskalt zugleich. Egal, ob ich auf dem Rücken, dem Bauch oder auf der Seite gelegen bin, nichts hat geholfen. Ich weiss nicht wie ich das durchgestanden habe, denn auch die letzten beiden Nächte habe ich nicht schlafen können. Sehnsüchtig habe ich auf das Läuten der Glocke um 4:00 Uhr morgens gewartet. Und einmal habe ich es sogar geschafft, vor dem Chinesen vorne in der ersten Reihe auf meinem Platz in der Meditationshalle zu sitzen und im Schneidersitz meditierend darauf zu warten, bis die restlichen 130 Teilnehmer auf ihren Plätzen sitzen. Und langsam merke ich, wie der andere Peter in mir zum Vorschein kommt. Ich werde zickig und störrisch, und wenn mich jemand anlächelt, dann lächele ich nicht zurück, sondern schau besonders grimmig drein. Dabei fällt mir gar nicht auf, dass ich in diesem Moment einer von denen werde, über deren Verhalten ich mich all die Tage zuvor gedanklich aufgeregt habe. Erst Tage später wird mir klar werden, dass im Retreat in Suan Mokkh 150 Peters waren. Der Peter, der seinen Teller nicht voll genug bekommt. Der Peter, der nachts schnarcht. Der Peter, der lieber in den heißen Quellen schwimmt anstatt zu meditieren. Der Peter, der früher abgehauen ist. Der Peter, der einmal geraucht hat. Letztendlich ist es aber so wie es uns der Mönch bei meiner Lieblingsveranstaltung erzählt hat: Mache Dir keine Gedanken über die Vergangenheit. Mache Dir keine Gedanken über die Zukunft. Lebe in der Gegenwart. Du kannst in jedem Augenblick Dein altes Ich hinter Dir lassen und ein neues Leben beginnen. Du kannst in jedem Augenblick Dein altes Ich hinter Dir lassen und ein neuer Mensch werden.

Nichtraucher werden

Das Ziel im Auge behalten und nicht vom Weg abkommen

…jeden Tag aufs Neue

Auf jeden Fall macht es keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, warum irgend jemand, irgend etwas macht. Wenn man das einmal verstanden hat, dann versteht man auch, dass es keinen Sinn macht sich darüber Gedanken zu machen, was andere Menschen über einen selbst Denken.

Darum habe ich mein altes Ich hinter mir gelassen und ein neues, gesünderes, bewussteres Leben begonnen. Ich mache mir keine Gedanken mehr darüber, ob ich mit einer Zigarette im Mund cool aussehe, sondern frage mich, ob das gut für meinen Körper ist. Ich mache mir keine Gedanken mehr darüber wie verdammt gut so eine Coca Cola schmeckt, sondern frage mich, ob das gut für meinen Körper ist. Ich mache mir keine Gedanken darüber, ob ich morgen immer noch keine Cocal Cola trinken werde, oder ob ich morgen immer noch Nichtraucher bin. Ich muss mich in jedem Augenblick daran erinnern, dass ich ein neuer Mensch sein möchte. Ich muss mich bei jedem Gang in ein Geschäft daran erinnern, dass ich mir keine Coca Cola und Nestlé Produkte mehr kaufen werde. Ich muss bei jedem Schokoriegel, den ich im Regal sehe, feststellen, dass irgendwie alles von Nestlé ist. Ich atme dann tief ein und tief aus, drehe mich um und fühle mich gut.

Gesund leben

Diese Produkte sind garantiert nicht von Coca Cola oder Nestlé

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