Relaxen auf Koh Phayam

Da denkt man, man hat es geschafft. Endlich hat man die zehn Tage des Schweigens überstanden, da wird bekannt gegeben, dass das Retreat erst am elften Tag zum Frühstück endet. Da musste ich erst einige Male tief ein- und ausatmen, hat aber nicht viel gebracht. Völlig entnervt habe ich das Retreat verlassen und das ist auch der Grund, warum es kaum Fotos gibt. Zwar durften wir am letzten Tag über das Gelände laufen, um zu fotografieren, aber ich wollte so schnell wie möglich weg. Weg zum Relaxen auf Koh Phayam.

Das kleine Mädchen

Als wir an der Bushaltestelle angekommen sind, steht dort das kleine Mädchen aus den USA. Das Mädchen sieht aus wie zwölf, ist aber immerhin schon 16 Jahre alt. Wie alt ihr Geist ist, kann ich nicht sagen, aber von diesem kleinen Mädchen konnten sich in Suan Mokkh alle Teilnehmer eine Scheibe abschneiden. Ihr Chore bestand darin, die Toiletten auf dem Gelände zu reinigen. Nachdem ein Teilnehmer frühzeitig abgebrochen hat, hat das kleine Mädchen dessen Chore übernommen und zusätzlich noch die Toiletten beim Essensaal geputzt. Vor jedem Gebäude, welches man nicht mit Schuhen oder Flip-Flops betreten darf, befindet sich in Suan Mokkh ein Fußbad. Vor jedem Schlafsaal, vor dem Essensaal, vor dem Meditationssaal und vor jeder Halle. Und jeden Tag lagen frische Blüten im Fußbad und ich habe mich ständig gefragt, wer macht denn sowas? Die Antwort lautet: Das kleine Mädchen, dass jeden Tag alle Toiletten putzt.

Als wir dann also an der Bushaltestelle angekommen sind, steht dort dieses Mädchen und fragt uns, wo wir hin wollen. Nachdem wir ihr erzählt haben, wo wir hin wollen, dreht sie sich um und meint: Moment, ich frage die Einheimischen dort drüben, ich kann Thai! Da ist mir erstmal die Kinnlade runtergefallen. Respekt vor dieser Person! Einer der Gedanken, der mir in diesem Moment durch den Kopf gegangen ist, war: Wenn dieses kleine Mädchen ihre gesamte Generation vertritt, dann steht die Welt vor einer rosigen Zukunft.

Das junge Pärchen

Leider kann uns das kleine Mädchen auch nicht mehr Informationen besorgen, als wir bereits haben. Wir müssen auf den Bus nach Ranong warten. Nach einer viertel Stunde sehe ich auch endlich aus der Ferne einen Bus auf die Bushaltestelle zufahren. Ich erkenne die Aufschrift Bangkok-Ranong und ich strecke meine Daumen raus, damit der Bus anhält. Dann sehe ich nur noch wie der Busfahrer mir zuwinkt und weiter fährt. Später stellte sich heraus, dass der Bus überfüllt war, weil Songkran ansteht. Das thailändische Neujahr. Uns bleibt also nichts anderes übrig als weiter den Daumen raus zu strecken.

Es dauert nicht lange, bis ein junges Pärchen anhält. Sie haben unser Schild mit der Aufschrift Ranong gesehen, und könnten uns zumindest in ihre Heimatstadt zum Busbahnhof bringen, welche etwa 80 km vor Ranong liegt. Wir nehmen das Angebot dankend an und machen uns auf den Weg. Sofort kommen wir ins Gespräch und wir erzählen von Suan Mokkh. Wir stellen erneut fest, wie klein diese Welt doch ist, denn die Frau des Fahrers ist ebenfalls regelmäßig in Suan Mokkh beim Meditieren. Die Welt wird noch ein wenig kleiner, als sie uns Fotos von ihrem Englischlehrer zeigt, der einmal die Woche die Einheimischen freiwillig in Englisch unterrichtet. Auf den Fotos erkenne ich Ignazio, einen der Teilnehmer des Retreats, mit dem ich gemeinsam für das Reinigen der Hot Springs verantwortlich war. Als das junge Pärchen uns dann auch noch Fotos vom Relaxen auf Koh Phayam zeigt, sowie Fotos der Unterkunft, in der sie dort immer übernachten, frag ich mich ob ich im falschen Film bin. Das gibts doch alles gar nicht. Wie ich bereits erwähnt habe, steht Songkran an. Der Grund, warum es keine freien Plätze in öffentlichen Verkehrsmitteln gibt. Das hat uns zumindest das junge Pärchen gesagt, denn irgendwann während der Fahrt hat die Frau des Fahrers beim Busbahnhof angerufen, um für uns herauszufinden, wann der nächste Bus nach Ranong abfährt.

Diese Fahrt war ein weiters Beispiel für die Freundlichkeit der Asiaten. Mit einer absoluten Selbstverständlichkeit und ohne mit der Wimper zu zucken, und vor allem ohne irgendwelche Erwartungen, hat uns das junge Paar 80 km weiter nach Ranong direkt vor die Fähre gefahren. Wir haben ihnen Geld für Benzin angeboten, wollten sie zum Essen einladen, konnten uns am Ende aber lediglich tausend Mal bedanken. Offensichtlich war es eine Freude für das junge Pärchen, etwas Gutes zu tun. Die Fahrt im voll klimatisierten schneeweißem Chrysler Jeep mit Ledersitzen von Suan Mokkh nach Ranong, war ein unbeschreiblicher Abschluss der Anstrengungen der letzten zwei Wochen. Das Erlebnis selbst war für mich wie das i-Tüpfelchen dieses unvergesslichen Erlebnisses.

June und Pitar

Die nächsten zehn Tage werden wir relaxen auf Koh Phayam. Für 300 Baht kaufen wir uns ein Ticket für das Speedboat. Knapp 30 Minuten später sind wir auf Koh Phayam angekommen und leihen uns direkt am Hafen einen Roller aus. Wir fahren zu June und werfen die Rucksäcke in unseren Strandbungalow. Danach fahren wir zu Pitar. Pitar ist Fischer und betreibt ein kleines Restaurant. Heute hat er einen Barrakuda gefangen und wird ihn uns in Tamarind Sauce und Reis servieren. Es lässt sich nicht in Worte fassen, wie nach 14 Tagen vegetarischer Kost ein frisches Barrakuda Steak in Tamarind Sauce von Pitar zubereitet schmeckt. Ich glaube am besten lässt sich diese Mahlzeit mit dem Wort Geschmacksorgasmus beschreiben. Nur dieses Mal ohne die Zigarette danach!

Junes Horizon

Unser Strandbungalow bei June…

Mangroven

…mit Blick auf den Mangrovenwald…

Hornbill

…in der Nähe der Hornbills.

Barrakudasteak

Barrakudasteak in Tamarind Sauce

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