Das Leben ist ein ständiger Kampf mit sich selbst

Frühmorgens in Bangkok wird der Stock ans Schild gehängt und Sport getrieben.

Frühmorgens in Bangkok wird der Stock ans Schild gehängt und Sport getrieben.

Jeden Tag oder vielleicht auch manch Einer seltener setzt man sich auf’s Neue Ziele. Ziele, die man erreichen möchte, um ein gesünderes, besseres und glücklicheres Leben zu führen. Ziele, die es beinhalten, netter zu seinen Mitmenschen zu sein, fürsorglicher gegenüber sich selbst und seinen Liebsten und ressourcensparender der Umwelt zuliebe. Es ist schön und auch sehr wichtig, solche Ziele zu haben. Aber es ist manchmal sehr schwierig, diese Ziele zu verwirklichen.

Bei Einigen steht Badminton auf dem Programm.

Bei Einigen steht Badminton auf dem Programm.

Andere nutzen lieber die Fitnessgeräte im Park.

Andere nutzen lieber die Fitnessgeräte im Park.

Umso mehr bewundere ich die Mentalität der Asiaten. Zurück in Bangkok wurde ich Zeuge eines beeindruckenden morgendlichen Ritus. Um 06:00 Uhr morgens trifft man in Bangkok alt und jung im Park beim Frühsport. Da wird gedehnt, gejoggt, Badminton und Fußball gespielt, Fitnessübungen an Fitnessgeräten im Park oder auch wahlweise auf dem Rasen gemacht, oder es wird einfach nur getanzt. Es ist ein reges Treiben im Park und auch auf den Strassen drum herum. Beispielsweise macht eine kleine Truppe auf dem kleinen Parkplatz vor dem Park Fitnessübungen mit Trainer und Musik. 50 Meter weiter trifft man auf die nächste Gruppe dieser Art und zwar mitten auf der Strasse. Im Park selber kann man sich in einem Zelt den Blutdruck messen lassen. Auch abgepacktes Wasser ist überall im Park erhältlich. Es ist wirklich fantastisch, sich dieses morgendliche Schauspiel anzusehen. Alles ist auf den Beinen. Die Jüngeren sind beim Fußball spielen. Ältere Menschen hängen ihre Stöcke an die Schilder im Park und machen Übungen auf einer Art Stepper.

Beinahe jeder Zentimeter im Park wird ausgenutzt.

Beinahe jeder Zentimeter im Park wird ausgenutzt.

Jeden Morgen werden in Thailand in den Schulen und in den Firmen Sportübungen gemacht. So gehört der Sport ganz automatisch zum Alltag dazu, und man kann dann auch im hohen Alter nicht mehr auf die täglichen Bewegungseinheiten verzichten. Die alten Menschen in Bangkok müssen zugebenermassen aber auch auf Zack sein. Der Bus hält an den Bushaltestellen oftmal kurz bis gar nicht und aus dem Khlong-Boot rauszukommen, ist auch nicht immer ganz einfach. Auch die Strassenüberquerung erfordert in Bangkok mehr Aufmerksamkeit als in Deutschland beispielsweise. Es ist schön zu sehen, dass es Länder gibt, in denen Aktivität und Gesundheit bis ins hohe Alter wirklich gefördert wird. Viele Thailänder gehen auch regelmäßig zur Massage und verwenden gerne natürliche Heilmittel. Die Gesundheit des Körpers und der Seele wird in Asien wesentlich wichtiger eingestuft als in westlichen Industrieländern. Dass Fastfood und süße, zuckerhaltige Getränke auch hier längst zum alltäglichen Leben dazu gehören, kann man auch in Asien bemerken. Trotzdem sind alle gezwungen in Bewegung zu bleiben. Es ein Teil der Mentalität.

Ach, wäre es schön, wenn man sich in Deutschland zu den gleichen Preisen wie in Thailand massieren lassen könnte.

Ach, wäre es schön, wenn man sich in Deutschland zu den gleichen Preisen wie in Thailand massieren lassen könnte.

Auf seinen Körper zu achten und dererlei Ziele sind Aufgaben, die man sein ganzes Leben lang bewältigen muss. In Deutschland sind viele dieser Ziele leider optional und es wird bereits frühzeitig zu wenig Wert darauf gelegt. Deshalb fällt es auch leicht, diese aus dem stressigen Alltag entfallen zu lassen. Leider sind gerade Ziele wie regelmäßiger Sport, gesunde Ernährung, ein ausgeglichenes Leben und Zeit zur Gewährleistung eines stabilen Familienumfeldes Punkte, die sowohl erhebliche Eigenmühen erfordern, die aber auch mehr gefördert werden könnten.

Soviel Aktivität ist ansteckend.

Soviel Aktivität ist ansteckend.

Das Leben ist ein ständiger Kampf mit sich selbst und dem inneren Schweinehund. Einige erzwungene Maßnahmen wie Sport sind anscheinend gemeinsam leichter umzusetzen. Man darf seine Ziele aber auch nie aus den Augen verlieren und vergessen.

Getrieben, rastlos, ruhelos

An manchen Tagen in Kota Bharu waren wir einfach nur beim Essen.

An manchen Tagen in Kota Bharu waren wir einfach nur beim Essen.

Bevor ich meine Reise begonnen habe, habe ich von der Familie, vielen Freunden und Kollegen zu hören bekommen, dass ich immer schöne Bilder und viele Berichte liefern soll. Ich habe zahlreiche Tips bekommen, was ich mir alles anschauen soll. Sie werden meinen Weg dann mittels meines Blogs verfolgen. Eigentlich ist das eine schöne Sache. Ich reise durch die Welt und meine Familie, Freunde und Bekannte lesen meinen Blog. Sie wissen, wie es mir geht, wo ich mich aufhalte und was ich alles erlebe. Nebenbei lernt man auf einer längeren Reise unterwegs natürlich auch unzählige Reisende kennen, die einem erzählen, was sie bereits alles Tolles erlebt haben und wo man unbedingt hin muss. Und so plant man mehr oder weniger spontan seine Reise und lässt sich durch die Welt treiben. Theoretisch. Denn letztendlich reist man von einem Ort zum Nächsten und hat Befürchtungen, dass man das Beste verpasst hat, dass man nicht die schönsten Bilder gemacht hat, dass man nicht das aufregendste Erlebnis mitgenommen hat, dass man nicht das köstlichste Essen gegessen hat oder dass man nicht die interessantesten Menschen kennengelernt hat. Eigentlich ist einem das Dilemma, dass man sich nicht alle schönen Orte in einem Land anschauen kann, bereits durchaus vorher bewusst. Das geht teilweise schon aus finanzieller Sicht nicht und die Zeit für die Reise ist auch begrenzt. Man kann sich einfach nicht alles anschauen, aber es fällt schwer, das zu akzeptieren und man fühlt sich getrieben, rastlos, ruhelos.

Andererseits ist es wie im normalen Alltag auch, es gibt einfach nur Tage, an denen man seine Ruhe haben möchte, an denen man keine neuen Leute kennenlernen möchte, an denen man sich nicht die nächste Höhle, den nächsten Wasserfall, den nächsten abgelegen Strand oder den nächsten Dschungel ansehen möchte. Wenn man aber einige Tage Pause in seiner Reise einlegt und einfach nur mal bis mittags schläft, gibt es wahrscheinlich viele Freunde zu Hause und auch viele andere Reisende, speziell die Reiseprofis, welche schon etliche Jahre ihres Lebens auf Reisen verbracht haben, die nur verächtlich den Kopf schütteln. Wie konnte man die wertvolle Reisezeit nur so unnütz vergeuden. Letztendlich gehöre ich aber auch zu den Menschen, die auch im normalen Alltag gerne mal einen Tag sinnfrei vergeudet haben.

Ich hatte zu Beginn meiner Reise auch die Befürchtung, dass ich mich langweilen könnte, weil ich eigentlich ein Mensch bin, der immer etwas zu tun haben muss. Das mag jetzt widersprüchlich klingen zu meinem vorherigen Satz, aber ich tue auch immer etwas, an Tagen, die ich sinnfrei vergeude. Ich tue dann einfach nur nichts Sinnvolles, was mir lange in Erinnerung bleibt. Die Befürchtung bezüglich der Langweile habe ich nach 2 Monaten Reise schonmal abgelegt. Denn ich habe meine Reise mit einem Haufen Vorsätze begonnen, die ich teilweise noch nicht mal annähernd in Angriff genommen habe. Ich wollte beispielsweise mal versuchen, einen Roman zu schreiben und jeden Tag Sport zu treiben. Und dann gibt es ja schließlich, wie bereits erwähnt, noch die ganzen Must-Have-Seens des bereisten Landes.

Also muss ich nach 2 Monaten des Reisens feststellen, dass Reisen ganz anders läuft, als ich es geplant hatte. Das mit dem Bloggen bekomme ich auch nur bedingt hin, denn ich liefere nicht unbedingt detailgetreue Reiseberichte ab, sondern schreibe einfach nur, wonach mir der Kopf steht. Meine Bilder, die ich dem Blog hinzufüge, sind meistens schief, verwackelt, unscharf oder alles zusammen, falls ich überhaupt Bilder habe. Alle Sehenswürdigkeiten eines Landes schaffe ich, wie bereits mehrfach erwähnt, auch nicht abzuklappern, so dass meine Reiseberichte vielleicht noch interessanter werden würden. Und sich an die Gepflogenheiten fremder Kulturen anzupassen, ist auch nicht immer ganz leicht. Ich hasse es wirklich, ewig über den Preis eines neuen Kleidchen zu verhandeln, aber andererseits will ich mich auch nicht über den Tisch ziehen lassen, also wird verhandelt, als stünde ich kurz vor dem Bankrott. Es gibt also noch viel zu tun und zu lernen.

Aber eigentlich gibt es nur ein wirklich wichtiges Ziel für meine Reise: Ich möchte einige schöne, lustige oder denkwürdige Momente erleben. Ich möchte schöne Erinnerungen für mich schaffen oder zumindest solche, über die ich später einmal lachen oder immer wieder staunen kann. Wie beispielsweise gestern, als wir einfach nur zum Essen gegangen sind, haben wir eine einundhalb Meter große Echse in der Kanalisation rumrennen sehen. Wir mussten gleich an den Mythos des Krokodils in der Kanalisation denken. Fotos gibt es davon natürlich nicht ;-).

Damit wir was zu erzählen haben, sind wir ins Museum gegangen, aber außer Blödsinn, wie Selfies vor dem Spiegel ....

Damit wir was zu erzählen haben, sind wir ins Museum gegangen, aber außer Blödsinn, wie Selfies vor dem Spiegel ….

... oder Herumgepose mit der Riesensäge, ist bei mir nicht viel hängengeblieben. Vielleicht weiß Peter noch mehr zu berichten.

… oder Herumgepose mit der Riesensäge, ist bei mir nicht viel hängengeblieben. Vielleicht weiß Peter noch mehr zu berichten.

Dann waren wir noch in dem Stadtteil für Kunsthandwerk.

Dann waren wir noch in dem Stadtteil für Kunsthandwerk.

Die großen Trommeln haben mir dort am besten gefallen.

Die großen Trommeln haben mir dort am besten gefallen.

Beim Vogelgesangswettbewerb waren wir auch. Ich würde lügen, wenn ich den als spannend bezeichnen würde.

Beim Vogelgesangswettbewerb waren wir auch. Ich würde lügen, wenn ich den als spannend bezeichnen würde.

Und dazwischen gab es immer wieder Essen ...

Und dazwischen gab es immer wieder Essen …

Jeden Tag lernt man etwas dazu

Neue Bekanntschaften

Neue Bekanntschaften

In Deutschland gibt es viele Punkte und Themen, die mich wirklich aufregen und nerven. Ich verstehe oftmals nicht, warum sich die Menschen nicht intensiver für ihre Interessen einsetzen. Fehlt ihnen die Kraft oder die Zeit oder haben sie einfach kein Interesse, sich mit politischen Themen auch noch auseinander zu setzen. Vielleicht haben sie auch einfach nur die Hoffnung aufgegeben. Ich will hier auch nicht verschweigen, dass ich keinen Deut besser bin, und auch jeden Abend, wenn ich aus der Arbeit heimkomme, einfach nur froh bin, wenn ich meine Ruhe habe. Doch dann reist man in ein Land wie Indonesien und es wird einem wieder bewusst, auf welch hohem Niveau man jammert. Unser Bildungssystem lässt schon zu wünschen übrig, aber es ist schockiernd, wenn man mitbekommt, dass die Menschen in Indonesien noch nicht mal eine Sprache wie Englisch in der Schule lernen. Gestern abend hatten wir einen wirklich netten Abend mit einigen der Hotelangestellten. Wir sind stundenlang mit ihnen zusammen gesessen und haben mit ihnen auf Englisch gequatscht über ernste Themen wie Umweltverschmutzung aber auch beispielsweise über verbindene Themen wie Sport. Und wir haben alle viel übereinander gelernt. Für die Indonesier war es einfach nur lehrreich sich mit uns auf Englisch zu unterhalten, während wir uns glücklich schätzen durften, dass unser Bildungssystem zwar auch massive Verbesserungen benötigt, wir jedoch trotzdem ausreichend für eine Reise in die Welt vorbereitet wurden. Letztendlich ist es immer wieder bitter festzustellen, dass das Einzige, was wirklich interessiert, das liebe Geld ist. Man fragt sich, wo die Menschlichkeit bleibt. Aber auf welchem Niveau auch immer man jammert, es ist bereits wie Bob Marley in einem seiner Lieder gesungen hat: Steh auf und kämpfe für Deine Rechte. Wir kleinen Leute müssen uns gegenseitig unterstützen und helfen, und wir dürfen niemals aufhören für einander einzustehen und für unsere Rechte, denn wenn wir das nicht tun, dann wird das niemand für uns tun. Ich wünschte, ich hätte ein paar alte Englischlehrbücher mit auf die Reise genommen, die ich hier verschenken kann. Leider ist es dafür zu spät, aber ich kann es hier niederschreiben, dass solche Bücher dringend benötigt werden in Indonesien. Also wenn ihr hierher reist, dann schmeisst eure alten Bücher nicht weg, sondern bringt sie mit hierher, damit die Menschen hier auch Englisch lernen können. Sie lernen mit großem Enthusiasmus und mit großer Freude und sie sind so dankbar für alles Neue, was sie lernen können. Das sind wirklich schöne und auch lehrreiche Momente. Jeden Tag lernt man etwas dazu, vor allem wenn man ferne Länder bereist und Menschen fremder Kulturen trifft.

Ernste Themen

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Schöne Themen

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