Gib dem Affen Zucker

Bevor es morgen auf unsere 4-Tages Tour nach Komodo geht, wollen wir heute in Kuta noch versuchen, ein paar Äffchen zu füttern. Ausserdem müssen wir noch herausfinden, wie wir wieder zurück nach Bangsal kommen, denn von dort aus startet unsere Komodo Tour. Siyol hat uns angeboten über seinen Touristenshop einen Shuttleservice dorthin zu besorgen. 175.000 Rupien pro Person war uns etwas zu viel, und wir haben mal wieder ein wenig verhandelt. Vor ein paar Tagen haben wir für die gleiche Strecke nur 250.000 Rupien für zwei Personen bezahlt, und nach einem kurzen Telefonat mit dem Fahrer bekamen wir auch diese Fahrt zum gleichen Preis. Nachdem wir nun alles für den Komodo Trip organisiert haben, konnten wir uns auf den Weg zu den Affen machen. Einen Roller haben wir uns heute nicht mehr ausgeliehen, weil man den Affenwald in einer guten halbe Stunde zu Fuß erreichen kann. Ausserdem wollte meine Lebenspartnerin noch ein wenig shoppen. Gleich im ersten Laden hat sie ein Kleidchen gefunden, das für 20.000 Rupien zwar vom Preis her in Ordnung war aber leider viel zu groß. Immerhin hatten wir eine Vorstellung darüber, was so etwas ungefähr kosten darf. Wir haben dann festgestellt, dass es in allen Shops, die wir aufgesucht haben, in etwa die gleichen Sachen gegeben hat. Identische Stoffe, Farben und Muster, nur die Preise waren von Laden zu Laden unterschiedlich. Das gleiche Kleid hat in einem Laden 80.000 Rupien gekostet, im nächsten 120.000 Rupien, dann wieder 90.000 Rupien und im nächsten wieder 110.000 Rupien. Ich war schon wieder einmal sichtlich genervt von dem ganzen Verhandeln und den immensen Preisunterschieden, welche die Verkäufer wild in der Gegend herumposaunten. Es ist absolut unmöglich in einen Laden zu gehen, zu fragen, was etwas tatsächlich kostet und es einfach zu kaufen, wenn es einem gefällt. Preisschilder sucht man vergeblich und nur um zu erfahren, was ein Kleid kostet, muss man 20 Minuten mit den Verkäufern verhandeln und diskutieren. Das geht mir gewaltig auf die Nerven, noch dazu will ich überhaupt gar kein Kleidchen haben. Am Ende haben wir dann 45.000 Rupien für das Kleid bezahlt, und ich hatte vom ganzen Verhandeln und Diskutieren schon einen trockenen Mund und mein Magen hat geknurrt. Wir haben uns dann in ein kleines Restaurant gesetzt.

1Std warten auf einen Salat

Im Warung Rasta haben wir 1Std auf unseren Salat gewartet

Dieses Mal war es kein einheimisches Restaurant sondern einen „Wir haben alles, von Pasta über Burger bis Traditionell“ Restaurant. Ich habe mir eine Coke Zero von der Karte bestellt – hatten sie nicht. Meine Lebenspartnerin wollte einen Avocadosalat von der Karte – hatten sie auch nicht. Immerhin mit einer Coke Light und einem Rasta-Salat sowie einem Griechischen Salat konnten sie dienen. Aber anscheinend mussten sie die Salate erst anpflanzen und warten bis man sie ernten konnte, denn wir haben fast eine Stunde auf unsere Salate gewartet, bis wir diese bekommen haben. An den vier anderen Gästen, die ebenfalls ungeduldig warteten, konnte es nicht liegen, dass es gar so lange gedauert hat, bis wir endlich einen Teller mit ein paar Salatblättern, Gurkenscheiben und Zwiebelringen bekommen haben, denn diese mussten ebenfalls außergewöhnlich lange auf ihr Essen warten. Salatdressing scheint in Indonesien ebenfalls ein Fremdwort zu sein. Dazu kam noch, dass man in diesem Restaurant nicht einmal die Möglichkeit hatte, sich in Ruhe zu unterhalten.

1L Tanken, 3 Armbändchenverkäufer

Nebenan haben Touristen 1L Benzin getankt, und wurden gleich von drei Armbändchenverkäufern belagert


Ständig kommt ein Straßenhändler vorbei, der einem irgendetwas verkaufen möchte. Wenn man sie fragt, ob sie nicht verstehen können, dass man hier einfach nur etwas essen möchte, dann schütteln sie den Kopf und verstehen plötzlich kein Wort Englisch mehr. Zu Fuß weitergehen, ohne dass man abermals belagert wird, ist ebenfalls unmöglich. Wenn man nicht auf einem Roller unterwegs ist, wird man alle paar Meter gefragt, ob man nicht einen Roller mieten möchte, ein Transportmittel benötigt oder irgendeine Tour kaufen möchte. Das mag am ersten Tag vielleicht noch witzig sein, aber irgendwann ist man leider einfach nur noch genervt.

Nachdem wir uns dann endlich durch den Wald an Verkäufern, Vermietern und Geld aus den Taschenzieher gekämpft hatten, hatten wir an einem abgeschiedenen Strandstückchen zumindest für ein paar Minuten unsere Ruhe, während wir darauf warteten bis die Affen vom Berg an den Strand kommen.

Auf diesem Berg leben die Affen tagsüber

Hier leben die Affen tagsüber…

Abends kommen die Affen an den Strand

…abends kommen die Affen an diesen Strand…

Der Strand ist nicht sandig, sonder kugelig

…der Strand ist nicht sandig, sonder kugelig


Ich weiss wirklich nicht, woran es liegt, dass ich solche Situationen magisch anziehe, denn kurz nach unserer Ankunft kamen zwei Einheimische mit drei Touristen an, die wie die Verrückten in der Gegend herumgeschrien haben. Ok, sie haben nur versucht, die Affen anzulocken und haben deshalb genau wie selbige herumgeschrien, aber ich verstehe das nicht ganz. Beatrice und ich konnten auch in aller Ruhe an Strand sitzen und einfach warten. Wenn es um Pünktlichkeit geht, dann kennen die Indonesier anscheinend keine Uhrzeit und haben kein Gefühl für Zeit im Allgemeinen, aber dort am Affenwald kommen sie an und fangen an zu schreien, und es kann ihnen nicht schnell genug gehen. Sie können nicht warten bis die Affen ihrem natürlichen Ablauf folgen. Aus diesem Grund war es mir dann eine Freude zu sehen, wie die Affen schnurstracks an den Einheimischen mit ihren Keksen und Chips vorbeigelaufen sind und zu Beatrice und mir gekommen sind, denn wir hatten frische, zuckersüße, gut riechende Bananen im Gepäck.
Es scheint zu Schmecken

Es geht nichts über frische, süße Bananen

Du bekommst Deine Banane schon

Die Affen sind, weil das kein Touristenort ist, wirklich sehr lieb und nicht aufdringlich

Zwei Affen unter sich

Zwei Affen unter sich


Da hat auch alles plärren und schreien nichts genutzt, und wir konnten in aller Ruhe den Affen eine Banane nach der anderen überreichen. Insgesamt sind drei Affen den Berg zu uns herunter gekommen, darunter auch ein kleines Babyäffchen. Doch man konnte sehen wir verängstigt und verschüchtert diese kleine Äffchen gewesen ist, nicht unbedingt wegen uns, sondern wegen den zwei größeren Äffchen, die dem Kleinen keine Chance ließen, sich von uns eine Banane geben zu lassen. Den Gesichtsausdruck des kleinen Äffchen werde ich nie vergessen. Vergessen habe ich in diesem Moment aber alle Verkäufer, Tourenanbieter und Rollerverleiher. Auch das ich über eine Stunde auf einen einfachen Salat gewartet habe, war mir in diesem Moment völlig egal. Unbezahlbar war dieses Erlebnis für mich und apropos bezahlen: Bezahlt haben wir nichts für dieses Erlebnis ausser der paar Cent für die vielen Bananen. Das war ein wirklich gelungener und unvergesslicher Abschluss unserer Woche in Kuta.

Unvergesslicher Gesichtsausdruck

Das Affenbaby hatte einen unvergesslichen Gesichtsausdruck


Mahun Beach in Kuta auf Lombok

Wie bisher jeden Morgen, werde ich wieder von Siyol begrüßt und gefragt, wie es mir geht. Er möchte wissen, was wir gestern so getrieben haben und was wir heute so vor haben. Die ganze Zeit lächelt er und macht einen ungemein glücklichen Gesichtsausdruck. Da meine Pre-Paid Karte aus mir unerklärlichen Gründen in Kuta nicht funktioniert, frage ich ihn, ob ich später einen Anruf tätigen kann, oder ob ich irgendwo telefonieren könnte. Ich erkläre ihm, dass wir in zwei Tagen eine Tour nach Komodo gebucht haben und ich herausfinden möchte, wie ich denn nun überhaupt wieder zurück zum Hafen komme. Er bietet mir sofort sein Mobiltelefon an und erwähnt ganz nebenbei, dass er ebenfalls Touren nach Komodo anbietet. Sein Laden ist ein paar Meter die Strasse hoch und ich könne bei ihm vorbeikommen, falls ich später noch irgendwelche Fragen habe. Also nicht nur das diese Großfamilie hier ein Hotel, einen Shop, eine Reinigung und einen Motorradverleih hat, sie haben auch noch ein Veranstaltungsbüro. Das ich meinen Roller auch gleich hier auftanken kann, verwundert mich daher überhaupt nicht mehr.

Meine Lebenspartnerin hat im Internet gelesen, dass es in der Mitte von Lombok einen Affenwald gibt, und ich frage Siyol, wie man dort am besten hinkommt. Er meinte, dass dieser Ort ziemlich weit weg ist, und die Fahrt mit dem Roller Stunden dauert. Wir sollen doch einfach am Strand links abbiegen, denn auch dort ist ein kleiner Wald, an dem nachmittags die Affen vom Berg kommen und am Strand abhängen. Ich könne sie füttern, und es sei auf keinen Fall gefährlich, und obendrein müsste man dort nicht mal Eintritt bezahlen, weil es ein frei zugängliches Gebiet ist. Gut zu wissen, denke ich mir, und merke mir seine Wegbeschreibung.

Der Fischer ist wohl Raucher

Ein kleines Fischerboot in der Bucht des Mahun Beach

Doch zuerst haben wir uns auf den Weg zum Mahun Beach gemacht. Um dort hin zu kommen, muss man etwa eine viertel Stunde mit dem Roller fahren. Die Parkgebühr für diesen Strand beträgt 10.000 Rupien. Als wir dort angekommen sind, war der Strand noch leer, und wir konnten dort die Zweisamkeit genießen, bis dann auch dort der erste Verkäufer anfing, uns langsam aber sicher auf die Nerven zu gehen. Ich habe wirklich nichts dagegen, mich mit Menschen zu unterhalten, aber diese aufdringliche Art, wie alle paar Minuten der Nächste und der Nächste und der Nächste und der Nächste und der Nächste kommt, geht mir langsam aber sicher auf die Nerven. Zu unserem Glück kam gegen Mittag eine Schulklasse an den Strand. Die Schulklasse bestand ausschließlich aus Mädchen im Alter von 16 Jahren, und sie waren an den Strand gekommen, um mit Hilfe der Touristen ihre Englischkenntnisse zu verbessern. Sie hatten sogar Buttons angesteckt auf denen stand: Please talk English to me! Und das haben wir dann auch gemacht. Stundenlang saßen wir gemeinsam im Schatten, haben uns mit ihnen auf Englisch unterhalten, gesungen und gelacht. Immer wieder haben sie uns gefragt, ob es OK sei, wenn sie sich noch weiter mit uns unterhalten, oder ob wir lieber alleine sein möchten. Wir haben uns wirklich gerne mit ihnen unterhalten, und wir waren gleichzeitig auch froh, denn während der gesamten Zeit hat uns kein einziger Verkäufer belästigt. Stattdessen kamen immer mehr von den Mädels zu uns und haben sich dazu gesetzt. Ich glaube am Ende ist die ganze Schulklasse bei uns gesessen. Irgendwann haben sie sich dann von uns verabschiedet, unsere Hände geschüttelt und die Mädels sind mitsamt ihren Schuluniformen ins Meer gesprungen. Das haben wir dann auch gemacht jedoch in Badekleidung, versteht sich.

Wie die Kinder stürzen wir uns die Wellen

Wie die Kinder stürzen wir uns die Wellen

Weglaufen bringt nichts

Weglaufen bringt nichts

Der Mahun Beach in Kuta auf Lombok hat einen wunderschönen, feinen Sandstrand und man kann ohne Bedenken barfuß ins Meer zum Baden gehen. Ich habe kein einziges Steinchen unter meinen Füßen gehabt, egal ob am Strand oder im Wasser. Nach ein paar Metern konnte man schwimmen, und wenn man nach unten ins klare Wasser geschaut hat, konnte man immer noch den feinen Sand am Boden erkennen. Die Bucht, in der sich der Strand befindet sieht aus wie gemalt. Gemeinsam mit meiner Lebenspartnerin, haben wir uns in die Wellen gestürzt und herumgetollt wie kleine Kinder. Viel zu schnell ging der Tag vorbei, und wir machten uns wieder auf den Weg zurück nach Kuta, um den Affenwald zu suchen, von dem uns Siyol am Morgen erzählt hat. Bis wir diesen aber endlich gefunden hatten, war es bereits dunkel, und wir haben uns dazu entschieden, morgen noch einmal hier her zum Affenwald zu kommen, um ein paar schöne Fotos zu machen.

Viel zu schnell ging der Tag vorbei

Viel zu schnell ging der Tag vorbei

(Motor)Radfahren verlernt man nie

Kaum aufgestanden, setze ich mich wieder auf die Terrasse, um meine E-Mails zu checken und um die Zugriffsstatistiken meines Blogs abzufragen. Sehr ernüchternd. Immerhin zeigt die Kurve heute wieder nach oben und ermutigt mich weiter zu machen. Nach ein paar Minuten kommt der Bruder des Hotelbesitzers um die Ecke und wünscht mir einen guten Morgen und fragt mich, wie es mir und meinem Muskelkater geht. Ich antworte mit: “Bagus“, dem indonesischen Wort für gut, und ich schieße auch noch gleich ein: “Apa Kabar?“ hinterher, was „Wie gehts?“ auf indonesisch bedeutet. Er lacht und freut sich über meine Worte, und beantwortet meine Frage ebenfalls mit „Bagus“, und setzt sich mit seiner Heckenschere auf den Boden und beginnt damit den Rasen zu stutzen. Dabei unterhalten wir uns ein wenig, und er fragt mich, was ich denn sonst noch so auf indonesisch weiss, und ich sage ihm die paar Happen auf, die ich bisher aufgeschnappt habe. Als ich Anfang zu zählen und nach der zwei schon wieder aufhöre zu zählen, muss er lachen und setzt sich zu mir auf die Terrasse und erklärt mir das indonesische Zahlensystem. Ein paar neue Wörter und Ausdrücke bekomme ich ebenfalls noch mit auf meine Reise durch Indonesien. Sein Name ist im übrigen Siyol. „Ganz einfach zu merken” meint er „see all“, ich denk nur an „Big Brother is watching you“ und sein Name brennt sich in meinen Kopf.

Indonesisch

1 – Satu
2 – Dua
3 – Tiga
4 – Ampat
5 – Lima
6 – Anam
7 – Tuju
8 – Delapan
9 – Sembilan
10 – Sepulo
11 – Seblas
12 – Duablas
13 – Tigablas
Das Wort blas steht nun immer für die 10, und mit den Zahlen 1 bis 9 kann ich jetzt bis 19 zählen. Für alle weiteren 10er Schritte verwendet man das Wort pulo, und setzt die Zahlen 1 bis 9 davor, also:
20 – Duapulo
30 – Tigapulo usw.
100 – Seratus
1000 – Seribu
Möchte man nun z.B. die Zahl 121 sagen, so setzt man sie aus dem bisher gelernten zusammen, also Seratus Duapulo Satu.
Nachmittag – Siang
Guten Abend – Salamat Sore
Gute Nacht – Salamat Malm
Bitte – Silakan
Und dir? – Dan anda?
Wie heißt du? – Siapa nama anda?
Ich heiße Peter – Nama saja Peter
Ob die Rechtschreibung korrekt ist, bezweifle ich stark, denn ich habe mir die Wörter alle nur so gemerkt, wie sie ausgesprochen werden.

Gestern Abend erzählten uns unsere Zimmernachbarn, dass sie sich ein Stück die Strasse hoch, einen Roller für 80.000 Rupien ausgeliehen haben. Ich frage Siyol, was hier im Hotel ein Roller pro Tag kostet. Siyol verlangt 50.000 Rupien pro Tag und zwei Helme sind natürlich auch mit dabei. Ich frage mich, warum die zwei Mädchen erst in der ganzen Stadt rumfragen, was ein Roller kostet anstatt zuerst hier zu fragen, aber OK. Da unsere Muskeln sich langsam wieder normal anfühlen, und wir nicht nach Kuta gekommen sind, um die ganze Zeit auf der Terrasse rum zu sitzen, nehme ich sein Angebot an, und leihe mir für zwei Tage einen Roller aus. Denn rund um Kuta gibt es zahlreiche Strände, die zu Fuß nur schwer zu erreichen sind, außerdem kann ich so nach 20 Jahren endlich mal wieder auf einem motorisierten Zweirad sitzen möchte.

Tankstelle

Das auf der rechten Seite sind 1L Flaschen, die mit Benzin befüllt sind. Wir haben 8.000 Rupien, also 50Cent pro Liter bezahlt. Diese “Tankstellen” gibt es an jeder Ecke.

(Motor)Radfahren verlernt man nie

Auch wenn ich hier aus fototechnischen Gründen stehe, (Motor)Radfahren verlernt man nie

Im Gegensatz zum Großteil der Touristen und allen Einheimischen, setzen wir zwei uns einen Helm auf und ziehen Socken und festen Schuhwerk an. Schlimm genug, dass man hier halbnackt auf dem Roller durch die Gegend fährt. Wir fahren Richtung Strand und biegen links ab. Beim ersten Kreisverkehr war ich ein bisschen verwirrt und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich alles richtig gemacht habe, aber zum Glück ist hier relativ wenig los und Polizisten waren auch keine da, die uns gleich abkassieren hätten können. Mir fällt auf, dass man bei jedem Strand eine Parkgebühr bezahlen muss, aber 5.000 Rupien, also 30 Cent, sind nun wirklich kein Grund zur Beschwerde. Egal wo wir ankommen um es uns im feinen Sandstrand gemütlich zu machen, werden wir sofort von zig Menschen belagert und jeder versucht uns irgendetwas zu verkaufen. Kokosnüsse, Ananas, Armbändchen oder handgewebte Tücher in allen Größen will man uns verkaufen. Anfangs ist das ja noch witzig, aber irgendwann möchte man sich auch mit seinem Partner unterhalten und den schönen Ausblick und die Ruhe genießen. Nach etwa einer halben Stunde haben sie dann glaub ich alle verstanden, dass es bei uns heute nichts zu holen gibt und wir haben endlich ein wenig Ruhe.

Wolle Rose kaufen

Zuerst werden wir fast eine halbe Stunde von den Tücherverkäuferinnen belagert…

Endlich mal zurücklegen

…bis wir uns endlich mal zurück legen können…

Feinster Sand

…den feinen Sandstrand genießen…

Die Natur bewundern

…und die Natur bewundern können.

Als dann kurze Zeit später ein T-Shirt Verkäufer vorbeikommt, drehe ich den Spieß einfach um, und will ihm mein T-Shirt, meinen Rucksack und meine Kokosnuss verkaufen, die ich vom Obststand gegenüber von unserem Hotel mitgebracht habe. Das scheint zu wirken, denn im Null Komma Nichts ist er wieder verschwunden. Wir haben dann noch zwei weitere Strände besucht, bevor es dunkel geworden ist, und wir uns wieder auf den Heimweg gemacht haben.

Bis auf den kleinen Fauxpas im Kreisverkehr habe ich mich auf Anhieb auf dem Roller wohlgefühlt. Doch viel wichtiger war es, dass sich meine Freundin hinten drauf ebenfalls sicher und wohl gefühlt hat, und somit unserem nächsten Roller-Ausflug nichts im Weg steht. Deshalb wollen wir morgen noch einmal zum schönsten der drei Strände fahren und einmal den ganzen Tag am Strand verbringen.

Mahun Beach

Hier möchten wir morgen am liebsten den ganzen Tag verbringen

Entspannen auf der Veranda

Ich habe wirklich keine Ahnung, wie viele Leute hier in diesem Familienbetrieb eigentlich arbeiten. Ständig läuft ein neues Gesicht an uns vorbei, dass uns freundlich lächelnd grüßt. Da wir immer noch heftigen Muskelkater von unserer Rinjani Tour haben, haben wir uns entschieden, den heutigen Tag entspannt auf der Veranda zu verbringen. Vielleicht schaffen wir es hier ja auch, das Datenvolumen des kostenlosen WiFi auszuschöpfen. Wir sitzen da also mit unseren Laptops und unterhalten uns nebenbei über den Besitzer des Hotels. Wir sind der Meinung, dass er wohl für indonesische Verhältnisse ein sehr wohlhabender Mann sein muss, da er in seinem Hinterhof mehrere Zimmer zu vermieten hat, einen kleinen Laden besitzt, Motorroller vermietet und, wie sich im Laufe des Tages herausgestellt hat, auch eine kleine Wäscherei im Haus hat.

Alleine waren wir heute nie

Auf unserer Veranda waren wir heute nie alleine

Als wir uns so über den Besitzer unterhalten, kommt dieser zu uns, und erzählt uns, dass er heute ein Fest für seine Tochter gibt, die vor 20 Tagen auf die Welt gekommen ist. Er wird aus diesem Grund seinen Laden jetzt zusperren und heute auch nicht mehr öffnen. Ausserdem wollte er wissen, ob wir indonesisches Essen mögen, denn er möchte uns gerne an seinem Glück teilhaben lassen und uns nach der Feier einige einheimische Spezialitäten bringen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es unhöflich war, diese Frage mit Ja zu beantworten oder ob es respektlos gewesen wäre, sie zu verneinen. Doch ich hatte in diesem Moment den Eindruck, dass er sich sehr darüber gefreut hat, dass wir sein Glück auf diese Art mit ihm teilen möchten. Irgendwann am Nachmittag hörten wir dann wie nebenan gesungen, geklatscht und gelacht wurde. Kurze Zeit später kam der Bruder des Besitzers mit einem großen Tablett und einem noch größerem Lächeln zu uns. Wir konnten gar nicht oft genug Danke sagen, so sehr waren wir von dieser Geste beeindruckt. Wir haben noch nichtmal aufgegessen, da kam der Besitzer mit zwei Tüten zu uns und brachte uns auch noch Kuchen.

Eine beeindruckende Geste

Eine beeindruckende Geste

Indonesische Köstlichkeiten

Wir wurden mit indonesischen Köstlichkeiten verwöhnt…

Der Inhalt einer Kuchenbox

…und zum Nachtisch gab es auch noch Kuchen, Obst und Wasser

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass wir am heutigen Tag zwar eigentlich nichts weltbewegendes unternommen haben, wir aber trotzdem ein unvergessliches Erlebnis hatten. Die Freundlichkeit und die Selbstverständlichkeit wie wir, obwohl wir nur Hotelgäste sind, am Glück des Besitzers teilhaben durften, hat uns wirklich sehr berührt und beeindruckt. Ich möchte mich auch auf diesem Weg noch einmal für diese freundliche und wundervolle Geste bedanken. Vielen vielen lieben Dank!

Das war eine gute Entscheidung

Der Ort Sengigi ist laut Wikipedia ein aufstrebendes Touristenzentrum, das erhebliche Bedeutung für die Wirtschaft der Insel erlangt hat, und dies konnte man auch deutlich an den Preisen dort erkennen. Ausser dem Hindutempel Pura Batu Bolong gibt es dort nicht viel zu sehen. Da ich mir sicher bin, dass es in Asien noch mehrere Hindutempel zu sehen gibt, bereue ich meine Entscheidung nicht.

Kuta hingegen ist eher ein kleines Fischerdorf, indem wir uns bisher wirklich wohl fühlen. In Kuta und der nächsten Umgebung gibt es zahlreiche, wunderschöne Sandstrände mit vielen Buchten und nie endenden Wellen, und es ist daher ein beliebtes Ziel von Surfern aus aller Welt. Das ist mir auch gleich aufgefallen, denn zum einen gibt es hier sehr viele Surfshops und zum anderen haben hier so ziemlich alle Roller eine Halterung an der Seite, auf die ein Surfbrett passt. Das sieht echt witzig aus, wenn so ein kleiner Roller mit zwei Personen und Surfbrett an einem vorbeifährt.

Die Strasse zum Strand von Kuta

Die Strasse zum Strand von Kuta

Der Strand von Kuta

Der Strand von Kuta

Gegenüber dem Strand von Kuta

Die gegenüberliegende Strassenseite des Strands von Kuta

Aber heute sind wir erstmal hier, um uns zu entspannen, und um es uns gut gehen zu lassen. Das Frühstück in unserem Hotel war gut, die Portion war aber kleiner als gewohnt. Da ich aber sowieso Gewicht verlieren möchte, ist das nicht schlimm. Statt viel zu essen, haben wir uns angewöhnt, viel zu trinken. Darum haben wir uns im Laden, der direkt an unser Hotel grenzt, und ebenfalls dem Hotelbesitzer gehört, Wasser gekauft und ich war positiv überrascht. Denn obwohl dies kein Supermarkt im herkömmlichen Sinne ist, und das hier ebenfalls ein Touristenort ist, kostet die 1,5 Liter Flasche Wasser nur 4000 Rupien. Nur einmal während unserem gesamten Indonesienaufenthalt habe ich weniger bezahlt. Ich finde, das ist immer ein guter Vergleich, um festzustellen, wie das Preisniveau in dieser Gegend ist. Gleich gegenüber von unserem Hotel ist ein kleiner Verkaufsstand, an dem es Obst und Gemüse gibt. Ich habe dort ein paar Limonen gekauft, und diese zusammen mit unserem Wasser zu Limonade verarbeitet. Ohne Zucker, aber trotzdem sehr, sehr lecker, wie ich meine. Wir haben uns dann zu Fuß auf die Suche nach einem Spa oder Ähnlichem gemacht, und sind auch ziemlich schnell fündig geworden. Für eine Stunde Massage wurden 100.000 Rupien pro Person veranschlagt. Ich hatte aber nur 174.000 Rupien dabei, da der Geldautomat, der sich ebenfalls genau vor unserem Hotel befindet, ausser Betrieb war. Ich zeigte der kräftigen Frau meine knapp 12 EUR und nach kurzer Diskussion mit ihrer Tochter, willigte sie ein und hat uns aufgefordert, gleich mitzukommen. Sie hat schnell noch frische Bezüge geholt und wir stiegen über zwei Bambusrohre, die als Treppe dienten, in eine kleine Hütte, die ebenfalls aus Bambus war. Auf dem Boden lagen zwei Matratzen und an einer weiteren Bambusstange hing ein Ventilator. Wir hatten so heftigen Muskelkater, dass sich unsere Waden anfühlten wie Betonklötze und die zwei Masseusen konnten sich das Lachen nicht verkneifen, weil wir gar so sehr gewinselt haben. Als es dann losging, wurden wir bei jeder Blase und jedem Kratzer den wir hatten gefragt, woher wir das haben, und unsere Antwort war immer die gleiche: Rinjani. Wir wurden eingeölt, durchgeknetet und verbogen, dass es nur so geknackt hat. Aber ich finde, die Massage hat sehr gut getan und war das Geld auf jeden Fall Wert. Denn schon gleich im Anschluss fühlen wir uns um einiges besser als vorher, und wir sind dann noch ein wenig durch Kuta spaziert. Am Strand von Kuta machten wir kehrt und sind wieder zurück zu unserem Hotel gegangen, wo wir dann endlich mal wieder mit unseren Eltern telefonieren konnten und über unsere Erlebnisse vom Schichtvulkan Rinjani gebloggt haben.

Ausser Betrieb

Ein defekter Geldautomat ist hilfreich beim Feilschen

Mamma Ayus Massage

Bei Mamma Ayus Massage haben wir uns es gut gehen lassen

Am Abend wurde ich dann abermals positiv überrascht, denn wir haben in einem einheimischen Restaurant für drei Gerichte inklusive Getränke gerade einmal 55.000 Rupien bezahlt. Ich glaube, dass ich nach fast einem Monat endlich dort angekommen bin, wo ich von Anfang an hin wollte.

Kein Bock auf Sengigi

Gemeinsam mit den beiden Schweden, die ebenfalls mit uns auf dem Rinjani gewesen sind, wurden wir in Sengigi abgesetzt. Und wie soll es auch anders sein, nicht vor irgendeinem Hotel oder idealerweise sogar vor dem Hotel, welches von unseren Mitfahrern gebucht wurde – nein – wir werden natürlich gleich wieder vor dem nächsten Tourist-Office abgesetzt, welches garantiert wieder irgendeinem Onkel oder Cousin von unserem Veranstalter gehört. Mit Blasen an den Füßen und völlig verdreckter Kleidung schnallen wir uns im Eiltempo unsere Rucksäcke auf den Rücken, und versuchen so schnell wie möglich Land zu gewinnen. Die beiden Schweden waren schon einmal in Sengigi und haben, wie bereits erwähnt, ein Zimmer gebucht. Wir schließen uns den beiden an, und gehen gemeinsam die Hauptstraße Richtung Unterkunft entlang. Rechts von uns befindet sich der Strand, der allerdings überhaupt nicht zu sehen ist, weil ein Restaurant neben dem anderen steht. Dazwischen befinden sich Hotels, die allerdings nicht gerade günstig aussehen. Auf unserer Straßenseite sieht es nicht besser aus. Wir biegen irgendwann links ab, und nach etwa zehn Minuten Fußmarsch sind wir am Hotel angekommen. „Nehmt auf jeden Fall ein Zimmer dort hinten beim Pool, denn hier rechts ist eine Hühnerfarm,“ bekomme ich noch als Tipp auf den Weg, bevor die beiden Schweden sich von uns verabschieden. Zu unserem Glück sind natürlich hinten beim Pool keine Zimmer mehr frei, und weil wir die letzten Tage sowieso noch nicht genug gewandert sind, machen wir uns wieder auf den Weg zurück zur Hauptstraße, um irgendein relativ günstiges Zimmer mit warmen Wasser und WiFi zu finden. Nach den Strapazen der letzten Tage wollten wir einfach nur entspannen und Fünfe g’rad sein lassen. In den kleinen Hinterhof-Unterkünften gab es jedoch kein warmes Wasser, und zu meinem Glück ist dann auch noch eine Blase an meinem Fuß aufgeplatzt. In diesem Moment hatte ich eigentlich schon gar keinen Bock mehr auf Sengigi. “Ein letztes Hotel checken wir jetzt noch ab, bevor wir uns ein Taxi nach Kuta nehmen.“ Meine Lebenspartnerin war der selben Meinung und wir gingen in das nächste uns sympathische Hotel und fragten was eine Nacht kostet. 650.000 Rupien, also umgerechnet 43 EUR wollten sie dort für ein Zimmer haben. Aber dafür, dass das Hotel direkt an der Hauptstraße war, muss ich ehrlich zugeben, war uns das viel zu teuer und wir sind wieder losgedackelt. Anscheinend hatte der Pförtner dieses Hotels Mitleid mit uns, weil wir mit gar so schmerzvollem Gesichtsausdruck an ihm vorbeigegangen sind, dass er uns einen kostenlosen kalten Orangensaft angeboten hat. Ich wollte mich bereits auf den Weg zum Freigetränk machen, als meine Lebenspartnerin völlig entnervt zu mir meinte: “Peter, hier gibt’s gar nichts umsonst!“ Also lehnten wir ab, doch der Pförtner lies nicht locker und verwickelte uns in ein Gespräch. Er hat uns dann tatsächlich geholfen, eine Transportmöglichkeit nach Kuta zu finden. Mit mehreren Fahrern, Bemos und Taksis haben wir verhandelt, doch unter 250.000 Rupien wollte uns keiner dorthin bringen.

Am Ende hat uns dann ein sehr netter Fahrer namens Atschie nach Kuta gebracht. Ich ahnte Böses, als er nach fünf Minuten schon wieder angehalten hat, doch er ist nur kurz bei einem kleinen Laden stehengeblieben und hat uns eine Packung Kekse spendiert. Anscheinend haben wir total abgemagert ausgesehen. Es war bereits dunkel und wir sind schon über eine Stunde unterwegs gewesen, als wir uns erneut über Essen unterhalten haben. Atschie meinte, er kenne ein gutes und günstiges einheimisches Lokal und würde uns gerne dorthin bringen. Da wir den ganzen Tag noch nichts gegessen hatten, ausser die Kekse, die uns Atschie davor spendiert hat, willigten wir ein. Zusammen mit Atschie haben wir dort zu Abend gegessen. Als ich jedoch bezahlen wollte, winkte Atschie mich zurück und sagte: “Ich habe schon bezahlt.“ Wir fuhren wieder los und sind kurze Zeit später in Kuta angekommen. Atschie hat uns versprochen solange mit uns durch die Gegend zu fahren, bis wir ein Hotel finden, dass uns gefällt und warmes Wasser sowie WiFi hat. Das war auch gut so, denn das erste Hotel machte zwar von außen wirklich was her, aber die Bettlaken waren dreckig, die Fliesen vergilbt und die Armaturen der Dusche waren total verrostet. Aber weiter als 375.000 Rupien wollte der Hotelier trotzdem nicht mit dem Preis runter gehen. Er machte sogar noch Witze, dass wir in Kuta niemals für weniger Geld ein Zimmer mit warmen Wasser bekommen würden, und falls doch, dann dürfe ich ihm „diesen Aschenbecher über den Schädel ziehen”. Letztendlich haben wir dann nach mehreren Anläufen eine für indonesische Verhältnisse wirklich sehr saubere Unterkunft im Herzen von Kuta gefunden. 250.000 Rupien, umgerechnet 16 EUR kostet die Nacht, und das finde ich einen angemessenen Preis, denn zusätzlich zu warmen Wasser, kostenlosen WiFi und Frühstück für zwei Personen, hat unser Zimmer sogar eine Klimaanlage. Wir haben dann noch kurz überlegt, ob uns Atschie nochmals zum ersten Hotel bringen soll, damit ich dem Hotelier den Aschenbecher über den Schädel ziehen kann, aber wir haben uns dann doch für die so sehr herbeigesehnte heiße Dusche entschieden.

Unsere Unterkunft in Kuta

Banyu Urip, unsere Unterkunft in Kuta