Getrieben, rastlos, ruhelos

An manchen Tagen in Kota Bharu waren wir einfach nur beim Essen.

An manchen Tagen in Kota Bharu waren wir einfach nur beim Essen.

Bevor ich meine Reise begonnen habe, habe ich von der Familie, vielen Freunden und Kollegen zu hören bekommen, dass ich immer schöne Bilder und viele Berichte liefern soll. Ich habe zahlreiche Tips bekommen, was ich mir alles anschauen soll. Sie werden meinen Weg dann mittels meines Blogs verfolgen. Eigentlich ist das eine schöne Sache. Ich reise durch die Welt und meine Familie, Freunde und Bekannte lesen meinen Blog. Sie wissen, wie es mir geht, wo ich mich aufhalte und was ich alles erlebe. Nebenbei lernt man auf einer längeren Reise unterwegs natürlich auch unzählige Reisende kennen, die einem erzählen, was sie bereits alles Tolles erlebt haben und wo man unbedingt hin muss. Und so plant man mehr oder weniger spontan seine Reise und lässt sich durch die Welt treiben. Theoretisch. Denn letztendlich reist man von einem Ort zum Nächsten und hat Befürchtungen, dass man das Beste verpasst hat, dass man nicht die schönsten Bilder gemacht hat, dass man nicht das aufregendste Erlebnis mitgenommen hat, dass man nicht das köstlichste Essen gegessen hat oder dass man nicht die interessantesten Menschen kennengelernt hat. Eigentlich ist einem das Dilemma, dass man sich nicht alle schönen Orte in einem Land anschauen kann, bereits durchaus vorher bewusst. Das geht teilweise schon aus finanzieller Sicht nicht und die Zeit für die Reise ist auch begrenzt. Man kann sich einfach nicht alles anschauen, aber es fällt schwer, das zu akzeptieren und man fühlt sich getrieben, rastlos, ruhelos.

Andererseits ist es wie im normalen Alltag auch, es gibt einfach nur Tage, an denen man seine Ruhe haben möchte, an denen man keine neuen Leute kennenlernen möchte, an denen man sich nicht die nächste Höhle, den nächsten Wasserfall, den nächsten abgelegen Strand oder den nächsten Dschungel ansehen möchte. Wenn man aber einige Tage Pause in seiner Reise einlegt und einfach nur mal bis mittags schläft, gibt es wahrscheinlich viele Freunde zu Hause und auch viele andere Reisende, speziell die Reiseprofis, welche schon etliche Jahre ihres Lebens auf Reisen verbracht haben, die nur verächtlich den Kopf schütteln. Wie konnte man die wertvolle Reisezeit nur so unnütz vergeuden. Letztendlich gehöre ich aber auch zu den Menschen, die auch im normalen Alltag gerne mal einen Tag sinnfrei vergeudet haben.

Ich hatte zu Beginn meiner Reise auch die Befürchtung, dass ich mich langweilen könnte, weil ich eigentlich ein Mensch bin, der immer etwas zu tun haben muss. Das mag jetzt widersprüchlich klingen zu meinem vorherigen Satz, aber ich tue auch immer etwas, an Tagen, die ich sinnfrei vergeude. Ich tue dann einfach nur nichts Sinnvolles, was mir lange in Erinnerung bleibt. Die Befürchtung bezüglich der Langweile habe ich nach 2 Monaten Reise schonmal abgelegt. Denn ich habe meine Reise mit einem Haufen Vorsätze begonnen, die ich teilweise noch nicht mal annähernd in Angriff genommen habe. Ich wollte beispielsweise mal versuchen, einen Roman zu schreiben und jeden Tag Sport zu treiben. Und dann gibt es ja schließlich, wie bereits erwähnt, noch die ganzen Must-Have-Seens des bereisten Landes.

Also muss ich nach 2 Monaten des Reisens feststellen, dass Reisen ganz anders läuft, als ich es geplant hatte. Das mit dem Bloggen bekomme ich auch nur bedingt hin, denn ich liefere nicht unbedingt detailgetreue Reiseberichte ab, sondern schreibe einfach nur, wonach mir der Kopf steht. Meine Bilder, die ich dem Blog hinzufüge, sind meistens schief, verwackelt, unscharf oder alles zusammen, falls ich überhaupt Bilder habe. Alle Sehenswürdigkeiten eines Landes schaffe ich, wie bereits mehrfach erwähnt, auch nicht abzuklappern, so dass meine Reiseberichte vielleicht noch interessanter werden würden. Und sich an die Gepflogenheiten fremder Kulturen anzupassen, ist auch nicht immer ganz leicht. Ich hasse es wirklich, ewig über den Preis eines neuen Kleidchen zu verhandeln, aber andererseits will ich mich auch nicht über den Tisch ziehen lassen, also wird verhandelt, als stünde ich kurz vor dem Bankrott. Es gibt also noch viel zu tun und zu lernen.

Aber eigentlich gibt es nur ein wirklich wichtiges Ziel für meine Reise: Ich möchte einige schöne, lustige oder denkwürdige Momente erleben. Ich möchte schöne Erinnerungen für mich schaffen oder zumindest solche, über die ich später einmal lachen oder immer wieder staunen kann. Wie beispielsweise gestern, als wir einfach nur zum Essen gegangen sind, haben wir eine einundhalb Meter große Echse in der Kanalisation rumrennen sehen. Wir mussten gleich an den Mythos des Krokodils in der Kanalisation denken. Fotos gibt es davon natürlich nicht ;-).

Damit wir was zu erzählen haben, sind wir ins Museum gegangen, aber außer Blödsinn, wie Selfies vor dem Spiegel ....

Damit wir was zu erzählen haben, sind wir ins Museum gegangen, aber außer Blödsinn, wie Selfies vor dem Spiegel ….

... oder Herumgepose mit der Riesensäge, ist bei mir nicht viel hängengeblieben. Vielleicht weiß Peter noch mehr zu berichten.

… oder Herumgepose mit der Riesensäge, ist bei mir nicht viel hängengeblieben. Vielleicht weiß Peter noch mehr zu berichten.

Dann waren wir noch in dem Stadtteil für Kunsthandwerk.

Dann waren wir noch in dem Stadtteil für Kunsthandwerk.

Die großen Trommeln haben mir dort am besten gefallen.

Die großen Trommeln haben mir dort am besten gefallen.

Beim Vogelgesangswettbewerb waren wir auch. Ich würde lügen, wenn ich den als spannend bezeichnen würde.

Beim Vogelgesangswettbewerb waren wir auch. Ich würde lügen, wenn ich den als spannend bezeichnen würde.

Und dazwischen gab es immer wieder Essen ...

Und dazwischen gab es immer wieder Essen …

Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. (Wolf Biermann)

Der Bako Nationalpark hat atemberaubende Natur zu bieten, aber leider galt das auch für unsere Unterkunft.

Der Bako Nationalpark hat atemberaubende Natur zu bieten, aber leider galt das auch für unsere Unterkunft.

Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Und bereits vor Beginn meiner Reise durch Asien und Australien habe ich mich mehrfach gefragt, ob mich diese Reise verändern wird. Und ja, diese Reise hat mich bereits verändert. Ich merke dies in kleinen alltäglichen Dingen aber auch in meinen Ansichten. Ich habe in den letzten 6 Wochen auf meiner Reise wahrscheinlich mehr erlebt und mehr Menschen kennengelernt als in den letzten 5 Jahren in Deutschland. Ich trage mittlerweile beispielsweise Röcke. Ich habe in Deutschland so gut wie nie einen Rock getragen, weil ich mich damit in der Arbeit einfach unsicher gefühlt habe. Ich habe das erste Mal in meinem Leben Bananen gegessen, weil sie hier ganz anders schmecken als in Deutschland. Ich benötige mittlerweile weitaus weniger Konsumgüter als in Deutschland, denn eigentlich brauche ich nur einige Kosmetikartikel, ein paar Kleidungsstücke, einen Schlafsack, meinen Laptop und meine Kamera. Alles andere wie Fernseher, Auto, neue CD’s, DVD’s, Inneneinrichtungsgegenstände oder Sonstiges sind absolut überbewertet. Ich kann mittlerweile sogar so gut wie überall und zu jeder Tageszeit schlafen, sei es auf der harten Holzbank am Strand, sei es im Bus bei ruckeliger Fahrt aufrecht sitzend oder auch im Flugzeug bei eisiger Kälte. Früher konnte ich nur in meinem Bett schlafen. Ich habe weder in der Schule noch während Vorlesungen in der Fachhochschule noch während Meetings in der Arbeit geschlafen. Meine Prioritäten haben sich ebenfalls komplett verschoben. Wenn ich in Deutschland abends von der Arbeit heimgekommen bin, wollte ich einfach nur noch meine Ruhe haben und am liebsten für mich alleine sein. Auf meiner Reise dagegen lausche ich gebannt den Geschichten der Leuten, die ich kennengelernt habe, ganz gleich wie müde ich auch sein mag. Diese Menschen definieren einen nicht aufgrund der Arbeit, die man ausübt, wie dies ausschließlich in Deutschland getan wird. Diese Menschen erfahren auf ihrer Reise ebenso Rückschläge, aus denen sie lernen und an denen sie einen teilhaben lassen. Es gibt jedoch von niemanden Häme dafür. Wenn man in Deutschland in seiner Arbeit einen Fehler macht, so hat dies oft unangenehme Konsequenzen. Dabei sind Fehler sehr wichtig im Leben, denn aus Fehlern kann man sehr viel mehr lernen als es der Fall ist, wenn immer alles perfekt läuft. Ich habe auf dieser Reise sehr viele bewundernswerte Menschen kennengelernt, die schon ganz außergewöhnliche Dinge getan haben, oder die besondere Talente haben, die in einer leistungsorientierten Gesellschaft wie in Deutschland einfach niemanden interessieren, die mich aber doch regelmäßig in Staunen versetzen. Also ja, diese Reise hat mich bereits verändert. Es gibt aber immer noch einige wenige Punkte, die sich glücklicherweise niemals ändern werden. Meine Familie wird immer oberste Priorität für mich haben. Dies hat sich auf dieser Reise auch eher noch vertieft. Ich werde immer mit einem großen Haufen guter Vorsätze durch das Leben wandeln, von dem ich noch nicht mal die Hälfte schaffe umzusetzen. Ich werde niemals an Orten schlafen oder mich aufhalten können, an denen es stinkt. Dies habe ich im Bako Nationalpark feststellen müssen. Die Natur war zwar wirklich atemberaubend, wie man den dem Blog beigefügten Bildern und dem Blog meines Lebensgefährten entnehmen kann, aber leider war dies auch der Fall bei der Unterkunft.

Dschungel soweit das Auge reicht im Bako Nationalpark

Dschungel soweit das Auge reicht im Bako Nationalpark

Winzige Krabbe mit riesiger Schere

Winzige Krabbe mit riesiger Schere

Es war der reinste Affenstall

Es war der reinste Affenstall

Sie waren alle so süß ....

Sie waren alle so süß ….

und auch rotzfrech.

und auch rotzfrech.

An diesen Gesellen konnte ich mich gar nicht satt sehen.

An diesen Gesellen konnte ich mich gar nicht satt sehen.

Sie waren so lustig, ...

Sie waren so lustig, …

dass ich gleich mehrere Aufnahmen hinzufügen musste.

dass ich gleich mehrere Aufnahmen hinzufügen musste.

"Wild"schweine gab es auch.

“Wild”schweine gab es auch.

Eine Nachtwanderung haben wir auch gemacht. Mehr Bilder dazu unter http://www.mplx.de/Blog

Eine Nachtwanderung haben wir auch gemacht. Mehr Bilder dazu unter http://www.mplx.de/Blog