Das war eine harte Angelegenheit

Jeden Morgen beim Yoga konnte ich diesen Anblick geniessen.

Jeden Morgen beim Yoga konnte ich diesen Anblick geniessen.

Ich kann leider nicht mehr ganz nachvollziehen, wie genau folgende Begebenheit wirklich zustande gekommen ist, aber am Ende haben Peter und ich an einem 10-tägigen Meditations- und Schweigeretreat in einem buddhistischen Kloster in Thailand teilgenommen. Sicher sagen kann ich aber, dass es nicht das Ergebnis irgendeiner Suffwette war, sondern schon eine sehr schwammig geplante Etappe unserer Reise. Also machten Peter und ich uns am 30.03. auf den Weg nach Suan Mokkh in Thailand. In Suan Mokkh werden in englischer Sprache Meditationstechniken, Yoga und die Lehren Buddhas unterrichtet. Das Meditationsretreat ist explizit auf westliche Teilnehmer ausgerichtet und beginnt immer am letzten Tag eines Monats. In dem Retreat wird nahezu den ganzen Tag meditiert und es darf nicht gesprochen werden. Alle elektronischen Geräte sowie Kommunikationsmittel werden für 10 Tage bei der Leitung abgegeben. Man besitzt nichts mehr außer seiner Kleidung und Kosmetikartikeln. Es sind auch keine Bücher oder Schreibunterlagen gestattet. Das war eine harte Angelegenheit auch aufgrund des Tagesablaufs.

Es sah definitiv ein bißchen nach Knast aus ...

Es sah definitiv ein bißchen nach Knast aus …

Mein Schlafgemach: Bambusmatte als Matratze und Holzblockkopfkissen

Mein Schlafgemach: Bambusmatte als Matratze und Holzblockkopfkissen

Der Tagesablauf sah an den meisten Tagen folgendermaßen aus:

04:00 Uhr – Wecken

04:30 Uhr – Morgenlesung

04:45 Uhr – Sitzmeditation

05:15 Uhr – Yoga

07:00 Uhr – Morgenansage

08:00 Uhr – Frühstück und Putzaufgabe

10:00 Uhr – Sound of Dhamma

11:00 Uhr – Gehmeditation

11:45 Uhr – Sitzmeditation

12:30 Uhr – Mittagessen

14:30 Uhr – Sound of Dhamma

15:30 Uhr – Gehmeditation

16:15 Uhr – Sitzmeditation

17:00 Uhr – Chanting (oder wie Peter zu sagen pflegte: Hosianna singen)

18:00 Uhr – Tee und Hotsprings

19:30 Uhr – Sitzmeditation

20:00 Uhr – Gehmeditation

20:30 Uhr – Sitzmediation

21:15 Uhr – Licht aus

Meditationshalle (Man sieht noch die Abdrücke der Sitzkisten.)

Meditationshalle (Man sieht noch die Abdrücke der Sitzkisten.)

Nach diesen 10 Tagen des langen und schmerzhaften Herumsitzens, des Schweigens, des Zuhörens und des Nachdenkens kann ich Folgendes feststellen:

  1. Ich kann mittlerweile schon fast eine Stunde lang still sitzen.

  2. Ich kann auch eine Stunde lang über ein Käsebrot nachdenken.

  3. Ich muss versuchen, jeden Morgen Sport/Yoga zu machen und zu meditieren. Ich werde schließlich nicht jünger und es muß wirklich jeden Tag sein.

  4. Gerade sitzen. Das hat mir meine Mama auch schon immer gesagt.

  5. Ich muss mich gesund und vernünftig ernähren und mir Zeit zum Essen nehmen. Es darf auch nicht mehr soviel zwischendurch genascht werden. 🙁

  6. Ich muss mir jeden Tag Zeit für meinen Körper nehmen.

  7. In Beziehungen darf ich keine Erwartungen an meine Mitmenschen stellen. Aufrichtige Liebe ist frei von Gegenleistungen und Erwartungen. Nicht erfüllte Erwartungen führen immer zu Enttäuschungen.

  8. Es ist wunderschön seine lieben Gedanken in der Meditation an seine Lieben zu schicken, aber es ist nahezu unmöglich, seine lieben Gedanken an Menschen zu schicken, denen man nicht wohlgesonnen ist und zwar vielleicht nur aus Essensneidgründen, welche beim gemeinsamen schweigsamen Mittagessen entstanden sind.

Es war eine wirklich harte aber auch tolle und sehr persönliche Erfahrung, aber wir haben es durchgestanden, wobei wir die Schweigeregel ein bißchen gebogen haben. Meine wichtigste Erkenntnis in dem Meditationsretreat war: Punkt 7.

Glockenturm/Wecker

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