Denn sie wissen nicht, was sie tun

Rinjani

Rinjani

Ich habe es leider noch nicht geschafft, diesen weltberühmten James Dean Klassiker zu sehen, aber alleine der Filmtitel “Denn sie wissen nicht, was sie tun” ist passend für sehr viele Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe. Dabei spielte es eigentlich nie eine Rolle, ob es sich um kleine oder große Entscheidungen handelte. Wahrscheinlich ist es auch gut so, dass man in den seltensten Fällen vorher alle Folgen und Konsequenzen eines Vorhabens einkalkulieren kann, sonst wäre das Leben vermutlich langweilig und berechenbar. Ich gehe auch davon aus, dass viele Menschen mit den Konsequenzen einer Entscheidung ganz unterschiedlich umgehen, und sich deshalb in den seltensten Fällen allgemeingültige Folgen ableiten lassen.
Ich habe auf alle Fälle die Entscheidung getroffen, dass ich mir unbedingt den Vulkan Rinjani auf Lombok in Indonesien anschauen muss. Immerhin war ich schon mal so clever, dass ich mir dafür eine geführte Tour gebucht hatte, trotzdem muss ich im nachhinein zugeben, dass ich vorher genauer hätte recherchieren sollen, was diese Tour alles beinhaltet, denn ich habe nämlich weder Treckingerfahrung noch Kondition. Wir hatten bereits eine dreitägige Tour zur Besichtigung des Vulkans gebucht, bevor wir nach Gili Trawangan gereist sind. Auf Gili Trawangan hatten wir dann die Möglichkeit, uns mit den ersten Touristen zu unterhalten, die diese Tour, oder sollte ich besser sagen Tortur, bereits absolviert hatten. Mir schwante bereits Übles. Auch bei einem letzten Skype-Telefonat mit meinen Eltern musste ich deren Frage, ob wir uns das genau überlegt hatten, verneinen. Als wir dann am Tag vor der Tour auf ein Hotel in 600 Meter Höhe gebracht wurden, stieg die Aufregung merklich. Denn auch die Touristen, welche die Tour gerade beendet hatten, wurden dort abgeliefert und diese waren alle vollkommen kaputt und dreckbedeckt von Kopf bis Fuß. Nach einer sehr unruhigen Nacht gab es dann am nächsten Morgen um 7:00 Uhr erstmal Frühstück. Nach einigem Hin und Her, wie in Indonesien üblich, wurde unsere Gruppe ohne jegliche Erklärung auf einen Pickup verladen und zur Talstation gebracht. Nachdem wir alle unsere Daten, wie Vorname, Nachname und Nummer des Reisepasses, in einem Buch vermerkt hatten, vermutlich falls sie unsere körperlichen Überreste zurückschicken müssen, ging die Fahrt auf dem Pickup weiter zum Fuß des Berges. Dort ging die Wanderung dann endlich los. Am Anfang war es auch noch sehr entspannt. Alle 15 Minuten gab es eine Pause an einer schattigen Stelle. Auch bis zur großen Mittagspause, bei der es für indonesische Verhältnisse eine ungewöhnlich große Portion Nudelsuppe sowie Reis und Ananas gab, haben wir nicht verstanden, warum die Touristen, welche die Tour bereits absolviert hatten, so kaputt waren. Doch dann wurde es von Höhenmeter zu Höhenmeter, den wir gingen, schlimmer. Man muß sich vorstellen, dass wir an dem einen Tag über 2000 Höhenmeter absolviert haben über übelste Schotterpisten. Je länger wir gingen, um so heftiger wurden die Steigungen, die wir überwinden mussten. Es ging nur noch steil bergauf über ungesichterte Schotterpisten. Wenn man sich umdrehte und nach unten schaute, konnte einem echt schwindlig werden. Jeder Schritt aber auch wirklich jeder Schritt kostete Überwindung. An jeder halbwegs stabilen Stelle versuchte man sich auszuruhen, um Kraft zu sammeln für den nächsten Schritt. Dies war keine Wandertour wie man sie aus den deutschen Alpen kennt sondern eine richtige Klettertour. Am Abend um ungefähr 18:30 hatten wir dann endlich die Kante des Vulkans erreicht. Wir waren so kaputt, dass wir kaum die Aussicht genießen konnten, geschweige denn den Auslöser unseres Fotoapparats drücken konnten. Drei Leute unserer Tour mussten sich vor lauter Anstrengung sogar übergeben. Die Windgeschwindigkeiten auf der Kante des Vulkans waren auch nicht zu ignorieren, so dass es empfindlich kalt wurde, nachdem die Sonne untergegangen war. Todmüde kletterten wir schleunigst in unser Zelt und kuschelten uns in unsere Schlafsäcke, und ich schaufelte mir noch schnell das abermals üppige Abendessen in den Magen. Der Anblick des Sternenhimmels war zwar phänomenal, allerdings haben wir auch den kaum genossen, weil es einfach zu kalt war, nachdem wir uns Höhenmeter für Höhenmeter den Vulkan hochgeschwitzt hatten. An Schlaf war kaum zu denken, zumal die heftigen Winde nach etwa 2 Stunden unsere äußere Zeltwand weggerissen hatten, und wir quasi nur noch unter dem Moskitonetz geschlafen haben. Mehrere Versuche, dass Zelt mitten in der Nacht wieder richtig aufzubauen, schlugen leider auch fehl. Einige ganz Verrückte ließen sich dann für den nächtlichen Aufstieg auf die Spitze des Vulkans nochmal um 3:00 Uhr morgens wecken. Wir lehnten dankend ab. Den Sonnenaufgang haben wir dann leider auch verpasst, weil dies der Zeitpunkt war, an dem wir endlich eingeschlafen sind. Am nächsten Tag beschlossen wir, dass wir wieder absteigen, anstatt noch den dritten Tag der Tour zum Kratersee und den heißen Quellen mitzunehmen, da dieser laut Tourguide noch anstrengender werden würde. Auf so einem Berg muss man einfach seine Grenzen kennen und akzeptieren. Würde ich diese Tour nochmal machen? Nein, auf gar keinen Fall, aber folgende Punkte nehme ich mit aus diesem Erlebnis:

1) Wir haben den Aufstieg geschafft, worauf wir sehr stolz sein können. Jedoch habe ich einen abartigen Mukelkater und Blasen in noch nie dagewesener Größe an meinen Füßen. Um die Vulkanasche wieder von mir abwaschen zu können, musste ich mich danach eine Stunde lang duschen und an manchen Stellen bin ich immer noch dreckig. Aufgrund totaler Erschöpfung und sehr großer Kälte konnte ich die Aussicht kaum genießen. Anstrengung und Genuß standen in keinem Verhältnis zueinander.
2) Meine größte Bewunderung gilt den Guides und Trägern der Touren. Diese laufen lediglich mit Flip Flops bekleidet an einem lachend, singend und rauchend vorbei und tragen dabei in geflochtenen Bambuskörben an Bambusstangen noch Gaskocher, Gasflaschen, Zelte, Isomatten und Essen wie rohe Eier, Hühnchen, Nudeln, Ananas, Bananen und etliches mehr. Das Gehalt, dass die Jungs bekommen, ist natürlich mal wieder lächerlich. Zweimal die Woche absolvieren sie die Tour. Manche machen das, seitdem sie 6 Jahre alt sind und haben weder lesen noch schreiben noch rechnen gelernt.
3) Des Weiteren ist auch dieser Vulkan trotz mehrerer Hinweisschilder absolut verdreckt. Der Vulkan ist ebenso wenig wie der Mount Everest für den Massentourismus geeignet. Leider meint jeder Hinz und Kunz, er muß da oben hin. Ich war da leider auch nicht besser.
4) Deine Eltern haben immer recht, egal wie alt Du bist. Hätte ich ihnen mal besser vor der Buchung der Tour von dem Vorhaben erzählt.

Aber in Zukunft werde ich genauer über solche Touren nachdenken, und mich vor allem besser vorher informieren, was das bedeutet, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob es irgendetwas gegeben hätte, dass mich darauf hätte vorbereiten können. Der Abstieg war übrigens noch schlimmer für mich als der Aufstieg, denn diesem habe ich meine riesigen Blasen zu verdanken.

Tourplanung für Rinjani

Tourplanung für Rinjani

Equipmentträger

Equipmentträger

Äffchen gab es auch auf dem Vulkan

Äffchen gab es auch auf dem Vulkan

Auf der Vulkankante

Auf der Vulkankante

Auch am nächsten Morgen noch schön

Auch am nächsten Morgen noch schön