Von Flughafen zu Flughafen

Die nächsten drei Tage lassen sich sehr einfach zusammenfassen. Flughafen Phuket, Flughafen Kuala Lumpur, Flughafen Perth, Flughafen Cairns. Von Flughafen zu Flughafen!

Flughafenhopping

In ganz Thailand bekommt man für ein paar Euro leckeres, frisches Essen. Das gilt jedoch nicht für Flughäfen. Statt dessen versucht man mich an jeder Ecke zu verführen. Zahl zwei 500g Toblerone, nimm drei! Du trinkst doch gerne Grey Goose! Na komm schon, eine Stange Zigaretten! Am Ende konnte ich nicht widerstehen! Eine kleine Flasche SangSom gegen die Flugangst und ein labbriges Brötchen mit Schinken. Ausserdem haben wir uns darauf geeinigt, dass man keine CocaCola trinkt, wenn man sie mit SangSom mischt. Schwups – waren wir in Kuala Lumpur.

Grey Goose

Hier versucht man mich mit meinem Lieblingsvodka zu verführen

8 Stunden auf dem KLIA

So ein labbriges Brötchen ist nicht gerade der Bringer, vor allem wenn man die nächsten acht Stunden am Flughafen verbringen muss. Neben den üblichen Fast Food Ketten haben wir am Flughafen in der hintersten Ecke einen kleinen Inder gefunden. Während wir uns noch darüber gefreut haben, einen Eistee anstelle einer CocaCola gekauft zu haben, ist uns aufgefallen, dass der Eistee von Nestlé war. Neben einem köstlichen Inder hat der Flughafen von Kuala Lumpur noch kostenloses Internet zu bieten. Allerdings ist der Flughafen von Kuala Lumpur – gefühlt – der kälteste Flughafen der Welt. Obwohl wir lange Kleidung tragen, frieren wir uns unseren Allerwertesten ab. Um mich ein wenig aufzuwärmen, entschließe ich mich eine heisse Fertigsuppe zu essen. Warm wird mir allerdings schon vom Spaziergang zu dem einen Shop, der Fertigsuppen verkauft, die nicht von Knorr sind.

17 Stunden in Perth

Mensch, hab ich gut geschlafen. Im Gegensatz zu Perth war es richtig warm im Flieger. Wir holen unsere Rucksäcke vom Gepäckband ab und spazieren zum Terminal 2. Da wir satte 17 Stunden Aufenthalt in Perth haben, war es nicht weiter schlimm, dass wir im Terminal 2 gemütlich unser Frühstück zu uns genommen haben. Denn irgendwann haben wir herausgefunden, dass unser Flieger vom Terminal 3 abfliegt. Dieses Mal fahren wir mit dem kostenlosen Shuttle Bus zum nächsten Terminal. Nichtmal der Akku von meinem Macbook hält 17 Stunden. Beim Versuch mein Macbook aufzuladen, stehe ich das erste Mal seit unserer Reise vor einem Steckdosenproblem. Mit zehn Australischen Dollar konnte ich dieses Problem jedoch relativ einfach beheben und auch am Flughafen von Perth gibt es kostenloses Internet.

7 Stunden in Cairns

Ja fantastisch! Endlich in Cairns angekommen! Jetzt müssen wir ja nur noch sieben Stunden auf den Bus warten, der uns zu unserer Unterkunft nach Port Douglas bringt. Bei tropischen Temperaturen warten wir im schattigen Bushäuschen vor dem Flughafen. Pünktlich um 11:15 Uhr steht der Dougies Bus vor dem Bushäuschen. Nach einer kleinen Rundfahrt durch Cairns und Port Douglas werden wir im Dougies abgesetzt. Dort beziehen wir unser 52$ Zelt und machen uns auf den Weg zum Supermarkt.

Tja, was soll ich sagen? Das war das beste Angus Beef, dass ich jemals selbst zubereitet und verzehrt habe!

Unterkunft im Zelt

Zelt mit Parkettboden, zwei Betten, Ventilator, Licht und Steckdosen

Geschlecktes Port Douglas

Nicht ein Blatt liegt auf dem Boden. Der Rasen hat Golfplatzniveau…

Port Douglas Nordstrand

…die wunderschöne Umgebung…

Papagei statt Amsel

…zieht tropische Vögel an.

Port Douglas Suedstrand

Der wunderschöne Strand…

Peter in Port Douglas

…zieht Touristen an.

Unser letztes Ziel in Asien

So schnell kann man gar nicht schauen, da sind zehn Tage vorbei. Ich kann es irgendwie kaum fassen, aber unser Asien Urlaub neigt sich nach knapp acht Monaten ebenfalls bald dem Ende. Unser letztes Ziel in Asien ist Phuket. Nicht um dort zu feiern, sondern weil die Flugtickets von Phuket nach Perth am günstigsten sind.

Von Koh Phayam nach Phuket

Zum einen fällt es uns schwer, Koh Phayam zu verlassen, andererseits ist das Wetter die letzten Tage nicht mehr so schön wie die erste Woche. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen wir die Insel mit dem Slow Boat. Dreieinhalb Stunden benötigen wir für die Überfahrt aufs Festland. Mit dem Sammeltaxi geht es weiter zum Busbahnhof in Ranong. Mit drei Stunden Verspätung ist der Bus nach Phuket endlich am Busbahnhof Ranong angekommen. Die Fahrt ist mir ewig vorgekommen. Bei jeder Strassenkontrolle mussten wir anhalten und einige Fahrgäste wurden von den Militärs kontrolliert. Bei einem Fahrgast mussten sie jedes Mal ganz genau nachfragen und irgendwas bereden, bevor die Fahrt wieder weiter gehen konnte. Aufgrund der Verspätung und den vielen Stopps war es bereits Mitternacht als wir endlich in unserer Unterkunft in Phuket angekommen sind.

Have a good trip

Nach zehn Tagen Koh Phayam heisst es: Have a good trip

Unser letztes Ziel in Asien

Nach mehreren Stunden Verspätungen sitzen wir endlich im Bus nach Phuket

Zimmer zur Wanne

Mitten in der Nacht kommen wir in unserer Unterkunft an

Check! Liste

Badewanne im Zimmer? Check! Pool mit Meerblick? Check! Kostenloses WLAN? Check! Flug von Perth nach Cairns buchen? Check! Unterkunft in Port Douglas reservieren? Check! Die Restaurants der Umgebung durchprobieren? Check! Jeden Tag Yoga machen? Check! Keine Zigaretten rauchen? Check! Endlich auf eine Waage stellen? Check! Die letzten Tage in Thailand geniessen? Check!

Badewanne im Zimmer

Badewanne im Zimmer? Check!

Pool mit Meerblick

Pool mit Meerblick? Check!

Restaurant durchprobieren

Die Restaurants in der Gegend durchprobieren? Check!

Waage stellen

Auf die Waage stellen? Check!

Was war das für ein geiler Asientrip? Eigentlich will ich gar nicht weg! Aber wir haben uns in den Kopf gesetzt nach Australien zu fliegen, ein Auto zu kaufen und die Küste entlang zu fahren.

Breathe in – Breathe out!

Über 100 Blogs habe ich in dieser Zeit geschrieben. Ich freue mich schon darauf, wenn ich mir diese in ein paar Jahren einmal durchlesen werde. Hier noch eine Nachricht für den Zukunfts-Peter: Hey Du alter Sack! Ich hoffe Du bist immer noch Nichtraucher, alles andere ist enttäuschend! Ich hoffe Du bist immer noch genauso verliebt in Beatrice wie eh und je! Ich hoffe Du sitzt nicht in irgendeinem blöden Bürosessel sondern schaust Dir immer noch die Welt an! Ich hoffe Du lebst Dein Leben und Deine Träume und lebst nicht für die Träume eines anderen! Bleib wie Du bist, bei Dir ist eh schon alles zu spät mein Freund.

Urlaub auf Koh Phayam

Alois Hingerl, Nr. 172, Dienstmann in München, besorgte einen Auftrag mit solcher Hast, daß er vom Schlage gerührt zu Boden fiel und starb. Zwei Engel zogen ihn mit vieler Mühe in den Himmel, wo er von St. Petrus aufgenommen wurde. Der Apostel gab ihm eine Harfe und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt. Von acht Uhr früh bis zwölf Uhr mittags »frohlocken«, und von zwölf Uhr mittags bis acht Uhr abends »Hosianna singen«. – »Ja, wann kriagt ma nacha was z’trink’n?« fragte Alois. – »Sie werden Ihr Manna schon bekommen«, sagte Petrus.

Koh Phayam – Urlaub mit Verzicht

Also wie ein Münchner im Himmel habe ich mich in Suan Mokkh nicht gefühlt, aber von 17 Uhr bis 18 Uhr abends war für mich die Zeit des Hosianna singen. Das beste zu dieser Zeit war jedoch der junge Mönch mit russischem Akzent. Eines Tages kam er mit einem kleinen Säckchen zum Chanting. Er setzte sich wie jeden Tag im Schneidersitz auf das Podest vor uns, und fing an zu erzählen. Dieses Mal war er ein wenig bedrückt über seine Aussagen des Vortages. Ich weiss gar nicht mehr genau, was er am Vortag erzählt hat, auf jeden Fall wollte er sich bei uns für seine Worte entschuldigen. Damit das nicht mehr vorkommt, hat er sein kleines Säckchen mitgebracht. Nachdem wir uns alle gegenseitig fragend angeschaut haben, öffnet er das kleine Säckchen und schüttet es vor sich auf dem Podest aus. Zum Vorschein kommen lauter Steine. Er meint, jeder dieser Steine repräsentiert eine schlechte Eigenschaft. Er nimmt sich einen dieser Steine und wirft ihn in den See vor dem Saal. Er meint, er hat einen ganzen Sack voller Steine mitgebracht, damit jeder von uns einen oder mehrere schlechte Eigenschaften in den See werfen kann. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich gar nicht, wie viele Steine ich mir nehmen soll. Erst Tage später habe ich von Beatrice während eines verbotenen Gesprächs ein paar Steine zugesteckt bekommen. Am Ende habe ich vier Steine in den See geworfen. Die Steine repräsentieren Rauchen, Mc Donald’s, Coca Cola und Nestlé.

Kreislauf oder System?

Dazu kommt noch Morgensport und den Konsum von Fleisch zu reduzieren. Während unserem Urlaub auf Koh Phayam haben wir das alles ohne Probleme durchgehalten. Insgesamt ist unser Urlaub auf Koh Phayam genauso verlaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Schöne Strandspaziergänge, Schwimmen, frische Früchte und Kaschu Nüsse naschen. Lediglich drei Ereignisse stechen aus unserem sonst erholsamen Strandurlaub auf Koh Phayam heraus.

Flut vor Junes Horizon

Bei Flut kann man direkt vor der Haustüre schwimmen gehen

Hier fließt das Meer ab

Wenn das Wasser aus dem Meer am späten Nachmittag abgelaufen ist…

Ebbe vor Junes Horizon.JPG

…kann man bei Ebbe schöne Strandspaziergänge machen.

Strandkrebse

Wir haben eine Hundertschar von Strandkrebsen vor uns her getrieben…

Dreck einsammeln

…und Müll eingesammelt.

Wo beginnt ein Kreis?

Als wir bei June angekommen sind, und unsere Rucksäcke in den Strandbungalow geworfen haben, um zu Pitar zu fahren, ist das nicht exakt so reibungslos abgelaufen. Denn es gab einen kleine Pause zwischen Rucksack ablegen und Abfahrt. Während Beatrice, was auch immer, gerade im Badezimmer macht, setze ich mich auf die Veranda und genieße die Aussicht. Auf einmal höre ich, wie jemand meinen Namen sagt. Die Stimme kommt aber nicht vom Bad hinter mir, sondern vor mir steht Martina. Wir haben Martina in Bangkok kennen gelernt und jetzt wohnt sie im Bungalow neben uns. Sie ist gerade vom Mango sammeln zurückgekommen und ist gerade dabei einen Mangosalat zu machen. Bevor wir also zu Pitar gefahren sind, haben wir uns den Sonnenuntergang angesehen und dazu Mangosalat und Reis gegessen. Insgesamt waren wir zu fünft. Martina, zwei ihrer Freunde aus Australien, Beatrice und ich. Zwei ihrer Freunde aus Australien? Fantastisch! Gleich mal ausquetschen, wo wir am besten hinfahren und worauf wir achten müssen. Immerhin kommen die beiden gerade von dort, wo wir hinwollen. Genau das haben wir dann die nächsten zwei Tage immer wieder getan. Unter anderem waren wir gemeinsam bei Pitar beim Fischessen und in der absolut abgefahrenen Hippie Bar. Die gesamte Bar, die eher aussieht wie ein kleines Dorf, ist aus Treibholz zusammengezimmert, das am Strand vor der Bar angespült wird.

Hippie Bar

Die Hippie Bar auf Koh Phayam

Das Sternbild Widder

Vom zweiten Ereignis habe ich bereits geschrieben: Es steht Songkran an. Während dem thailändischen Neujahr ist es Sitte, dass sich die Menschen gegenseitig mit Wasser vollspritzen. Oftmals ist das Wasser gefärbt, oder man bekommt das Gesicht mit Puder oder Talcum verziert. Auf Koh Phayam ist das bei weitem nicht so extrem wie beispielsweise in Bangkok. Trotzdem haben wir während dieser Tage auf unseren Roller sowie unsere Kamera verzichtet. Trocken und mit heller Kleidung sind wir zum Essen gegangen, pitschnass und in roter Kleidung sind wir wieder daheim angekommen. Schön wars!

Der Kreis schließt sich

Das dritte Ereignis war der Anruf meines Freundes aus Bangkok. Eigentlich wollte ich ihn die ganze Zeit schon anrufen, um ihm zu erzählen, dass wir die zehn Tage durchgehalten haben. Aber zum einen hatte ich kein Guthaben mehr auf meiner Pre-Paid Karte, und zum anderen kann ich ihm das in drei Monaten persönlich erzählen. Ich weiss noch wie ich ihn vor ein paar Monaten folgende dumme Frage gestellt habe: Wie kann ich Disziplin lernen? Eigentlich wollte ich ihn nur fragen, wie er jeden Tag sein krasses Programm durchziehen kann, und dass mich das echt beeindruckt. Auf jeden Fall musste ich gerade an diese Frage und meinen Freund denken, als mein Telefon klingelt. Seine Worte waren in etwa folgende: Hey Peter wie geht’s? Alles klar bei Euch beiden? Ich hoffe es hat Euch in Thailand gefallen! Ich wollte Euch zeigen, wie wir Thailänder leben, wie wir denken und woran wir glauben! Ich hoffe wir sehen uns bald wieder, Ihr seid jeder Zeit herzlich bei mir Willkommen, kommt vorbei wann immer Ihr wollt! Ich wünsche Euch noch eine schöne Reise! Grüße an Martina!

Relaxen auf Koh Phayam

Da denkt man, man hat es geschafft. Endlich hat man die zehn Tage des Schweigens überstanden, da wird bekannt gegeben, dass das Retreat erst am elften Tag zum Frühstück endet. Da musste ich erst einige Male tief ein- und ausatmen, hat aber nicht viel gebracht. Völlig entnervt habe ich das Retreat verlassen und das ist auch der Grund, warum es kaum Fotos gibt. Zwar durften wir am letzten Tag über das Gelände laufen, um zu fotografieren, aber ich wollte so schnell wie möglich weg. Weg zum Relaxen auf Koh Phayam.

Das kleine Mädchen

Als wir an der Bushaltestelle angekommen sind, steht dort das kleine Mädchen aus den USA. Das Mädchen sieht aus wie zwölf, ist aber immerhin schon 16 Jahre alt. Wie alt ihr Geist ist, kann ich nicht sagen, aber von diesem kleinen Mädchen konnten sich in Suan Mokkh alle Teilnehmer eine Scheibe abschneiden. Ihr Chore bestand darin, die Toiletten auf dem Gelände zu reinigen. Nachdem ein Teilnehmer frühzeitig abgebrochen hat, hat das kleine Mädchen dessen Chore übernommen und zusätzlich noch die Toiletten beim Essensaal geputzt. Vor jedem Gebäude, welches man nicht mit Schuhen oder Flip-Flops betreten darf, befindet sich in Suan Mokkh ein Fußbad. Vor jedem Schlafsaal, vor dem Essensaal, vor dem Meditationssaal und vor jeder Halle. Und jeden Tag lagen frische Blüten im Fußbad und ich habe mich ständig gefragt, wer macht denn sowas? Die Antwort lautet: Das kleine Mädchen, dass jeden Tag alle Toiletten putzt.

Als wir dann also an der Bushaltestelle angekommen sind, steht dort dieses Mädchen und fragt uns, wo wir hin wollen. Nachdem wir ihr erzählt haben, wo wir hin wollen, dreht sie sich um und meint: Moment, ich frage die Einheimischen dort drüben, ich kann Thai! Da ist mir erstmal die Kinnlade runtergefallen. Respekt vor dieser Person! Einer der Gedanken, der mir in diesem Moment durch den Kopf gegangen ist, war: Wenn dieses kleine Mädchen ihre gesamte Generation vertritt, dann steht die Welt vor einer rosigen Zukunft.

Das junge Pärchen

Leider kann uns das kleine Mädchen auch nicht mehr Informationen besorgen, als wir bereits haben. Wir müssen auf den Bus nach Ranong warten. Nach einer viertel Stunde sehe ich auch endlich aus der Ferne einen Bus auf die Bushaltestelle zufahren. Ich erkenne die Aufschrift Bangkok-Ranong und ich strecke meine Daumen raus, damit der Bus anhält. Dann sehe ich nur noch wie der Busfahrer mir zuwinkt und weiter fährt. Später stellte sich heraus, dass der Bus überfüllt war, weil Songkran ansteht. Das thailändische Neujahr. Uns bleibt also nichts anderes übrig als weiter den Daumen raus zu strecken.

Es dauert nicht lange, bis ein junges Pärchen anhält. Sie haben unser Schild mit der Aufschrift Ranong gesehen, und könnten uns zumindest in ihre Heimatstadt zum Busbahnhof bringen, welche etwa 80 km vor Ranong liegt. Wir nehmen das Angebot dankend an und machen uns auf den Weg. Sofort kommen wir ins Gespräch und wir erzählen von Suan Mokkh. Wir stellen erneut fest, wie klein diese Welt doch ist, denn die Frau des Fahrers ist ebenfalls regelmäßig in Suan Mokkh beim Meditieren. Die Welt wird noch ein wenig kleiner, als sie uns Fotos von ihrem Englischlehrer zeigt, der einmal die Woche die Einheimischen freiwillig in Englisch unterrichtet. Auf den Fotos erkenne ich Ignazio, einen der Teilnehmer des Retreats, mit dem ich gemeinsam für das Reinigen der Hot Springs verantwortlich war. Als das junge Pärchen uns dann auch noch Fotos vom Relaxen auf Koh Phayam zeigt, sowie Fotos der Unterkunft, in der sie dort immer übernachten, frag ich mich ob ich im falschen Film bin. Das gibts doch alles gar nicht. Wie ich bereits erwähnt habe, steht Songkran an. Der Grund, warum es keine freien Plätze in öffentlichen Verkehrsmitteln gibt. Das hat uns zumindest das junge Pärchen gesagt, denn irgendwann während der Fahrt hat die Frau des Fahrers beim Busbahnhof angerufen, um für uns herauszufinden, wann der nächste Bus nach Ranong abfährt.

Diese Fahrt war ein weiters Beispiel für die Freundlichkeit der Asiaten. Mit einer absoluten Selbstverständlichkeit und ohne mit der Wimper zu zucken, und vor allem ohne irgendwelche Erwartungen, hat uns das junge Paar 80 km weiter nach Ranong direkt vor die Fähre gefahren. Wir haben ihnen Geld für Benzin angeboten, wollten sie zum Essen einladen, konnten uns am Ende aber lediglich tausend Mal bedanken. Offensichtlich war es eine Freude für das junge Pärchen, etwas Gutes zu tun. Die Fahrt im voll klimatisierten schneeweißem Chrysler Jeep mit Ledersitzen von Suan Mokkh nach Ranong, war ein unbeschreiblicher Abschluss der Anstrengungen der letzten zwei Wochen. Das Erlebnis selbst war für mich wie das i-Tüpfelchen dieses unvergesslichen Erlebnisses.

June und Pitar

Die nächsten zehn Tage werden wir relaxen auf Koh Phayam. Für 300 Baht kaufen wir uns ein Ticket für das Speedboat. Knapp 30 Minuten später sind wir auf Koh Phayam angekommen und leihen uns direkt am Hafen einen Roller aus. Wir fahren zu June und werfen die Rucksäcke in unseren Strandbungalow. Danach fahren wir zu Pitar. Pitar ist Fischer und betreibt ein kleines Restaurant. Heute hat er einen Barrakuda gefangen und wird ihn uns in Tamarind Sauce und Reis servieren. Es lässt sich nicht in Worte fassen, wie nach 14 Tagen vegetarischer Kost ein frisches Barrakuda Steak in Tamarind Sauce von Pitar zubereitet schmeckt. Ich glaube am besten lässt sich diese Mahlzeit mit dem Wort Geschmacksorgasmus beschreiben. Nur dieses Mal ohne die Zigarette danach!

Junes Horizon

Unser Strandbungalow bei June…

Mangroven

…mit Blick auf den Mangrovenwald…

Hornbill

…in der Nähe der Hornbills.

Barrakudasteak

Barrakudasteak in Tamarind Sauce

Durch Meditation zum Nichtraucher werden (3)

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, warum ich nach den knapp zwei Wochen im Kloster kein Verlangen nach einer Zigarette verspüre. Während dieser Zeit habe ich oft darüber nachgedacht, warum ich jetzt keine Zigarette rauchen will. Was ist der Unterschied? Was mache ich hier anders? Was hat mein Umdenken ausgelöst? Wie kann ich durch Meditation zum Nichtraucher werden?

Den Körper reinigen

Ich glaube, mein Aufenthalt im Kloster ist einfach nur der Abschluss eines lange andauernden Prozesses gewesen. Nichtraucher wollte ich schon vor meiner Reise sein, aber mal ganz ehrlich, wie soll man aufhören zu rauchen, wenn die Schachtel Zigaretten nichtmal einen Euro kostet? Und da ist auch schon mein erster Denkfehler. Soll die Tatsache, dass ich rauche oder nicht davon abhängen, ob ich es mir leisten kann? Definitiv nicht! Im Kloster haben wir extrem bewusst gelebt. Jeden Tag Frühsport machen, jeden Tag vegetarische Kost essen und die gesamte Zeit in der Natur leben. Ich habe gemerkt, wie sich jeden Tag mein Körper mehr und mehr gereinigt hat.

Bewusst Leben

Irgendwie hatte dieser Mönch schon recht, als er was von einem System erzählt hat und wie alles zusammenhängt. Wie soll man neun Monate Asienreise in einem kleinen Blogeintrag erklären? Da kommt so vieles zusammen. Kleinigkeiten, die mir zuerst total unwichtig erschienen sind, ergeben plötzlich einen Sinn. Letztendlich ist es so, dass wir uns unterbewusst schon sehr lange auf unsere Reise in ein neues Leben vorbereitet haben. Alles, worüber wir uns Gedanken gemacht haben, sei es unser Körper, unsere Ernährung, unser Geist, unser Dasein, unsere Natur oder was auf unserer Welt passiert – all das wurde in Suan Mokkh auf die Spitze getrieben.

Schwitzen

Bereits auf den Gilis habe ich geschwitzt

Der Körper

Und in Bangkok habe ich Frühsport gemacht

Bewusst Entscheiden

Du machst Dir Gedanken um Deinen Körper? Dann mach Sport! Jeden Tag zwei Stunden! Du machst Dir Gedanken darüber, dass Du rauchst? Dann hör auf damit! Du machst Dir Gedanken um Deine Ernährung? Dann ernähre Dich gesund und lebe vegetarisch! Du machst Dir Gedanken um Deinen Geist? Dann meditiere! Jeden Tag vier Stunden! Du machst Dir Gedanken um unsere Dasein? Dann beschäftige Dich mit den Kulturen und Religionen dieser Welt! Du machst Dir Gedanken über unsere Natur? Dann beschütze und respektiere sie! Vermeide Müll und unnötigen Stromverbrauch! Du machst Dir Gedanken darüber, was auf unserer Welt passiert? Dann gehe mit gutem Beispiel voran und zeige, dass es auch anders geht! Schwimme gegen den Strom!

Obst

Die Mischung macht’s

Gleichgesinnte finden

Egal was wir bisher auf unserer Reise erlebt oder unternommen haben, selbst der über 4000m hohe Rinjani war ein Witz gegen Suan Mokkh. Wenn man einmal das Gesamtpaket überstanden hat, dann ist man in erster Linie stolz und dankbar. Stolz darauf, dass man so lange durchgehalten hat. Dankbar dafür, dass man von 150 Gleichgesinnten unterstützt wurde.

Rinjani in Indonesien

Der über 4000m hohe Rinjani…

Rinjani

…war ein Witz gegen Suan Mokkh.

Am Ende bleibt es einem selbst überlassen, was man aus Suan Mokkh mitnehmen möchte. Manche nehmen nichts mit, weil sie nach ein paar Tagen abgebrochen haben. Aber auch das bleibt einem selbst überlassen. Manche machen nach Suan Mokkh genauso weiter wie zuvor. Manche bleiben mehrere Monate und erfreuen sich der absoluten Ruhe in den 20 Tagen im Monat, in denen keine Meditationstouristen die Ruhe stören. Vielleicht ist sogar jemand dabei, der zum Mönch werden will.

Immer am Ball bleiben

Ich für meinen Teil möchte weder so weiter machen wie zuvor, noch zum Mönch werden. Aber ich möchte mich mehr um meinen Körper kümmern. Also mache ich jeden Tag Sport. Allerdings keine zwei Stunden. Ich möchte noch länger fit und gesund diesen wunderschönen Planeten bereisen. Ich möchte Berge besteigen ohne mich übergeben zu müssen. Ich möchte nicht wie mein Vater mit 52 Jahren an Lungenkrebs sterben. Also rauche ich nicht mehr. Ich werde weiterhin versuchen, so wenig Fleisch wie möglich zu essen, und esse Obst anstelle von Schokolade. Ich mache mir weiterhin Gedanken um mich und meine Umwelt. Ich versuche lokale Geschäfte und Produkte zu unterstützen und verzichte auf Produkte von Coca Cola und Nestlé.

Die Natur

Ich möchte mir auch in Zukunft unsere wunderschöne Natur ansehen können

Und weil gestern Muttertag war...

Und weil gestern Muttertag war…

Orchidee

…eine Orchidee für meine Mama.

Ich habe in Suan Mokkh gelernt zu verzichten und durchzuhalten. Einfach nur durch tiefes Ein- und Ausatmen. Wenn ich dann spüre, wie die Luft ungehindert durch meine Nase in meine Lunge strömt, weiss ich warum ich das mache. Breathe in, Breathe out.

Durch Meditation zum Nichtraucher werden (2)

Am nächsten Tag reisst mich das Läuten der Glocke wieder aus meinen Träumen. Im Laufe des Retreats werde ich lernen, dass man durch Meditation und durch ein Leben mit Verzichten auch Albträumen vorbeugen kann. Genau das werden wir bei diesem Retreat lernen. Wir werden lernen zu verzichten. Wir werden lernen, mit dem Nötigsten auszukommen. Durch Meditation zum Nichtraucher werden ist mein Ziel, und das werde ich weiterhin verfolgen.

Beschäftigung statt Rauchen

Ich würde jetzt schon gerne einmal mit Beatrice reden. Aber ich reiss mich zusammen, lächle sie an, bekomme ein Lächeln zurück und gehe weiter. Ich fülle meine Wasserfasche mit gefiltertem Regenwasser und gehe meinem streng geregeltem Alltag nach. Ich komme überhaupt nicht dazu, ans Rauchen zu denken, weil ich ständig beschäftigt bin. Anstatt ans Rauchen zu denken, denke ich über die Worte nach, die ich bei den täglichen Dhamma-Talks zu hören bekomme. Wieso soll man denn bitte auf Sex verzichten? Die Erfüllung des Lebens kann doch nicht sein, kein neues Leben zeugen zu dürfen. Oder vielleicht meint der Mönch mit Sex überhaupt nicht die Fortpflanzung. Ich weiss es nicht und kann auch niemanden fragen. Ich darf ja mit niemanden reden.

Also mache ich mir weiterhin meine Gedanken über diese skurrile Situation, in der ich mich befinde. Wie soll ich denn bitte in der Gegenwart leben, und mir keine Gedanken über meine Vergangenheit machen? Wie soll ich denn bitte in der Gegenwart leben, und mir keine Gedanken über meine Zukunft machen? Die Mönche haben leicht reden, denke ich mir und die Glocke läutet erneut.

Mein neuer Zimmergenosse

Beim Essen denke ich mir, warum macht der Kerl vor mir seinen Teller bis zum Rand voll mit Essen? Und in der anderen Hand hat er noch ein paar Scheiben Wassermelone. Bis zum zehnten Tag hat es gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass er sich für diese Aktion ganz schön geschämt hat. Während ich darauf warte, bis alle ihr Essen genommen haben und die Danksagung für das Essen vorgelesen wird, denke ich mir, warum der Kerl da drüben eigentlich schon isst. Warum uns ausdrücklich gesagt wurde, es wird erst die Danksagung für das Essen vorgelesen, bis alle anfangen zu essen. Bis zum zehnten Tag hat es gedauert, bis ich herausgefunden habe, warum er das getan hat. Ich sitze beim Essen und endlich wurde die Danksagung vorgelesen. Ich nehme meine Petersilie, meinen Dill und noch so anderes Grünzeug, was ich bis dato noch nie gesehen habe, und zupfe es langsam in meine Schüssel. Und ich denke mir, wie um alles in der Welt kann sich denn der Kerl jetzt schon seinen zweiten Nachtisch holen, wo ich noch nicht einmal einen Bissen zu mir genommen habe. Um das herauszufinden, musste ich jedoch nur zehn Minuten warten. Der Nachtisch war supersüß, lecker und natürlich schon längst alle, bis ich das geschnallt habe. Nachdem ich mein Geschirr abgespült habe, begebe ich mich zu den heißen Quellen. Das war das erste Mal, dass mich jemand angesprochen hat, und dass ich mit jemanden geredet habe. Ich musste mehrmals nachfragen, was er überhaupt von mir will, bis mein Gehirn dann den Sprachmodus auf ungarisch umgestellt hat. Redet mich in Thailand im Kloster ein Ungar an, der in China wohnt. Ab diesem Moment fühle ich mich ein wenig Daheim in diesem abgelegenem Kloster.

Suan Mokkh

Umgeben von Palmen

Umgeben von Palmen und in absoluter Stille genieße ich mein Bad in den heißen Quellen und freue mich, dass ich meinen Chore nur jeden zweiten Tag ausüben muss. Ich freue mich darüber, was für tolle Freunde ich habe, die mir den besten aller Jobs hier empfohlen haben. Danach gehe ich wieder zu den Schlafräumen, putze meine Zähne und wasche meine Wäsche. Von aussen öffne ich meine Fensterläden und mir bleibt vor Schreck fast mein Herz stehen. Im Inneren des Fensterladens sitzt ein über 20cm großer Gecko. Nachdem ich tief ein und ausgeatmet habe, stelle ich mich vor den Gecko und betrachte ihn von allen Seiten. Während ich mir denke, was für ein schönes Tier dieser Gecko auf meinem Fensterladen ist, verschwindet er durch mein Fenster in mein Zimmer. Ab diesem Moment habe ich mir keine Gedanken mehr über Ungeziefer in meinem Zimmer gemacht. Bis zum letzten Tag hat mich der Gecko vor Spinnen und anderen Insekten beschützt. Jeden Tag wenn ich vom Frühstück in mein Zimmer gegangen bin, hing der Gecko irgendwo in meinem Zimmer an der Decke oder an der Wand. Jedes Mal wenn ich nachts ins Bett gegangen bin, ist er verschwunden und hat zum Glück irgendwo anders seine GECKOO-GECKOO-GECKOOO-OOO Laute gemacht.

Mein Zimmergenosse

Mein neuer Zimmergenosse

Das Ziel im Auge behalten…

Ganze drei Tage haben Beatrice und ich es geschafft, nicht miteinander zu reden. Seit 17 Jahren reden wir immer miteinander. Am nächsten Tag gab es dann auch prompt eine Verwarnung einer Dame von der der Verwaltung. Keinen Plan, wie sie das mitbekommen haben, aber wenn wir das Retreat verlassen, dann aus eigener freier Entscheidung und nicht, weil wir drei Mal negativ aufgefallen sind. Wir reissen uns also die nächsten Tage zusammen, aber das wird von Tag zu Tag schwerer. Von Tag zu Tag sehe ich immer mehr leere Plätze in der Meditationshalle. Von Tag zu Tag sehe ich, wie immer mehr von denen verschwinden, mit denen ich vor ein paar Tagen noch eine Zigarette geraucht habe oder ein Bierchen trinken wollte. Aber egal wie, ich werde das durchstehen.

Ich werde das durchstehen, denke ich mir auch, nachdem ich am achten Tag kaum geschlafen habe. Ich glaube, ich habe mir beim morgendlichen Yoga eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen. Mein rechter Oberschenkel hat sich taub angefühlt und eiskalt zugleich. Egal, ob ich auf dem Rücken, dem Bauch oder auf der Seite gelegen bin, nichts hat geholfen. Ich weiss nicht wie ich das durchgestanden habe, denn auch die letzten beiden Nächte habe ich nicht schlafen können. Sehnsüchtig habe ich auf das Läuten der Glocke um 4:00 Uhr morgens gewartet. Und einmal habe ich es sogar geschafft, vor dem Chinesen vorne in der ersten Reihe auf meinem Platz in der Meditationshalle zu sitzen und im Schneidersitz meditierend darauf zu warten, bis die restlichen 130 Teilnehmer auf ihren Plätzen sitzen. Und langsam merke ich, wie der andere Peter in mir zum Vorschein kommt. Ich werde zickig und störrisch, und wenn mich jemand anlächelt, dann lächele ich nicht zurück, sondern schau besonders grimmig drein. Dabei fällt mir gar nicht auf, dass ich in diesem Moment einer von denen werde, über deren Verhalten ich mich all die Tage zuvor gedanklich aufgeregt habe. Erst Tage später wird mir klar werden, dass im Retreat in Suan Mokkh 150 Peters waren. Der Peter, der seinen Teller nicht voll genug bekommt. Der Peter, der nachts schnarcht. Der Peter, der lieber in den heißen Quellen schwimmt anstatt zu meditieren. Der Peter, der früher abgehauen ist. Der Peter, der einmal geraucht hat. Letztendlich ist es aber so wie es uns der Mönch bei meiner Lieblingsveranstaltung erzählt hat: Mache Dir keine Gedanken über die Vergangenheit. Mache Dir keine Gedanken über die Zukunft. Lebe in der Gegenwart. Du kannst in jedem Augenblick Dein altes Ich hinter Dir lassen und ein neues Leben beginnen. Du kannst in jedem Augenblick Dein altes Ich hinter Dir lassen und ein neuer Mensch werden.

Nichtraucher werden

Das Ziel im Auge behalten und nicht vom Weg abkommen

…jeden Tag aufs Neue

Auf jeden Fall macht es keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, warum irgend jemand, irgend etwas macht. Wenn man das einmal verstanden hat, dann versteht man auch, dass es keinen Sinn macht sich darüber Gedanken zu machen, was andere Menschen über einen selbst Denken.

Darum habe ich mein altes Ich hinter mir gelassen und ein neues, gesünderes, bewussteres Leben begonnen. Ich mache mir keine Gedanken mehr darüber, ob ich mit einer Zigarette im Mund cool aussehe, sondern frage mich, ob das gut für meinen Körper ist. Ich mache mir keine Gedanken mehr darüber wie verdammt gut so eine Coca Cola schmeckt, sondern frage mich, ob das gut für meinen Körper ist. Ich mache mir keine Gedanken darüber, ob ich morgen immer noch keine Cocal Cola trinken werde, oder ob ich morgen immer noch Nichtraucher bin. Ich muss mich in jedem Augenblick daran erinnern, dass ich ein neuer Mensch sein möchte. Ich muss mich bei jedem Gang in ein Geschäft daran erinnern, dass ich mir keine Coca Cola und Nestlé Produkte mehr kaufen werde. Ich muss bei jedem Schokoriegel, den ich im Regal sehe, feststellen, dass irgendwie alles von Nestlé ist. Ich atme dann tief ein und tief aus, drehe mich um und fühle mich gut.

Gesund leben

Diese Produkte sind garantiert nicht von Coca Cola oder Nestlé

Durch Meditation zum Nichtraucher werden

Schon abgefahren wie ruhig es hier auf einmal ist. Ich verzichte sogar darauf, meine elektrische Zahnbürste zu benutzen. Also nicht die Zahnbürste im Allgemeinen, sondern ich schalte sie nicht ein – zu laut. Und selbst wenn ich sie einschalten würde, aufladen kann ich sie sowieso nicht. Es gibt keinen Strom und wir sollten im Idealfall nur noch unsere Kleidung und Hygieneartikel auf dem Zimmer haben. Ich für meinen Teil ziehe das voll durch. Kein Stift, kein Papier, keine Bücher, kein iPhone, kein Getränkesirup, keine Snacks und vor allem keine Zigaretten. Ich werde durch Meditation zum Nichtraucher werden!

Wenn ich schreibe, dass wir keinen Strom haben, dann ist das nicht 100% richtig. Denn abends von 18:00 Uhr bis 21:30 Uhr und morgens von 4:00 Uhr bis 4:30 Uhr haben wir Licht in unseren Unterkünften. Darüber hinaus hat jeder Teilnehmer eine Laterne und ein paar Kerzen auf seinem Zimmer. Insgesamt gibt es vier Unterkünfte, zwei für Frauen und zwei für Männer. Am ersten Tag sind wir in etwa 150 Teilnehmer, wovon ziemlich genau die Hälfte davon Männer sind. Bis auf die nervige Musik, die in den Abendstunden irgendwo aus Dutzenden Kilometer Entfernung zu hören ist, höre ich nur Geckos, Eulen und Zikaden. Nachdem ich mein Zimmer nach Skorpionen, Tausendfüßlern und Schlangen abgesucht habe, lege ich mich unter mein Moskitonetz. Während sich mein Kopf langsam in Richtung Holzkopfkissen bewegt, denke ich Juhu – seit fünf Stunden keine Zigarette mehr geraucht. Nachdem mein Kopf das Holzkopfkissen berührt, schlafe ich ein.

Darüber, dass man am nächsten Tag um 4:00 Uhr aufstehen muss, braucht man sich keine Gedanken machen. Jedes Mal, wenn man die Beschäftigung wechselt, ertönt eine Glocke. Das kann man unmöglich überhören. Von jetzt an wird das, was ich gerade mache, die nächsten zehn Tage lang, am folgenden Tag wieder genauso gemacht. Ich stehe auf und hänge mein Moskitonetz nach oben. Ich gehe auf die Toilette und wasche mich kurz. Ab dem ersten Glockenschlag haben wir 30 Minuten, um auf unseren Plätzen zu sitzen. Meine Zähne putze ich nicht, da ich nichts gegessen habe und sowieso mit niemanden reden darf.

Die große Glocke

Die große Glocke kann man nicht überhören

Pünktlich um 4:30 Uhr sitzt jeder der 150 Teilnehmer auf einem Kissen, Schemel oder Deckchen in der Meditationshalle. Ganz vorne in der Meditationshalle befindet sich ein Podest, auf dem jeden morgen ein anderer Teilnehmer eine Morgenlesung hält. Die Morgenlesung dauert 15 Minuten.

Danach wird drei Mal ein kleines Glöckchen geläutet und um 4:45 Uhr beginnt dann die Sitzmediation. Nach endlosen 30 Minuten wird das kleine Glöckchen wieder drei Mal geläutet. Mir tun jetzt schon alle Knochen weh und weil das noch nicht reicht, müssen wir jetzt zum Morgensport.

Getrennt von den Frauen gehen wir um 5:15 Uhr zu einer weiteren Halle, in der wir 50 Minuten Yoga und im Anschluss 50 Minuten Thai Chi machen. In den nächsten zehn Tagen möchte uns unser Lehrer 16 Thai Chi Schritte beibringen, aber momentan muss ich aufpassen, dass ich nicht über meine eigenen Beine stolpere. Wir wiederholen die Bewegungsabläufe wieder und wieder.

Um exakt 7:00 Uhr ertönt die Glocke erneut. Wir treffen uns alle wieder in der Meditationshalle. Dieses Mal sitzt auf dem Podest ein Mönch. Fast eine Stunde lang hält er einen Monolog über Suan Mokkh, Meditation und Happyness (dem Streben nach Glück).

Um 8:00 Uhr werden für die nächsten zwei Stunden die Schlafräume wieder aufgesperrt und es gibt endlich Frühstück. Reissuppe, mir größtenteils unbekanntes Grünzeug und recht hässliche Bananen. Nachdem man die Schale entfernt hat, waren die Bananen allerdings sehr gut. Es sind nun mal die inneren Werte, die zählen. Nachdem ich mein Geschirr abgespült habe, begebe ich mich zu den Hot Springs und beginne meiner täglichen Aufgabe nachzukommen. Ich fische die Blätter aus der heissen Quelle und schrubbe die Treppe zum Becken. Nachdem ich sowieso schon fast 20 Minuten im heissen Becken herumgehe und schrubbe, halte ich es, nachdem ich meine Aufgabe erledigt habe, nicht mehr länger in den Hot Springs aus. Gleichzeitig fühlen sich meine Knochen und Muskeln wieder etwas entspannter. Solange die Schlafräume aufgesperrt sind, gibt es keine offiziellen Termine. Was man in dieser Zeit macht, bleibt einem selbst überlassen. Für mich heisst das, den Fensterladen meines Zimmers aufmachen, duschen, Zähne putzen, Wäsche waschen und Nickerchen machen bis die Glocke wieder ertönt.

Um 10:00 Uhr versammeln sich alle Teilnehmer wieder in der Meditationshalle. Dieses Mal sitzt mein Yoga Lehrer auf dem Podest und nach einer kurzen Einleitung seinerseits, beginnen wir einer CD zu lauschen. Ein ehemaliger Teilnehmer aus Suan Mokkh, der in der Zwischenzeit Mönch ist und in den USA ebenfalls ein Kloster wie Suan Mokkh leitet, erzählt auf dieser CD über den Buddhismus und vieles mehr. Die CD wurde aber wahrscheinlich in einem Hühnerstall aufgenommen. Die Tonqualität ist furchtbar schlecht und im Hintergrund gackern ständig Hühner und es krähen Hähne. Egal, denke ich mir. Versuch dich auf die Stimme zu konzentrieren.

Nachdem der erste Teil der CD zu Ende war, gab es eine kurze Beschreibung dessen, was uns als Nächstes erwarten wird. Von 11:00 Uhr bis 11:45 Uhr werden wir im Gehen meditieren. Einatmen, Fuß anheben, nach vorne bewegen, ausatmen während man den Fuß wieder ablegt und sich nach vorne bewegt. Dann wieder einatmen, Fuß anheben, nach vorne bewegen, ausatmen während man den Fuß wieder ablegt und sich nach vorne bewegt. Das Ganze gibt es in der Drei- und Fünftschritt Variante.

Der Glockenschlag um 11:45 Uhr reisst mich aus meiner Schrittfolge und wir müssen wieder alle in die Meditationshalle gehen. Die nächsten 45 Minuten sitzen wir im Schneidersitz wie eine Pyramide und atmen ein und atmen aus. Wir versuchen zu spüren, wie die Luft in unseren Körper strömt, und wie sie nach einer kurzen Pause wieder ausströmt. Wir suchen die Stelle an unserer Nase, an der wir den Luftstrom spüren. Wir atmen ein und atmen aus und nach 20 oder 30 Minuten sind meine Beine eingeschlafen, ich muss mich eher darauf konzentrieren gerade zu sitzen, als das ich irgendwelche Luftströme spüre. Mein Rücken tut weh und ich stehe auf. Ich schaue mich um und bin ein wenig erleichtert, dass ich nicht der Einzige bin, der mittlerweile aufgestanden ist. Ich atme tief ein und atme tief aus, und nach ein paar Minuten setze ich mich wieder in den Schneidersitz, und bin endlos glücklich, nachdem ich das kleine Glöckchen wieder drei Mal klingeln höre.

Zwischen 12:30 Uhr und 14:30 Uhr sind die Schlafräume wieder geöffnet und es gibt Mittagessen. Es gibt Reis und zwei verschiedene vegetarische Gerichte zur Auswahl sowie das mir mittlerweile vom Frühstück bekannte Grünzeug. Daneben steht noch ein Schild mit der Aufschrift: Only a few each, welches für die Schale mit in Scheiben geschnittenen Wassermelonen aufgestellt wurde. Ups, jetzt habe ich zu weit vor gegriffen, denn am ersten Tag habe ich nur das Schild gesehen und mich gefragt, was wohl in der Schale gewesen sein mag. Meine Freizeitgestaltung in der Mittagshitze beschränkt sich auf Abspülen, Zähne putzen und Nickerchen machen.

Gefiltertes Regenwasser

Zu trinken gibt es gefiltertes Regenwasser zum selber Zapfen

Der Glockenschlag um 14:30 Uhr reisst mich aus meinen Träumen. Die nächste Stunde werden wir uns in der Meditationshalle den nächsten Teil der CD anhören. Davor gibt es wieder eine kleine Geschichte von unserem Yoga Lehrer, der vorne im Schneidersitz auf dem Podest sitzt. Die CD dauert nicht ganz eine Stunde, also meditieren wir bis das kleine Glöckchen wieder drei Mal erklingt.

Um 15:30 Uhr verteilen sich die Teilnehmer wieder an ihre Lieblingsorte für die Meditation im Gehen. Exakt eine Stunde dauert es, bis die Schläge der großen Glocke über das gesamte Gelände erklingen. Wir machen uns alle wieder auf zur Meditationshalle und nehmen unsere Plätze ein.

Es ist 16:15 Uhr und das heisst, dass wir erneut im Schneidersitz meditieren. Auf dem Podest vor uns sitzt ein freiwilliger Helfer, der uns verschiedene Sitzmöglichkeiten erklärt und zeigt. Die nächsten 45 Minuten spüren wir wieder wie die Luft in unseren Körper strömt, und wie sie nach einer kurzen Pause wieder ausströmt. Wieder schlafen meine Beine ein aber eigentlich tut mir die Schulter weh. Als das kleine Glöckchen wieder drei Mal ertönt, sitze ich mit geschlossenen Augen im Schneidersitz am Boden und versuche meinen Rücken gerade zu halten.

Die nächste Stunde von 17:00 Uhr bis 18:00 Uhr ist die beste Zeit des ganzen Tages gewesen und nannte sich Chanting. Nachdem dort buddhistische Gesänge angestimmt werden, ist das Chanting keine Pflichtveranstaltung. Ich für meinen Teil habe zwar an der Veranstaltung teilgenommen, habe aber nicht mitgesungen. Stattdessen habe ich nur den Worten der Mönche zwischen den Gesängen gelauscht. Weise Worte, schlaue Worte und Worte zum Nachdenken, aber vor allem witzige Worte. Man habe ich mich köstlich amüsiert dabei. Nach einer halben Stunden wurde aufgehört zu singen. Dann kam ein weiterer, junger Mönch. An seinem Akzent höre ich, dass er aus Russland kommt, und seine Geschichten und wie er sie erzählt, ist das Highlight des Tages. Schon alleine wie er uns begrüßt. Good afternoon, good friends. Sehr sympathisch. Die letzten Minuten setzen wir uns wieder in den Schneidersitz und gehen in uns. Wir spüren die Liebe und senden die Liebe in uns an unsere Nachbarn, verteilen sie auf ganz Suan Mokkh, auf Surat Thani, auf Thailand, auf Asien, auf die Welt, auf das ganze Universum. Mitten drin, als wir gerade all unsere Liebe im gesamten Universum verteilen, ertönt der Schlag der großen Glocke.

Beste Zeit des Tages

Hier verbringen wir die beste Zeit des Tages

18:00 Uhr war gleich darin, wenn nicht sogar ebenbürtig, wenn es darum geht, die beste Zeit des ganzen Tages gewesen zu sein. Denn um 18:00 Uhr werden die Schlafräume wieder aufgesperrt und es gibt heissen Kakao. Ich wusste gar nicht, dass man 20 Minuten an einer einer warmen Tasse Kakao schlürfen kann. Danach heisst es wieder Abspülen, Zähne putzen, meinen Fensterladen schließen und ein Nickerchen machen.

Exakt um 19:30 Uhr reissen mich die Schläge der Glocke wieder aus dem Schlaf. Ich ziehe mir lange Kleidung an, trage Anti-Moskito-Zeug auf und gehe zur Meditationshalle. Yippie wieder 30 Minuten lang im Schneidersitz meditieren. Kurz bevor ich meine eingeschlafenen Füße ausstrecken möchte, höre ich, wie das kleine Glöckchen drei Mal ertönt. Ich bin verwundert, dass ich so lange ruhig sitzen konnte. Draussen vor der Meditationshalle hat sich in der Zwischenzeit eine Menschenkette gebildet.

Ich reihe mich in die Kette ein, und um 20:00 Uhr gehen Männer und Frauen getrennt voneinander meditierend um zwei der Seen, die sich auf dem Gelände von Suan Mokkh befinden. Jeweils vorne geht ein freiwilliger Helfer und gibt das Tempo vor. Nur an den Ecken des Sees sind große Kerzen aufgestellt. Der Mond leuchtet uns den Weg und beim Anblick des Sternenhimmels bin ich ein wenig traurig darüber, dass ich diesen romantischen Augenblick nicht Händchen haltend mit Beatrice verbringe.

Einmal um den See

Einmal um den See und nicht mehr als 1m Abstand zum Vordermann

Eine halbe Stunde brauchen wir ein Mal um den gesamten See. Um 20:30 Uhr setzen wir uns ein letztes Mal im Schneidersitz auf den Boden der Meditationshalle. Ich halte es einfach nicht mehr aus. Ich konzentriere mich immer mehr darauf, dass die Person auf dem Podest endlich das kleine Glöckchen drei Mal läutet.

Um 21:00 Uhr ist es endlich soweit. Die nächste halbe Stunde sind die Schlafräume wieder aufgesperrt. Die nächste halbe Stunde haben wir noch elektrisches Licht. Für mich bedeutet das, auf die Toilette gehen und mich kurz zu waschen. Ich sehe nach, ob unter meinem Bett eine Schlange ist, und schüttle meine Decke aus. Kein Skorpion oder Tausendfüßler zu sehen. Ich richte mein Moskitonetz wieder hin. Ich poliere kurz mein Holzkopfkissen, nachdem ich merke, dass ich es nicht ausschütteln muss. Ich lege mich auf meinen Rücken, schließe die Augen und frage mich: Was mache ich hier eigentlich? Dann fällt mir auf, dass ich den ganzen Tag nicht einmal das Bedürfnis danach hatte, eine Zigarette zu rauchen. Ich werde doch nicht etwa durch Meditation zum Nichtraucher werden?

Fünf Minuten vor 21:30 Uhr gehen die Lichter drei Mal kurz aus und wieder an. Fünf Minuten später gehen die Lichter für diesen Tag endgültig aus und die Schlafräume werden abgesperrt. Das alles bekomme ich aber gar nicht mit, denn ich befinde mich schon längst im Schlummerland.

Auf der Suche nach mir selbst

Bevor es in den Tempel geht, rauchen wir erst noch schnell eine Zigarette. Dann geht es rein in die Tempelanlage und ab zur Information. Dort erfahre ich, dass die Farangs (Thailändisch für „Menschen mit weisser Hautfarbe”) zum Suan Mokkh International Retreat Center müssen. Dieses befindet sich etwa zwei Kilometer vom Tempel entfernt.

Wer suchet, der findet

Gemeinsam mit Marc aus Freiburg, den ich bei der Information kennengelernt habe, gehen wir wieder zurück zur Hauptstrasse. Marc erzählt mir, dass er bei seiner Reise dieses Mal nur Workshops besucht und voll motiviert ist, die zehn Tage durchzuziehen. Er hat sich vor ein paar Monaten von seiner Lebenspartnerin getrennt und ist nun irgendwie hier gelandet. Vor dem Tempel angekommen, stellen wir fest, wie klein die Welt doch ist. Vor dem Tempel steht Petra, die ehemalige Lebenspartnerin von Marc. Bevor wir uns alle auf den Weg zum Tempel machen, wollen wir natürlich noch ein Bier trinken gehen. Auch wenn ich die letzten Monate sowieso kein Bier getrunken habe, schon alleine der Gedanke daran, zehn Tage lang darauf verzichten zu müssen, lässt das Verlangen nach einem kühlen Blonden stark ansteigen. Zu unserem Bedauern finden wir in der gesamten Umgebung kein Geschäft, bei dem wir unser letztes Bier kaufen können. Immerhin habe ich noch eine Schachtel Zigaretten, die ich mit meinen neuen Freunden teilen kann.

Fußmarsch zum Retreat Center

Zu Fuß machen wir uns auf den Weg zum Suan Mokkh International Retreat Center. In netter Gesellschaft sind zwei Kilometer Fußmarsch mit 25kg Gepäck ein Klacks. Beim Suan Mokkh International Retreat Center angekommen, werden wir von freiwilligen Helfern freundlich in Empfang genommen und bekommen ein Zimmer zugewiesen. Gemeinsam mit einigen anderen, die bereits vor uns am Suan Mokkh International Retreat Center angekommen sind, werden wir zu den Unterkünften gebracht. Durch ein großes Tor betreten wir das Gebäude. An der Front, sowie an beiden Seiten befinden sich Einzelzimmer, am hinteren Ende befindet sich der Waschraum. In der Mitte befindet sich eine Grünfläche mit einem großen Baum in der Mitte. An den Ecken sowie an der Hälfte der beiden Seiten befinden sich Wasserstellen zum Wäsche waschen.

Waschraum

Unser Waschraum. Duschen und warmes Wasser sucht man hier vergeblich

Ich wusste zwar bereits, dass ich in meinem Zimmer lediglich ein Holzkopfkissen haben werde, aber dass das Bett eigentlich nur eine betonierte Ebene zwischen den beiden Wänden ist, war mir neu. Ein Raum in dieser Unterkunft dient als Lager. Dort können wir ein Moskitonetz sowie eine Decke für unser Zimmer holen. Das war es auch schon mit Luxus. Fotos habe ich natürlich keine gemacht, denn nach diesem Schock muss ich zu allererst einmal eine Zigarette rauchen. In der Zwischenzeit ist es dunkel geworden. Morgen in der Früh beginnt die offizielle Anmeldeprozedur für den Meditationskurs und deshalb gehe ich schon relativ früh ins Bett. Erstaunlicherweise schlafe ich sehr gut auf dem Holzkissen. Wie das mit den Toiletten im Suan Mokkh International Retreat Center bzw. in Thailand bzw. in ganz Asien funktioniert, werde ich in einem anderen Blog beschreiben. Ich glaube, dass eine detaillierte Erklärung den Rahmen dieses ohnehin schon langen Blogs total sprengen würde.

Schritt 4: Die Anmeldeprozedur in Suan Mokkh überstehen

Also eigentlich ist die Anmeldeprozedur eine Sache von fünf Minuten. Ich habe es allerdings geschafft, die Anmeldeprozedur zeitlich auf fünf Stunden auszudehnen. Normalerweise nimmt man sich ein Anmeldeformular, füllt dieses aus und geht zum persönlichen Interview. Dort muss man erklären, warum man am Meditationskurs teilnehmen möchte. Danach muss man seine gesamten persönlichen Dinge an der Rezeption abgeben, und man bekommt sein Zimmer zugewiesen (wenn man nicht wie ich, schon einen Tag vorher angekommen ist). Wie gesagt normalerweise. Denn tief in mir drinnen wusste ich genau, was mich erwarten wird. Zehn Tage lang absoluter Verzicht auf alles. Zehn Tage lang absolutes Schweigen. Zehn Tage lang kein Internet, kein Strom, keine persönlichen Dinge, kein Luxus, keine Freundin und zehn Tage lang kein Kontakt zur Aussenwelt. Zehn Tage lang nur Reis essen, keine Zigaretten, keine Coca Cola, kein Bier und kein Fleisch. Zehn Tage lang leben wie ein Mönch. Zehn Tage lang leben in und mit der Natur. Zehn Tage lang den selben Tagesablauf folgen. Zehn Tage lang um 4.00 Uhr morgens aufstehen und um 21.30 Uhr ins Bett gehen. Zehn Tage lang 100% Konzentration auf Ein- und Ausatmen.

Warten auf ein Zeichen

Also diskutiere ich zuerst Stunden lang mit Beatrice und suche einen Grund, warum ich das Ganze in letzter Sekunde abbrechen kann. Ich bin mir bewusst, dass ich durch die Wahl meiner Worte so argumentieren kann, wie mir das gerade am Besten gefällt. Ich versuche Beatrice die Worte im Mund umzudrehen, um hier weg zu kommen, obwohl ich die gesamten Strapazen auf mich genommen haben, hier her zu kommen. Ich habe Angst davor, was ich beim persönlichen Interview erzählen soll. Ich habe Angst davor, die zehn Tage nicht durchzustehen und zu versagen. Alles was ich in diesem Moment weiss, ist die Tatsache, dass mir gesagt wurde: „Wenn Du Dich für einen Chore (Aufgabe/Job während des Aufenthalts) anmeldest, wähle den Chore zum Reinigen der Hotsprings. Wenn du zehn Stunden am Tag meditierst, wirst Du froh sein, Deine Muskeln im heissen Wasser entspannen zu können.“

Hotsprings

Der chilligste Job! Blätter in den Hotsprings einsammeln.

Egal wie lange ich mit Beatrice diskutiert habe. Die Zeit verging und die Stunden liefen an uns vorbei. Toiletten putzen: Vergeben. Essensaal reinigen: Vergeben. Laub fegen: Vergeben. Fünf Stunden später waren so gut wie alle Chores vergeben. Und alle paar Minuten kam ein neuer Teilnehmer aus dem Nichts und hat sich in die Liste eingetragen. Am Ende war nach fünf Stunden Diskussion das Vorhandensein des Chores ein Zeichen für mich, das Anmeldeformular zu nehmen und zu sagen, warum ich hier im Suan Mokkh International Retreat Center bin. Ich bin auf der Suche nach mir selbst. Ich will aufhören zu rauchen und ich will nicht mehr in Tränen ausbrechen, wenn ich an meinen Vater denke.

Anmeldeprozedur

Schritt 4: Die Anmeldeprozedur in Suan Mokkh überstehen

The way the System functions

Ich fülle das Formular aus und gehe zum Interview. Der Mönch, der mir beim Interview gegenüber sitzt, hört mir aufmerksam zu. Dann erzählt er mir etwas darüber, dass ich auf mein Herz hören soll. Er erzählt mir etwas von einem System und das alles zusammenhängt. So wie unser Herz schlägt, so fühlen wir uns. Schlägt es schnell, so sind wir aufgeregt oder in Rage. Schlägt das Herz langsam, so sind wir ruhig und entspannt. Unser Herz weiss ganz genau, was es zu tun hat. Und egal, ob es schnell oder langsam schlägt, zwischen jedem Herzschlag macht das Herz eine Pause. Das Herz gönnt sich instinktiv eine Pause nach jedem Herzschlag, um das System Mensch am Leben zu erhalten.

Äh ja – klingt doch logisch oder? Nachdem ich jetzt überhaupt nicht mehr weiss, was los ist, gebe ich meine gesamten Besitztümer zusammen mit dem Anmeldeformular im Verwaltungsbüro ab. Um 16.00 Uhr gibt es eine Führung über das Gelände. Um 18.30 Uhr bekommen wir die letzten Informationen zu unserem Aufenthalt. Nachdem keiner der Teilnehmer eine Frage hat, beginnen wir um 19.00 Uhr noch am selben Tag mit dem Schweigen.

Visa Run von Ranong möglich

Langsam bin ich mit meinem Blog wieder auf dem Laufenden. Langsam schließt sich die Lücke zwischen den Bildern, die ich auf Facebook poste, sowie den Bildern die man hier im Blog sehen kann. Damit sich die Lücke noch ein wenig mehr schließen kann, heisst es den perfekten Plan einzuhalten.

Visa Run von Ranong möglich

Damit wir uns während unserem Aufenthalt in Suan Mokkh keine Gedanken über unser Visa machen müssen, haben wir am 30.März Koh Phayam verlassen. Gemeinsam mit Alex, den wir ebenfalls aus Bangkok kennen, sind wir mit dem Speedboat nach Ranong gefahren. Von Alex wissen wir, dass ein Visa Run von Ranong möglich ist. Er hat uns erklärt und gezeigt, wohin wir für unseren Visa Run gehen müssen, bevor er in einem Sammeltaxi verschwunden ist.

Abfahrt von Koh Phayam

Abfahrt von Koh Phayam mit dem Speedboat (350 Baht pro Person pro Fahrt)

Ankunft mit dem Speedboat

Ankunft in Ranong mit dem Speedboat

Bevor Alex im roten Sammeltaxi verschwindet...

Bevor Alex im roten Sammeltaxi verschwindet…

Da geht es lang

…zeigt er uns noch den Weg zum Visa Pear.

Seitdem wir in Asien sind, habe ich schon viele Geschichten über Visa Runs gehört und gelesen. Wahrscheinlich ändert sich zur Zeit so vieles, dass jede Geschichte zu irgendeinem Zeitpunkt vielleicht wahr gewesen ist. Ich persönlich kann auf jeden Fall mit 100% Sicherheit sagen, dass ich am 30.März 2015 einen Visa Run von Ranong nach Myanmar / Burma gemacht habe.

Schritt 2: Visa Run von Ranong nach Myanmar

Ankunft am Pier: Zwei Leute stehen bei der Grenzstelle vor mir. Als Aussenstehender könnte man diese Grenzstelle vielleicht auch mit einem Ticketschalter verwechseln. Aber nach ein paar Minuten erhalte ich an dem Schalter einen Ausreisestempel in meinen Reisepass.

Das Visa Pear in Ranong

Das Visa Pear in Ranong, rechts geht es zur…

Einreise und Ausreise

…Einreise und Ausreise, gerade aus weiter stehen die Boote bereit.

Während wir zu den Booten gehen, handeln wir 100 Baht für die Hin- und Rückfahrt nach Myanmar pro Person aus. Nachdem das Boot voll mit Passagieren ist, geht es los. Nach 5 Minuten ein kurzer Stopp an einer Insel. Ein Bootsgehilfe läuft mit einem Stapel Reisepässe zu der kleinen Hütte auf der Insel. Nach ein paar Minuten kommt er mitsamt den Ausweisen wieder zurück und wir fahren mit dem Boot nach Myanmar. Das dauert in etwa 15 Minuten. Wir steigen aus dem Boot aus, gehen an Dutzenden Duty Free Shops vorbei in eine klimatisierte Hütte. Dort bezahlen wir 10US$ für unser Visa, bekommen einen Einreisestempel und wir gehen wieder zurück zu unserem Boot. Auf dem Rückweg wieder das selbe Spiel. Fünf Minuten Bootsfahrt zu einer kleiner Insel. Dieses Mal muss jeder dem Bootsgehilfen seinen Reisepass geben. Auch dieses mal kommt er nach ein paar Minuten mitsamt den Ausweisen inklusive Ausreisestempel wieder zurück. Auf dem Rückweg nach Thailand bleiben wir auf etwa halber Strecke noch einmal stehen. An einer Insel die nicht größer ist als ein Fußballfeld machen wir Halt. Auf der Insel steht ein Zelt. Darunter sitzen fünf thailändische Militärs im Schatten. Der Bootsgehilfe läuft zu dem Zelt und redet kurz mit den Militärs, danach legen wir auch schon wieder ab. Kurze Zeit später legen wir in Ranong an. Am Einreiseschalter der Grenzstelle bekommen wir ein Thailand Visa gültig bis 28.April.

Die ganze Aktion hat nicht mal eine Stunde gedauert. Worauf man auf jeden Fall achten sollte ist, dass man einen glatten, knitter- und knickfreien 10 US$ Schein für das Myanmar Visa dabei hat. Die Fotokopie des Ausweises, die wir vor der Überfahrt nach Myanmar gemacht haben, haben wir nicht benötigt.

Schritt 3: Mit dem Bus nach Suan Mokkh

Nachdem wir unsern neuen Stempel im Reisepass haben, geht es mit dem Sammeltaxi zur Busstation nach Ranong. Kurze Zeit später steht der Bus nach Surat Thani zur Abfahrt bereit. Das nenne ich perfektes Timing. Das Ticket für die Fahrt kaufen wir im Bus und dem Ticketverkäufer sagen wir, dass wir nach Suan Mokkh wollen. Über vier Stunden quält sich der Bus über Berge und Kurven, bis wir endlich am Kloster angekommen sind. Zwischendurch habe ich gedacht, wir müssen aussteigen und schieben helfen, so langsam ging es teilweise voran. Mitten auf der Autobahn bleibt der Bus stehen und der Ticketverkäufer winkt uns zu. Anscheinend sind wir angekommen.

So, da sind wir also. Ist doch bisher alles wunderbar nach Plan verlaufen. Man kann sich jetzt höchstens noch denken: Warum um alles in der Welt wollten die beiden denn überhaupt in ein Kloster?

Als wir damals unsere Asienreise angetreten haben, haben wir uns vorgenommen auf einer Farm zu arbeiten. Wir wollten mit Tieren arbeiten und wir wollten als Informatiker arbeiten. Wir wollten aussergewöhnliche Sachen machen und die Kultur der Länder besser verstehen. Wir wollten bei Einheimischen wohnen und wir wollten wie die Einheimischen leben.

Vor ein paar Monaten sind wir in Bangkok mit ein paar Mitbewohnern zusammengesessen und sind irgendwie auf das Thema Meditieren gekommen. Ein Mitbewohner ist vor ein paar Tagen erst von Suan Mokkh zurückgekommen und er strahlte über beide Ohren. Sein Kommentar war lediglich: „Absolut geil“. Dann schlürfte er wieder grinsend an seinem Mate Tee. Während der letzten Monate hatten wir genug Zeit, uns über Suan Mokkh, Meditation, Buddhismus, Vipassana und über uns selbst Gedanken zu machen. Wir wollen die Möglichkeit nutzen, etwas über die Kultur Thailands zu lernen. Wir werden lernen einen geregelten Lebensablauf zu folgen. Wir werden lernen zu verzichten. Wir werden auf einem Steinbett und einem Holzkissen schlafen. Wir werden zehn Tage lang nicht sprechen und zehn Stunden am Tag Meditieren.

Wir stehen vor einem Zeitproblem

Fantastisch! Die Hütte steht noch und die Arbeit an meinen Apps und meiner Webseite wird weniger. Wir stehen vor einem Zeitproblem, denn am 30. März wollen wir in Suan Mokkh in Surat Thani sein.

Eins nach dem anderen

Welche Hütte? Die Hütte auf die wir letzte Woche aufgepasst haben! Auch wenn man auf so einer Reise ab und zu mit dem Gedanken spielt, ein Guesthouse zu eröffnen, so sollte man sich das wirklich ganz genau überlegen. Wir haben in dieser Woche nur einen Bruchteil von dem gemacht, was unser Freund dort täglich macht. Viele Dinge werden zwar zur Routine, aber irgend etwas ist immer los. Mal gehen die Getränke aus, mal sitzt ein Japaner mitten in der Nacht im Wohnzimmer. Manchmal wird Abends gekocht, und irgendwo ist immer irgendjemand, von dem ich mich vom Arbeiten abhalten lasse.

Schritt für Schritt

Arbeit an meinen Apps und meiner Webseite? Um die Verkäufe meiner Apps sowie den Erlös durch Werbeeinnahmen zu steigern, arbeite ich seit kurzem mit einer angeblichen Marketing Expertin zusammen. Ich habe die Frau noch nie gesehen. Wir haben lediglich über Skype Kontakt. Sie sagt mir was ich alles ändern muss. Ich ändere alles. Webseiten Design, Meta Tags, Keywords, Deadlinks, Content Seiten, Links, Pages und URL’s. Ich nehme Einstellungen an Google Analytics, Webmaster Tools und meiner Webseite vor, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt. Ich schreibe Content um Backlinks zu erzeugen und nebenbei schreibe ich auch noch an einer neuen App.

Der perfekte Plan

Wir stehen vor einem Zeitproblem? Es ist auf jeden Fall so, dass man als Deutscher bei der Einreise von Kambodscha nach Thailand über den Landweg, vier Wochen Visa erhält. Das bedeutet für uns, unser Visa läuft am 10. April aus. Unser Zeitproblem besteht darin, dass unser Aufenthalt in Suan Mokkh erst am 11.April enden wird. Um unsere Asienreise mit ein paar ruhigen und entspannten Tagen ausklingen zu lassen, um unsere Eindrücke der letzten acht Monate Revue passieren zu lassen, um uns von Suan Mokkh zu erholen, um uns ein wenig auf Australien vorzubereiten und weil uns gesagt wurde, von Phuket kann man günstig nach Perth fliegen, haben wir uns folgenden Plan ausgedacht:

  • Nach Koh Phayam fahren um herauszufinden, ob es uns dort gefällt
  • Am 30. März einen Visa Run nach Myanmar machen, um bis einschließlich 28.April Visa zu haben
  • Mit dem Bus nach Suan Mokkh fahren
  • Am 31. März in Suan Mokkh die Anmeldeprozedur überstehen
  • Am 11. April wieder auf Koh Phayam sein, um uns von Suan Mokkh zu erholen
  • Mit dem Bus nach Phuket fahren
  • Ende April von Phuket nach Perth fliegen

Schritt 1: Nach Koh Phayam fahren

Wie bereits erwähnt, wir stehen vor einem Zeitproblem! Keine Hektik! Wie der Thailänder gerne sagt: Easy! Eins nach dem anderen! Ich fahre die Scheuklappen hoch, und arbeite Schritt für Schritt meine Liste ab. Ich folge meinem mehr oder weniger perfekten Plan, und befinde mich plötzlich auf Koh Phayam. Nachdem wir schon vor der Ankunft gewusst haben, dass uns die Insel gefallen wird, haben wir Zeit gehabt das zu tun, was man tut, wenn einem ein Stück Land gefällt. Man vermisst den Grund!

Wir stehen vor einem Zeitproblem

Der erste Schritt lautet: Nach Ranong fahren

Koh Phayam

Von Ranong geht es weiter mit dem Slow Boat nach Koh Phayam…

Heimat des Hornbill

…der Heimat des Hornbill. Überall auf der Insel sieht man diese wunderbaren Vögel herum fliegen.

Koh Phayam hat uns gefallen

Koh Phayam hat uns so gut gefallen…

Land vermessen

…das wir das Land vermessen haben.