Auf zum Schichtvulkan Rinjani

So, dann wollen wir mal schauen, ob das mit dem Transport zum Schichtvulkan Rinjani so funktioniert wie versprochen. Wir machen uns, nachdem wir uns von den freundlichen Angestellten des Hotel „The Exile“ verabschiedet haben, auf zum Hafen von Gili Trawangan und zeigen unsere Tickets in die Luft. Das hat schon mal nicht funktioniert. Also rein ins Ticket Office und dort noch einmal die Tickets vorzeigen. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Veranstalter werden wir gebeten, uns ein Ticket für das Boot nach Lombok zu kaufen, wir würden das Geld bei der Ankunft wieder zurückbekommen. Auf die Frage, wann das Boot ablegt, bekommen wir die Antwort: “Wenn alle Sitzplätze belegt sind, geht es los. Vielleicht 10 oder 15 Minuten.” Nach einer halben Stunde sind alle freien Plätze verkauft, und wir verlassen schweren Herzens die Insel Gili Trawangan.

The Exile Crew

Wie immer mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht

Bye Bye Gili Trawangan

Es geht wieder zurück nach Lombok

Wir sitzen noch im Boot und haben noch gar nicht richtig angelegt, dann höre ich schon, wie jemand meinen Namen ruft und winkt. Wir werden freundlich empfangen, und es steht bereits eine Pferdekutsche für uns bereit, die uns wieder zu der Touristen Sammelstelle bringt. Auf Gili Trawangan haben wir mit einigen Leuten über die Bergtour gesprochen, und viele von ihnen haben sie bereis hinter sich. Wahnsinnig anstrengend soll der Aufstieg sein, wir sollten uns auf jeden Fall Power-Riegel oder Ähnliches besorgen, damit unsere Körper reichlich mit Energie versorgt werden. Da auf Gili Trawangan das Preisniveau etwas zu hoch ist, wollten wir diese Erledigungen in Lombok machen. Unsere Sonnencreme neigt sich ebenfalls dem Ende zu, und es wird Zeit für Nachschub.

Da wir die indonesische Gemütlichkeit schon teilweise übernommen haben, sind wir also erst am Nachmittag wieder in Lombok angekommen und haben uns nach einer Unterkunft informiert. Natürlich hatte der Veranstalter auch Zimmer in seiner Bergstation zu vermieten, angeblich sogar mir WiFi. Doch entweder waren kurz vor uns ein paar andere Blogger, welche das verfügbare Internetvolumen aufgebraucht haben dort, oder es gab irgendein Hardwareproblem. WiFi gab also nicht, aber dafür eine wunderschöne Aussicht und ich habe das erste mal in meinem Leben frei lebende Affen gesehen. Die Unterkunft hat im übrigen 200.000 Rupien, also etwa 13,50 EUR inklusive Frühstück für zwei Personen gekostet. Unser Geld, welches wir für die Bootsfahrt von Gili Trawangan nach Lombok ausgelegt haben, haben wir ebenfalls zurückbekommen.

Frei lebende Affen

Das erste Mal in meinem Leben sehe ich frei lebende Affen

Ein Affe direkt vor der Haustür

Was springt denn da von Ast zu Ast?

Schichtvulkan Rinjani

Langsam wird mir klar, worauf ich mich eingelassen habe

Ohne die geringste Ahnung zu haben, wie anstrengend der morgige Tag tatsächlich sein wird, haben wir uns in weiser Voraussicht zeitig ins Bett gelegt, um am nächsten Tag für die Besteigung des Schichtvulkans Rinjani topfit zu sein.

Gesagt, getan

Hier ist es einfach viel zu schön, um schon abzureisen. Eine Nacht mehr muss defi,nitiv drin’ sein, und es hat sich absolut gelohnt. Heute war ich wieder einmal so glücklich darüber, dass ich mir letztes Jahr meine Augen mit einer LASIK operieren lassen habe. Ohne diese Operation hätte ich heute nicht gesehen, was da ein oder zwei Meter unter mir durchgeschwommen ist. Denn heute war unser zweiter Tag an dem wir uns an das Schnorcheln gewagt haben. Wir haben beide zuvor noch nie geschnorchelt. Wir haben uns es zwar immer vorgenommen, und wir besitzen sogar seit ungefähr fünf Jahren eine Taucherbrille und Schnorchel. Jedoch haben wir sie bisher noch nie benutzt. Nachdem wir gestern an einer Stelle waren, an der man durch die Strömung stark abgetrieben wurde, haben wir uns in unserem Hotel erkundigt, wo man auf Gili Trawangan am besten Schnorcheln kann, und wo man nicht so stark abtreibt. Ganz in der Nähe der Hafenstation ist eine Stelle mit ein paar Korallenriffen, an der es kaum eine Strömung gibt. Man muss nur immer wieder auch mal nach oben schauen, weil dort ab und zu Boote vorbeifahren, die die unzähligen Taucher wieder zurück an Land bringen. Gleich neben dem Hotel führt ein Weg vorbei an ein paar Bauernhöfen und einem angelegten Palmenwald. Quer durch die Insel kann man so fernab von allen Touristen die Zweisamkeit genießen. Ausserdem haben wir ja bereits in der Schule gelernt, dass der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten eine Gerade ist. Wir haben uns also den Umweg über die Inselpromenade erspart und haben die Stille der Inselmitte genossen.

Vorbei an Bauernhöfen

Vorbei an Bauernhöfen

Ging es durch den angelegten Palmenwald

Ging es durch den angelegten Palmenwald

Kokosnüsse für die Touristen

Hier werden die Kokosnüsse für die Touristen angebaut

Einmal quer über die Insel

Einmal quer über die Insel

Zu starke Strömung für Schnorchelanfänger

Hier ist die Strömung für Tauchanfänger zu stark

Endlich am Strand angekommen haben wir unsere Schnorchel geschnappt und haben uns ins Wasser gestürzt. Nach ein paar Metern konnten wir uns auf den Bauch legen und den ersten Blick nach unten wagen. Und da waren sie, all die bunten Fische und Korallen, wie ich sie bisher nur aus dem Fernsehen kannte. Ich hätte nicht gedacht, dass diese mir bisher verschlossene Welt sich so nah am Strand befindet. Leuchtend blaue Fischlein sind nur wenige Meter um mich herum geschwommen. Die unterschiedlichsten Formen und Farben schwimmen an mir vorbei und nehmen mich wie selbstverständlich in ihre Umwelt auf. Fingerdicke, längliche weiße Fische mit schwarzen Rallyestreifen schwimmen an KFZ-Großen rosa schimmernden Korallen vorbei. Da ein Kugelfisch, dort ein Halterfisch, dann wieder eine mir völlig unbekannte Spezies. Nachdem wir uns dann zu einem weiteren Tauchgang aufgemacht haben, war ich überglücklich darüber, dass ich jetzt brillenlos bin. Denn wie wir uns die relativ kleinen Fische von vielleicht maximal 30 Zentimeter so ansehen, schwimmt plötzlich eine ca. ein Meter große Schildkröte direkt unter mir hindurch und lässt sich von der Strömung treiben. Ich konnte alles so klar und scharf erkennen, und die Freude darüber war verantwortlich dafür, dass ich trotz einer dichten Taucherbrille salziges Wasser in selbiger hatte.

Über meine anschließenden abendlichen Erlebnisse kann ich eigentlich nicht all zu viele Details berichten. Aber sie sind es auf jeden Fall wert, für einen besseren Eindruck von Indonesien erwähnt zu werden. Denn als ich gestern Abend meine Bilder auf den Blog geladen habe, ging zum einen für etwa eine viertel Stunde der Strom auf der gesamten Insel aus, und wieder einmal hatte ich kein Internet. Und kurz bevor ich ins Bett gehen wollte, machte es einen unbeschreiblich lauten Knall, gefolgt von einem einzigen heftigen Beben der Erde. Ein weiteres unbeschreibliches Naturschauspiel, bei dem ich allerdings froh darüber bin, dass es bei einem einzigen Beben geblieben ist.

Und auf einmal war der Strom aus

Und auf einmal war der Strom aus

Mal was neues Probieren

Diejenigen, die uns gut kennen, vor allem aber meine Lebenspartnerin Beatrice – werden mir niemals glauben, was hier passiert. Aber damit mir auch jeder glaubt, habe ich das ganze auf Fotos festgehalten. Wir sind jetzt bereits seit über 16 Jahren zusammen, um genau zu sein, seit dem 24.06.1998 und sie hat bisher noch nie eine Banane gegessen. Bananen schmecken ihr einfach nicht. Oft habe ich mich dabei erwischt, wie ich mich über sie lustig mache. Wenn wir z.B. mal ein Eis essen gehen, frage ich sie, ob sie auch eine Kugel Bananeneis möchte oder doch eine andere Sorte.

Bea isst eine Banane

Beatrice isst tatsächlich eine Banane

Beatrice schmeckt die Banane

Und es scheint ihr zu schmecken

Doch heute ist bereits der vierte aufeinanderfolgende Tag, an dem sie Bananen isst. Zwar keine ganze, aber drei bis vier Stücke schiebt sie sich genüsslich in den Mund. Ebenfalls auf der Obstplatte, die hier schlicht Obstsalat heisst, sind noch in Scheiben beschnitte Papayas, Ananas, Wassermelonen sowie ein paar Scheiben Limetten. Ihr müsst unbedingt einmal zuhause Limetten auf einer Wassermelone ausdrücken. Die Säure der Limette vermischt sich mit dem süßen Geschmack der Wassermelone. Wer wie ich auf Süß-Sauer steht, sollte diese Kombination unbedingt probieren. Ebenso völlig neu für mich war die Kombination von Ananas mit Meersalz. Ich salze normalerweise nicht einmal Tomaten oder meine Suppe, doch Salz auf Ananas kann ich persönlich empfehlen. Zumindest sollte man es einmal probiert haben.

Fruchtsalat mit Lemone

Und für die Ananas ein wenig Meersalz

Man kann auch einmal probieren, sich sportlich zu betätigen, ohne gleich viel Geld für ein Fitness Studio zu bezahlen. Die Veranda eignet sich hervorragend zum Liegestützen machen. Heute bin ich beim Umrunden der Insel an einem abgelegenen Ort stehen geblieben und habe mir zwei Ziegelsteine genommen, die hier überall herumliegen, da an jeder Ecke irgendetwas gebaut wird. Entschuldigung, aber Ecke ist nicht ganz richtig, denn es müsste heißen: An jeder Kurve. Ich nehmen die Steine in meine Hand und benutze sie als Hanteln. Später steigt man dann einfach um auf das, was auf dem nächsten Bild zu erkennen ist. Für meine Inselumrundung habe ich daher heute eine Stunde 27 Minuten gebraucht. Zum einen war Stau auf der Hauptstraße, und zum anderen habe ich mir dieses mal einfach mehr Zeit genommen.

Liegestützen

Die Veranda eignet sich hervorragend um Liegestützen zu machen

Bambusgerüst

Ein Turm nach dem anderen

Turmbau

Bevor etwas gebaut wird, muss erst das Gerüst gebaut werden

Hausbau

Um das Haus wird erstmal ein Gerüst gebaut

Baustelle

So sieht es an vielen Stellen aus

 

Stau auf Gili Trawangan

Stau auf Gili Trawangan

Stau auf Gili Trawangan

Zum Glück ist Nebensaison

Am Abend, als Rijals Hand vom vielen Trommeln bereits ein wenig weh tat, habe ich mich dann an seine Trommel gesetzt und probiert zu trommeln. Und auch in diesem Fall ist der Meister nicht vom Himmel gefallen. Ich trommle fürchterlich.

Ich beim trommeln

Was für ein schlechter Trommler

Und noch eine Sache habe ich gestern probiert, nämlich einen YouTube Kanal zu erstellen. Als ich dann gedacht habe, ich sei fertig, stand da: „Sie haben jetzt ihren Google+ Kanal erfolgreich konfiguriert.“ Also noch einmal Fotos erstellen und bearbeiten, sowie mitten in der Nacht doch noch ein Foto von meinem Auge machen, welches dann auch gleich als Icon für den Blog dient. Und weil ich gerade dabei war, habe ich auch gleich noch ein Icon für den Blog Fremdgesteuert erstellt. Seitdem ich dann endlich mein Video hochgeladen und freigeschaltet habe, bin ich stolzer Besitzer eines YouTube Kanals. Jetzt benötige ich für meine Videos keinen eigenen Webspace und besitze zwei weitere Kanäle, über die die Menschen unsere Blogs und iPhone und iPad Apps finden können.

YouTube Kanal erstellen

Was würde ich nur ohne Computer machen

Mein Tag auf Gili Trawangan

Nachdem ich gestern Abend noch lange Zeit über das Leben von Rijal nachgedacht habe, war ich mir immer noch nicht sicher, ob diese Art zu leben meine Erfüllung wäre. Doch auch wenn mir diese Art doch ein wenig zu extrem erscheint, kann ich mir zumindest ein Stück von seiner Ruhe und Gelassenheit abschneiden.

Zuhause in Deutschland habe ich vor lauter Stress es nicht einmal geschafft, täglich zu frühstücken. Nach einem langen Arbeitstag war ich froh, wenn ich endlich wieder zu Hause war. Sportliche Aktivitäten kamen viel zu kurz, denn gemütlich auf der Couch zu sitzen und mich von der Glotze berieseln zu lassen, war mein Alltag. Ich habe mir vor meine Reise vorgenommen, mir mehr Zeit zu nehmen für Dinge, die ich eigentlich gerne machen würde, aber nicht mache. Auf meiner Reise hat sich bisher herauskristallisiert, dass für mich der späte Abend die beste Zeit ist, mich um meinen Blog zu kümmern. Auch hier auf Gili Trawangan ist diese Zeit dafür die beste Zeit. Die Touristen haben den westlichen Teil der Insel verlassen und begeben sich Richtung Zentrum der Insel, wo das Nachtleben beginnt und es nach frischen Fisch und gegrilltem Mais riecht. Ich ziehe dann meinen dicken Pullover und eine lange Hose an, lege mich mit meinem Mac in eine der Hängematten, die hier überall zwischen den Bäumen hängen. Ich genieße das Rauschen des Meeres neben mir und schreibe über meinen gestrigen Tag.

Auf Richtung Zentrum

Die Menschen ziehen zurück Richtung Zentrum

Wenn ich morgens aufwache und Richtung Strand gehe, werde ich gefragt, was ich gerne frühstücken möchte, die Auswahl ist zwar relativ klein, aber egal welche Mahlzeit ich bisher zu mir genommen habe, alles war super lecker und ich bin ein echter Fan von Seespinat geworden. Das einzig Negative was ich persönlich zu bemängeln habe, ist die Tatsache, dass ich bisher jedes Mal nach einer extra Portion geschnittener Chilischoten fragen musste. Doch ich denke der Großteil der Touristen, die hier ihren Urlaub verbringt, ist froh darüber, dass die Speisen hier nicht so scharf sind. Alle meine Freunde haben mir erzählt, wie scharf das Essen hier in Indonesien ist, aber ich muss diese Orte anscheinend erst noch finden. Auf diesem Teil der Insel, sollte man es laut den Einheimischen ehr vermeiden, ins Meer zu gehen. Die Strömung sei zu dieser Jahreszeit zu stark, und gestern ist angeblich ein Taucher nicht mehr zurückgekommen. Ich muss es ja nicht unbedingt herausfordern. Ich genieße einfach nur den schönen Ausblick und lausche der Musik, die von der Bar aus auch am Strand zu hören ist. Auch das kostenlose WiFi funktioniert am Strand. Die Verbindung ist zwar auch hier nicht das Gelbe vom Ei, aber ich habe in Indonesien bereits sehr viel Schlimmeres erlebt. Ich kann meine E-Mails checken, mich über die nächsten Reiseziele informieren, oder auf Facebook verfolgen, wie vielen Leuten meinen gestriger Beitrag gefallen hat, und ob er auch geteilt wurde. Vielen Dank im Übrigen dafür.

Unsere Hütte

Hütte Nummer 1

Badezimmer

Dusche im Freien

Ausserdem habe ich mir vorgenommen, jeden Tag Sport zu treiben und Gewicht zu verlieren. Nach jedem Blog, den ich geschrieben habe, mache ich Liegestützen und falle dann ins Bett. Wenn man einen flotten Marsch hinlegt, kann man in einer Stunde um die gesamte Insel laufen. Während alle anderen mit ihren Fahrrädern an mir vorbeifahren, gehe ich in voller Montur einmal um die Insel. Bereits in Deutschland bin ich regelmäßig in der Sauna gewesen, aber mit einem dicken Pulli und langer Hose unter der 30°C heißen Sonne zur Mittagszeit zu marschieren, ist nicht mit einem Saunagang zu vergleichen. Wer jetzt denkt, das sei doch fürchterlich heiß und man würde einen Hitzschlag bekommen, den muss ich jetzt enttäuschen, denn durch den Schweiß bildet sich zwischen den verschiedenen Kleidungsschichten eine kühlende Schweißschicht. Exakt eine Stunde und 13 Minuten habe ich gebraucht, bis ich wieder an unserem Hotel angekommen bin. Ich stelle mich dann unter freien Himmel unter ein Bambusrohr, aus dem warmes Wasser kommt, mit dem ich mich dusche. Ich hänge meine völlig durchschwitzen Kleidungsstücke in der Sonne auf zum Trocknen auf. Und wenn sich dann gegen Abend alle auf zum Strand machen, die ersten Trommellaute ertönen und die Sonne langsam hinter der gegenüberliegenden Insel verschwindet, wird es Zeit sich die Kamera und die Sitzsäcke zu schnappen, und sich abermals auf zum Strand zu machen. Wenn dann ein paar Stunden später alle Touristen im Inselzentrum beim Feiern sind, suche ich mir wieder eine Hängematte und arbeite an meinem Blog.

Sonnenuntergang

Die Sonne verschwindet

Licht aus

Das Schattenspiel ist wirklich beeindruckend

Ein Tag auf Gili Trawangan

Je mehr man teilt, umso mehr besitzt man auch selber. Aus diesem Grund bin ich dankbar darüber, dass Martin mit mir seine Erfahrungen über diese Insel geteilt hat. Womöglich wären wir sonst wieder mitten im Partyviertel abgestiegen und wären am nächsten Tag gleich weiter gefahren. Natürlich habe ich Reiseführer gelesen, mir Impressionen von Google Maps geholt und mit so vielen Menschen wie nur möglich über unser Vorhaben geredet und mich ausgetauscht. Aber bei manchen Dingen bin ich immer noch wie ein kleines Kind. Ich muss erst selbst auf die rote Herdplatte fassen, damit ich weiss, dass sie heiß ist. Und ich hätte meinen Blog bestimmt nicht „Ich seh’ dann mal los“ genannt, wenn ich mir in Deutschland in einem Reisebüro eine Pauschalreise gebucht hätte. Einfach drauf los, und mit offenen Augen unseren Planeten erkunden. Mir ist klar, dass ich nicht der Erste bin der so eine Reise macht, gemacht hat, oder in Zukunft machen wird. Aber es ist was anderes, für ein paar Wochen Urlaub zu nehmen, nach Hause kommen zu müssen und während dieser Zeit eine finanzielle Doppelbelastung zu haben, oder ob man frei von jeglichen Verpflichtungen tun und lassen kann, worauf man gerade Lust hat. Mein sehr guter Freund Martin beschreibt diese Zeit immer mit den Worten: „Sich gepflegt langweilen“.

Was macht man also, wenn man sich wirklich um NICHTS Gedanken machen muss? Ich habe mich aus diesem Grund mit den Einheimischen unterhalten, die hier im Hotel arbeiten. Schnell habe ich herausgefunden, dass sie nicht nur hier arbeiten sondern auch leben. Natürlich wollte ich wissen, wo sie wohnen, denn wir Deutschen kennen das normalerweise so: Man steht morgens auf, fährt zu Arbeit, erledigt diese und fährt wieder nach Hause. Nachdem ich hier bisher nur ein Hotel neben dem anderen und bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht mehr von der Insel gesehen habe, als den Weg vom Hafen bis zu unserem Hotel, dachte ich, diae Häuser oder Wohnungen der Angestellten sind in der Mitte der Insel. Der selbe Indonesier, der gestern Abend mit weiteren Angestellten am Strand getrommelt hat, saß am Vormittag mit mir am Tisch und beantwortete meine Frage wie folgt: „Ach wo ich schlafe? Achja, manchmal hier, manchmal dort. Wir haben jetzt aber schon September und da ist es immer so windig, sonst würde er heute am Strand schlafen. Darum schlafe ich heute dort drüben.“ und zeigte auf die Hütte zu seiner rechten. Diese dient tagsüber den Touristen als Ort der Entspannung, an der man Speisen und Getränke zu sich nehmen kann. Als Windschutz hängen lediglich Strohrollos an den Wänden, die tagsüber geöffnet sind. Ich wollte wissen, wo er denn dann seine Sachen hat, denn wir deutschen kennen das normalerweise so: In der Küche hat man seinen Kühlschrank und das Geschirr, im Schlafzimmer steht das Bett und die Kleider hängen im Schrank. Im Wohnzimmer steht die Couch und der LED Fernseher hängt an der Dolby-Surround Anlage. Diesmal zeigte Rijal nach links, auf den Schrank, indem sauberes Besteck, Gewürze, ein paar Gesellschaftsspiele und eine Gitarre steht. Im obersten Regal lag ein etwa 50cm langer, im Durchmesser etwa 15cm kleiner, roter Sack. In diesem Sack befinden sich seine gesamten Besitztümer.

Bambushütte

Tagsüber eine Lounge, Nachts ein Schlafplatz

Roter Sack

Rijal braucht nicht viel für ein erfülltes Leben

Seit mehreren Jahren wohnt er bereits auf diese Art auf Gili Trawangan. Um Kleidung muss er sich keine Gedanken machen, denn ein frisch gewaschenes T-Shirt mit aufgedrucktem Hotel Logo bekommt er jeden Tag gestellt. Und wenn mal ein Gast seine Sandalen bei der Abreise vergisst, dann fährt er deswegen garantiert nicht mehr zurück. Manchmal verstehen sie die Gäste, die am Strand sitzen nicht richtig und bringen ihnen das falsche Gericht, oder die Person, welche das Essen bestellt hat, ist gar nicht mehr anwesend. An eine warme Mahlzeiten zu kommen ist also ebenfalls kein Problem für ihn. Kurz vor Sonnenuntergang muss er dann für ein paar Stunden Gas geben, denn da kommen die Touristen an den Strand und an die Bar, und er muss ein paar Cocktails mixen. Bevor das Spektakel dann los geht, holt Rijal die Trommeln aus einer Hütte und setzt sich an den Strand, um mit ein paar seiner Kollegen die Touristen zu unterhalten. Manchmal gesellt sich auch ein Nicht-Einheimischer dazu oder irgendjemand hat ein Didgeridoo. Nachdem das Naturschauspiel zu Ende ist und die Nacht langsam einbricht, verschwinden die Leute wieder, und Rijal bringt die Trommeln wieder zurück an ihren Platz. Kurz darauf werden die Lichter ausgemacht und er begibt sich an seinen Schlafplatz, wo er dann noch ein paar Stunden gemeinsam mit seinen Kollegen zusammensitzt, bevor auch dort die Lichter ausgehen. So läuft das hier jeden Tag.

Die Trommeln sind bereit

Die Trommeln sind bereit

Postkartenidylle

Spätestens jetzt sind alle Plätze am Strand belegt

Naturschauspiel

Und alles konzentriert sich auf die nächsten paar Minuten

Und während ich noch darüber nachdenke, ob sich Rijal auch um NICHTS Gedanken machen muss, fällt mir auf, dass es mir gut tut, meine Gedanken schweifen zu lassen und einmal über andere Menschen nachzudenken, und nicht nur ständig an mich selbst zu denken.

Der Urlaub kann beginnen

Das war doch bisher ein gelungener Einstand in den wohlverdienten Urlaub. Nachdem wir uns die ersten Tage auf Bintan langsam an die indonesischen Gepflogenheiten gewöhnen konnten, ging es anschließend für einen guten Zweck nach Mataram. Da uns Sabri geholfen hat, dass Youth Hostel ausfindig zu machen und für uns alles so reibungslos und sogar kostenlos organisiert hat, haben wir bei ihm einen Transfer nach Gili Trawangan gebucht, ohne mit ihm zu verhandeln. Er verlangte 110.000 Rupien pro Person, also zusammen knapp 15 EUR. Pünktlich auf die Minute stand der Fahrer morgens um 8.00 Uhr vor unserem Hotel und hat uns nach Sengigi gefahren. Sengigi ist eine kleine Hafenstadt auf Lombok, und von dort aus wird alles auf die in der Nähe liegenden Inseln gebracht. Auf dem Weg von Mataram nach Sengigi mussten wir noch einen Zwischenstopp einlegen, um ein weiteres Pärchen mitzunehmen. Da diese auch deutsch gesprochen haben, sind wir schnell ins Gespräch gekommen und es stellte sich heraus, dass sie ebenfalls aus München kommen. Wie klein doch die Welt ist.

Mataram

Es sieht nur so aus, als wäre hier nichts los

Einheimer Laden

Ein typischer Laden in Mataram

Wir wären nicht in Indonesien, wenn wir anschließend direkt zum Hafen gebracht worden wären. Nein, es ging zuerst zu einer, ich nenne es jetzt mal Sammelstelle für Touristen. Ein Ort, an dem man sich gemütlich ausruhen, eine Kleinigkeit essen, sowie etwas trinken konnte. Wir haben noch nichtmal unsere Getränke bekommen, da kam schon ein, sagen wir mal, Reiseveranstalter an unseren Tisch und stellte sich uns mit Ali vor. Wo geht es denn hin, wie kann ich euch helfen? Wir erzählten ihm, dass wir jetzt nach Gili Trawangan wollen und anschließend wieder zurück nach Lombok wollen, um den Vulkan zu sehen – schwups – holte er ein in Folie verschweißtes Blatt Papier hervor. Er präsentierte uns eine dreitägige Tour mit Übernachtungen, Verpflegung und allem drum und dran. Auch unser Gepäck müssen wir nicht selber den Vulkan hoch tragen. Stolze 1.750.000 Rupien also 100 EUR verlangt er pro Person.

Touristen Sammelstellte

Touristen Sammelstelle

Glücklicherweise haben wir tags zuvor mitbekommen, dass Fred genau die selbe Tour gebucht hat und nur 1.200.000 Rupien bezahlt. Nachdem ich das mit dem Handeln aber anscheinend nicht so gut drauf habe, konnte ich den Preis lediglich um 15% herunterhandeln. Ich denke, wenn wir das erste mal so eine Tour machen, sollten wir uns das zuerst einmal auf diese Weise ansehen, bevor wir so eine Tour auf die Backpacker Art angehen. Da in Indonesien oder zumindest dort wo wir bisher gewesen sind, an jeder Ecke ein Geldautomat steht, und ich nicht damit gerechnet habe, dass wir bevor es nach Gili Trawangan geht noch soviel Geld ausgeben werden, konnte ich die Tour allerdings nicht bezahlen. Alles kein Problem. Nach kürzester Zeit wurde ein Fahrer gefunden, der mich schnell noch zu einem Geldautomaten bringen kann, bevor das Boot ablegt. Doch entweder hatten vor mir bereits mehrere Leute das selbe Problem, oder irgendwas ist mit meinen Konto, denn der Geldautomat spuckte nichts aus. Ali hat in der Zwischenzeit zusammen mit meiner Lebenspartnerin bereits alle notwendigen Zettel ausgefüllt und wartete auf sein Geld. Und wieder einmal hat es sich gelohnt, dass ich eine indonesische Pre-Paid Karte habe. So konnte ich mit Ali Handynummern austauschen, um später die Tour bezahlen zu können. Er sagte uns, dass wir unsere Zettel bei der Abreise von Gili Trawangan einfach in die Höhe halten sollen und dann direkt von dort beginnend, die Tour auf Lombok beginnt.

Doch zuerst soll es jetzt erst einmal auf die Insel losgehen. Vor der Touristen-Sammelstelle standen einige Pferdekutschen und wir wurden mit einer davon zum Hafen gebracht. Als der Kutscher dann kurz vor dem Hafen nach rechts abgebogen ist, und ich sowieso schon schlecht drauf war, weil meine Kreditkarte nicht funktioniert hat, dachte ich mir nur: “Wo bringt denn der uns jetzt schon wieder hin…“, aber es war nur ein Umleitung.

Auf zum Boot

Irgendwo da vorne war die Umleitung

Am Hafen angekommen, zeigte der Kutscher Richtung Menschenmasse. Da warteten also dutzende Leute teilweise mit Koffern im Sand, während andere wie Ameisen, alles nur Vorstellbare auf die für 30 Personen ausgelegten Holzkutter karrten: Eier, Kloschüsseln, Bier, Plastikrohre, Butter und Fahrräder. Und wir mitten drin. Als wir endlich aufgefordert wurden, unsere Tickets vorzuzeigen, stellte sich heraus, dass der Zettel auf dem Ticket steht, gar nicht das Ticket ist. Wieder eine Umleitung. Wir haben dann zwar im Ticketoffice unsere Tickets erhalten, als ich dann aber den Preis von 15.000 Rupien darauf gelesen habe, fühlte ich mich irgendwie verarscht.

Als wir dann nach etwa einer halben Stunde auf Gili Trawangan angekommen sind, standen wir mitten im Touristengewusel. Vor uns war ein Schild, auf dem „All Hotels in this Area“ stand. Das Hotel, dass uns empfohlen wurde, stand nicht darauf. Während ich mir noch so dachte: „Wahnsinn, kann es denn wirklich sein, dass es das Hotel nicht mehr gibt?“, meinte mein Schatz: „Links, ich glaube, Martin meinte links.“. Und anstatt einfach nur einen von den hunderten von Menschen, die um uns herumwuselten zu fragen, wo “The Exile” ist, sind wir mit unseren Rucksäcken bei etwa 30 °C und prallen Sonnenschein losmarschiert. Bei irgendeinem Geldautomaten sind wir dann stehen geblieben, und ich habe noch einmal versucht Geld abzuheben. Diesmal hat alles einwandfrei funktioniert und wir sind dann doch von selbst drauf gekommen, mal jemanden nach dem Hotel zu fragen. Die Richtung hat gestimmt, und wir marschierten weiter.

Wir sind etwa 20 Minuten marschiert, dann waren wir endlich angekommen. Nachdem wir unser Quartier bezogen und ich mich mit den einheimischen Angestellten unterhalten hatte, war ich wieder einigermaßen beruhigt. Als es dann so ab 17:30 Uhr plötzlich auch dort an der Bar und vor allem am Strand immer voller wurde, und auch hier das Gewusel losging. Der Grund für diesen Menschenauflauf ist der Sonnenuntergang und den wollte ich auf gar keinen Fall verpassen. Ich habe mir deshalb den Sitzsack geschnappt, der vor unserem Bungalow lag, bin an den Strand gegangen, habe mich vor die Menge in erster Reihe auf meinen Sitzsack geworfen. Hinter mir spielten Einheimische zusammen mit Weißen auf ihren Trommeln, und vor mir habe ich den schönsten Sonnenuntergang erlebt, den ich jemals in meinem gesamten Leben gesehen habe. Dieser Anblick hat mich all die Strapazen, die ich bisher auf mich genommen habe, vergessen lassen.

Ein Einheimischer spielt auf seiner Trommel

Ein Einheimischer spielt auf seiner Trommel

Das Naturschauspiel beginnt

Das Naturschauspiel beginnt

Abendrot

Und ich seh’ warum es Abendrot heisst

Sonne geht unter

Die Sonne verschwindet hinter dem Berg

Der Berg brennt

Und es scheint, als würde der ganze Berg brennen